Russlands Nordflotte

von Olivia Kroth

Russlands berühmte Nordflotte (Северный флот) bleibt auch im Jahr 2017 ein Kernstück des russischen Verteidigungssystems. Sie ist in Seweromorsk, Murmansk und in der Kola-Bucht stationiert. Dieser Teil der russischen Kriegsmarine ist in erster Linie für die Verteidigung von Nordwestrussland verantwortlich, wird aber auch im Mittelmeer und in allen Ozeanen der Welt eingesetzt. 1937 gegründet, spielte die Nordflotte im Grossen Patriotischen Krieg (1941-1945) eine wichtige Rolle, als sie die Küsten der Halbinseln Rybatschi und Sredni verteidigte. So gelang es der Sowjetunion, interne und externe Transportrouten zu sichern. Das Personal der Nordflotte nahm auch am Krieg auf dem Land teil, inklusive der Petsamo-Kirkenes-Operation (Петсамо-Киркенесская операция) im Jahr 1944. Die U-Boote, Torpedoboote und Flugzeuge der Nordflotte  versenkten 192 feindliche Transportschiffe und 70 andere militärische Schiffe. Ausserdem schädigte die Nordflotte insgesamt 118 feindliche Boote. Seitdem hat sich die Nordflotte mit langer, stolzer Tradition einen exzellenten Ruf in der Verteidigung Russlands erworben. 

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Wie kam es eigentlich zur Oktoberrevolution 1917? — Sascha’s Welt

„Die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, dass gerade Russland das Land sein wird, das den Weg zum Sozialismus bahnt … Man muss die überlebte Vorstellung fallen lassen, dass nur Europa uns den Weg weisen könne.“

J. W. Stalin im August 1917 auf dem VI. Parteitag der SDAPR(B).

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Es lebe der Große Oktober!

Dieser Bericht wurde in einer Zeit geschrieben, als der Virus der Konterrevolution noch nicht in der Kommunistischen Partei der Sowjetunion zum Ausbruch gekommen war. Sachlich und detailliert schildern die Autoren die Fortschritte und Erfahrungen, die die Bolschewiki im Verlaufe der Vorbereitungen zur Großen Sozialistischen Oktoberrevolution machen konnten. Sie verhehlen auch nicht, welche Niederlagen und Rückschläge die Partei Lenins und Stalins in dieser Zeit einstecken mussten…

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2017 – Das hundertste Jahr der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution! (1917-2017) — Sascha’s Welt

Nun, wie geht es Ihnen im Kapitalismus??? С Новым Годом, дорогие товарищи! Download: Kalender 2017 83

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Olivia Kroth: Russlands berühmtes Ensemble Alexandrow — Olivia2010kroth’s Blog

Das Jahr 2017 begann für die Russische Föderation sehr traurig, denn 60 Mitglieder des berühmten sowjetisch-russischen Ensembles Alexandrow starben am 25. Dezember 2016 bei einem Flugzeugabsturz im Schwarzen Meer.  Die Iljuschin-Maschine TU-154 stürzte kurz nach dem Start in Sotschi ab. Sie sollte nach Syrien fliegen, wo das Ensemble Alexandrow, auch bekannt als ‚Chor der Roten Armee‘, für russische Soldaten im Luftwaffenstützpunkt Latakia ein Neujahrskonzert geben wollte.  Alle Sänger des Chors – bis auf drei, die zuhause geblieben waren – befanden sich an Bord und starben bei dieser Katastrophe. Auch der Chorleiter, Dirigent und Komponist Waleri Chalilow war dabei. Dies ist ein immenser Verlust für ihre hinterbliebenen Familien, die musikalische Welt und insbesondere für die Russische Föderation. Das Ensemble Alexandrow war weltweit beliebt. Mit seinem reichen und breit gefächerten Repertoire von mehr als 2.000 Liedern hatte es sich in die Herzen von vielen Menschen aller Generationen gesungen…

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Aus dem Leben von J. W. Stalin (1)

 

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Josef Wissarionowitsch Stalin (Dshugaschwili) wurde am 9. (21.) Dezember 1879 in der Stadt Gori, Gouvernement Tiflis, geboren. Sein Vater, Wissarion Iwanowitsch Dshugashwili, georgischer Nationalität, stammte aus einer Bauernfamilie des Dorfes Didi-Lilo, Gouvernement Tiflis, und war von Beruf Schuhmacher, späterhin Arbeiter der Schuhfabrik Adekhanow in Tiflis. Die Mutter, Jekaterina Georgijewna, entstammte der Familie des leibeigenen Bauern Geladse aus dem Dorfe Gambareuli.

Im Herbst 1888 wurde Stalin in die geistliche Elementarschule von Gori aufgenommen. Im Jahre 1894 absolvierte er die Schule und bezog im gleichen Jahr das griechisch-orthodoxe Priester­seminar in Tiflis.

In diesen Jahren fand in Russland, dank der Entwicklung des industriellen Kapitalismus und dem Wachstum der Arbeiterbe­wegung, der Marxismus weite Verbreitung. Der von Lenin ge­gründete und geleitete Petersburger »Kampfbund zur Befreiung der Arbeiterklasse« gab der Entwicklung der sozialdemokratischen Bewegung im ganzen Lande einen mächtigen Anstoß. Die Wellen der Arbeiterbewegung erfassten auch Transkaukasien, wohin der Kapitalismus bereits vorgedrungen war und wo eine starke natio­nale und koloniale Unterdrückung herrschte. Transkaukasien war eine typische Kolonie des russischen Zarismus, ein wirtschaft­lich rückständiges Agrarland mit noch starken Überresten des Feudalismus, ein Land, das von zahlreichen Nationalitäten be­wohnt war, die in einem bunten Gemisch nebeneinander lebten.

Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts setzte in Transkau­kasien eine rasche Entwicklung des Kapitalismus ein; die Ar­beiter und Bauern wurden einer räuberischen Ausbeutung unter­worfen, die nationale und koloniale Unterdrückung wurde ver­schärft. Besonders rasch entwickelten sich der Bergbau sowie die Gewinnung und Verarbeitung von Erdöl; hier hatte das auslän­dische Kapital die entscheidenden Positionen an sich gerissen.

Der russische Kapitalismus“, schrieb Lenin, „zog auf diese Weise den Kaukasus in den Weltwarenverkehr hinein, er nivellierte seine örtlichen Besonderheiten — Überreste der alten patriarchalischen Abgeschlossenheit — und schuf sich einen Markt für seine Fabriken. Das Land, das kurz nach der Re­form noch schwach besiedelt oder von Bergvölkern bewohnt gewesen war, die abseits der Weltwirtschaft und sogar abseits der Geschichte standen, verwandelte sich in ein Land der Erd­ölindustriellen, der Weinhändler und der Großproduzenten von Weizen und Tabak…“1

Mit dem Aufkommen der Eisenbahnen und der ersten Fabriken und Industriewerke kam im Kaukasus auch die Arbeiterklasse auf. Besonders rasch entwickelte sich die Erdölstadt Baku, das große Industrie- und Arbeiterzentrum des Kaukasus.

Die Entwicklung des Industriekapitalismus hatte ein An­wachsen der Arbeiterbewegung im Gefolge. In den neunziger Jahren entfalteten in Transkaukasien die dorthin verschickten russischen Marxisten eine revolutionäre Tätigkeit. In Transkau­kasien setzte die Propaganda des Marxismus ein. Das Tifliser griechisch-orthodoxe Seminar war damals eine Pflanzstätte für jede Art von Befreiungsideen unter der Jugend, sowohl von volkstümlerisch-nationalistischen als auch von marxistisch-inter­nationalistischen, es zählte eine Menge verschiedenartiger Ge­heimzirkel. Das im Seminar herrschende jesuitische Regime rief bei Stalin stürmischen Protest hervor, es nährte und verstärkte in ihm die revolutionäre Gesinnung. Der fünfzehnjährige Stalin wird zum Revolutionär.

In die revolutionäre Bewegung“, erzählt Stalin, „trat ich im Alter von 15 Jahren ein, als ich mit den illegalen Gruppen russischer Marxisten, die damals in Transkaukasien lebten, Verbindung aufgenommen hatte. Diese Gruppen übten gro­ßen Einfluss auf mich aus und brachten mir Geschmack an der illegalen marxistischen Literatur bei.“2

In den Jahren 1896 und 1897 leitet Stalin die marxistischen Zirkel im Seminar. Im August 1898 tritt er auch formell der Tifliser Organisation der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands bei. Stalin wird Mitglied der Gruppe „Messame-Dassi“, der ersten georgischen sozialdemokratischen Organisation, die in den Jahren 1893 bis 1898 eine gewisse positive Rolle bei der Ver­breitung der Ideen des Marxismus spielte. Das „Messame-Dassi“ war politisch nicht homogen: seine Mehrheit vertrat den Stand­punkt des »legalen Marxismus« und neigte zum bürgerlichen Nationalismus. Stalin, Kezchoweli und Zulukidse bildeten im „Messame-Dassi“ den führenden Kern der revolutionären marxi­stischen Minderheit, die zur Keimzelle der revolutionären Sozial­demokratie Georgiens wurde.

Stalin arbeitet viel und beharrlich an seiner Bildung. Er studierte das „Kapital“ von Marx, das „Manifest der Kommunisti­schen Partei“ und andere Werke von Marx und Engels, arbeitet die gegen die Volkstümlerrichtung, den »legalen Marxismus« und den »Ökonomismus« gerichteten Schriften Lenins durch. Bereits damals machten Lenins Werke auf Stalin einen tiefen Eindruck. Einer der Genossen, die Stalin in dieser Zeit gut kannten, erin­nert sich, wie Stalin, als er eine Arbeit Tulins (Lenins) gelesen hatte, sagte: »Ich muss ihn um jeden Preis kennenlernen.«3 Der Kreis des theoretischen Interesses Stalins war außerordentlich umfassend: er studierte Philosophie, politische Ökonomie, Ge­schichte, Naturwissenschaften, las die Werke der Klassiker der schönen Literatur. Stalin wurde ein gebildeter Marxist.

Stalin betätigt sich in diesem Zeitabschnitt intensiv als Propa­gandist in Arbeiterzirkeln, nimmt an illegalen Arbeiterversamm­lungen teil, verfasst Flugblätter und organisiert Streiks. Das war für Stalin die erste Schule praktischer revolutionärer Arbeit unter den fortgeschrittenen Proletariern von Tiflis.

»Ich erinnere mich des Jahres 1898«, sagt Stalin, »als man mir zum ersten mal einen Zirkel von Arbeitern der Eisenbahn-Werkstätten zuteilte… Hier, im Kreise dieser Genossen, er­hielt ich damals meine erste revolutionäre Feuertaufe… Meine ersten Lehrer waren die Tifliser Arbeiter.«4

Dem Unterricht in den marxistischen Arbeiterzirkeln von Tif­lis lag ein von Stalin verfasstes Schulungsprogramm zugrunde.

Im Seminar, wo die »Verdächtigen« unter scharfe Beobachtung gestellt wurden, kam man der illegalen revolutionären Tätigkeit Stalins auf die Spur. Am 29. Mai (10. Juni) 1899 wird er wegen Propaganda des Marxismus aus dem Seminar ausgeschlossen. Stalin schlägt sich einige Zeit mit Stundengeben durch und findet dann (im Dezember 1899) Arbeit im Tifliser Physikalischen Observatorium als Beobachter und Rechner. Während dieser Arbeit stellte er die revolutionäre Tätigkeit für keinen Augen­blick ein.

Bereits zu dieser Zeit ist Stalin einer der energischsten und her­vorragendsten Parteiarbeiter der Tifliser sozialdemokratischen Organisation.

»In den Jahren 1898 bis 1900 bildete und konstituierte sich die leitende sozialdemokratische Zentralgruppe der Tifliser Organisation… die Tifliser sozialdemokratische Zentral­gruppe leistete beim Aufbau der illegalen sozialdemokratischen Parteiorganisation eine gewaltige revolutionäre Propaganda- und Organisationsarbeit.«5

Stalin stand an der Spitze dieser Gruppe. Der Leninsche »Kampfbund zur Befreiung der Arbeiterklasse« war das Vorbild, dem die Tifliser revolutionären Sozialdemokraten in ihrer Arbeit unentwegt nacheiferten. Unter Führung der revolutionären Minderheit des »Messame-Dassi« (Stalin, Kezchoweli, Zulukidse) überschreitet die Arbeiterbewegung in Tiflis in diesem Zeit­abschnitt den Rahmen der alten, rein propagandistischen Arbeit »mit hervorragenden Einzelpersonen« aus den Reihen der Arbeiter. Das praktische Leben rückte die Agitation unter den Massen durch Herausgabe von Flugblättern über aktuelle Themen, durch fliegende Versammlungen und politische Demonstrationen gegen den Zarismus in den Vordergrund.

Die neue Taktik stößt auf scharfen Widerstand bei der oppor­tunistischen Mehrheit des »Messame-Dassi«, das zum »Ökono­mismus« neigte, vor revolutionären Methoden zurückschreckte und es ablehnte, den politischen Kampf gegen die Selbstherrschaft auf die »Straße« zu verlegen. Stalin und die revolutionäre Min­derheit des »Messame-Dassi« führen einen heftigen und unver­söhnlichen Kampf gegen die Opportunisten, für die Durchset­zung der neuen Taktik, der Taktik der politischen Massenagita­tion. Sie finden bei den fortgeschrittenen Arbeitern von Tiflis begeisterte Unterstützung.

Beim Übergang der Tifliser Sozialdemokraten zu den neuen Arbeitsmethoden spielte Viktor Kurnatowski eine hervorragende Rolle. Dieser geschulte Marxist, ein standhafter Anhänger und naher Kampfgefährte Lenins, verfocht die Leninschen Ideen in Transkaukasien. Im Herbst 1900 in Tiflis eingetroffen, stellt er enge Beziehungen zu Stalin und der revolutionären Minderheit des »Messame-Dassi« her und wird zum nächsten Freund und Kampfgefährten Stalins.

Als im Dezember 1900 die Leninsche »Iskra« zu erscheinen be­gann, stellte sich Stalin rückhaltlos auf ihren Standpunkt. Stalin erkannte in Lenin sofort den Begründer einer wahrhaft marxi­stischen Partei, den Führer und Lehrer.

»Die Bekanntschaft mit Lenins revolutionärer Tätigkeit seit Ende der neunziger Jahre, und besonders nach dem Jahre 1901, nach der Gründung der ,Iskra’«, sagt Stalin, »hatte mich zu der Überzeugung gebracht, dass wir in Lenin einen außergewöhnlichen Menschen besitzen. Er war damals in mei­nen Augen nicht ein einfacher Führer der Partei, sondern ihr tatsächlicher Schöpfer, denn er allein verstand das innere We­sen und die dringenden Bedürfnisse unserer Partei. „Wenn ich ihn mit den übrigen Führern unserer Partei verglich, schien es mir immer, dass Lenin seine Kampfgefährten — Plechanow, Martow, Axelrod und andere — um Haupteslänge überragt, dass Lenin im Vergleich zu ihnen nicht einfach einer der Füh­rer, sondern ein Führer von höherem Typus ist, ein Bergadler, der furchtlos ist im Kampf und die Partei kühn vorwärtsführt auf den unerforschten Wegen der russischen revolutionären Bewegung.«6

Stalin war von grenzenlosem Glauben an das revolutionäre Genie Lenins erfüllt und ging den Weg Lenins. Er ist von diesem Weg niemals abgewichen und führt nach dem Tode Lenins dessen Werk kühn und sicher fort.

Angesichts der beginnenden Wirtschaftskrise steigt in Tiflis unter dem Einfluss der Arbeiterbewegung Russlands und infolge der Tätigkeit der revolutionären Sozialdemokraten in den Jah­ren 1900 und 1901 die Welle wirtschaftlicher Streiks. Ein Betrieb nach dem anderen wird von Streiks erfasst. Im August 1900 bricht der grandiose Streik der Eisenbahnarbeiter in den Werk­stätten und im Depot aus. An diesem Streik nimmt M. I. Kalinin aktiv teil, der aus Petersburg nach dem Kaukasus ausgewiesen worden war. Am 22. April (5. Mai) 1901 findet im Zentrum von Tiflis eine Maidemonstration statt. Stalin ist der Organisator und Führer dieser Demonstration. Die Leninsche »Iskra« schätzte diese Demonstration als ein Ereignis von historischer Bedeutung für den ganzen Kaukasus ein; ihre Einwirkung auf die gesamte weitere Entwicklung der Arbeiterbewegung des Kaukasus war außerordentlich groß.

So wurde in diesen Jahren unter Leitung der revolutionären, von Stalin geführten Minderheit des »Messame-Dassi« der Über­gang der Arbeiterbewegung Georgiens von der Propaganda in kleinen Zirkeln zur politischen Massenagitation vollzogen. Da­mit wurde auch im Kaukasus die Vereinigung des Sozialismus mit der Arbeiterbewegung eingeleitet, genau so, wie einige Jahre vorher der von Lenin geführte Petersburger »Kampfbund« der­selben Aufgabe in glänzender Weise gerecht geworden war.

Die über das Anwachsen des revolutionären Kampfes des transkaukasischen Proletariats beunruhigte zaristische Regierung verschärfte die Gewaltmaßnahmen und glaubte dadurch der Be­wegung Einhalt gebieten zu können. Am 21. März (3. April) 1901 führte die Polizei eine Haussuchung im Physikalischen Observatorium durch, wo Stalin wohnte und arbeitete. Die Haus­suchung und der später bekanntgewordene Haftbefehl der Ochrana veranlassten Stalin, in die Illegalität zu gehen. Von da an bis zur Februarrevolution 1917 führt er in der Illegalität das angestrengte und heldenhafte Leben eines Berufsrevolutionärs Leninscher Schule.

Die Satrapen des Zaren waren ohnmächtig der ansteigenden revolutionären Bewegung gegenüber. Auf Initiative Stalins und Kezchowelis begann im September 1901 die erste illegale geor­gische sozialdemokratische Zeitung »Brdsola« (Der Kampf) zu erscheinen, die die Ideen der Leninschen »Iskra« konsequent ver­focht. Nach der »Iskra« war »Brdsola« die beste marxistische Zeitung in Russland.

Der in der ersten Nummer des »Brdsola« (September 1901) unter dem Titel »Geleitwort der Redaktion« erschienene Leit­artikel war von Stalin verfasst. Stalin bestimmte die Aufgaben des Blattes wie folgt:

»Die georgische sozialdemokratische Zeitung muss klare Ant­wort geben auf alle Fragen, die mit der Arbeiterbewegung zusammenhängen, die prinzipiellen Fragen klären, die Rolle der Arbeiterklasse im Kampf theoretisch erläutern und jede Erscheinung, auf die der Arbeiter stößt, mit dem Lichte des wissenschaftlichen Sozialismus beleuchten.«7

In diesem Leitartikel wies Stalin darauf hin, dass die Zeitung die Arbeiterbewegung führen und den Arbeitermassen so nahe wie möglich stehen muss, dass sie in der Lage sein muss, sie stän­dig zu beeinflussen, ihr bewusstes und leitendes Zentrum zu sein.

In der folgenden Nummer (November/Dezember 1901) brachte die »Brdsola« den wichtigen Artikel Stalins »Die Sozial­demokratische Partei Russlands und ihre nächsten Aufgaben«. In diesem Artikel unterstrich Stalin die Notwendigkeit, den wissenschaftlichen Sozialismus mit der spontanen Arbeiterbewe­gung zu vereinigen, er verwies auf die führende Rolle der Ar­beiterklasse in der demokratischen Freiheitsbewegung und be­gründete die Aufgabe, eine selbständige politische Partei des Proletariats zu organisieren.

Auch die Herausgabe von Flugblättern in den Sprachen der vielen Nationalitäten Transkaukasiens nimmt weite Ausmaße an. »Prächtig geschriebene Aufrufe sind in russischer, georgischer und armenischer Sprache erschienen, und mit ihnen wurden alle Stadtviertel von Tiflis überflutet«, schrieb die Leninsche »Iskra« über die Tätigkeit der Tifliser Sozialdemokraten.8 Stalins näch­ster Kampfgefährte, Lado Kezchoweli, gründete in Baku ein Komitee der Leninschen »Iskra«-Richtung und organisierte eine illegale Druckerei. Am 11. (24.) November 1901 fand eine Kon­ferenz der Tifliser sozialdemokratischen Organisation statt, auf der das Tifliser Komitee der SDAPR gewählt wurde. Diesem Komitee gehörte auch Stalin an. Er blieb jedoch nur sehr kurze Zeit in Tiflis. Ende November reiste Stalin im Auftrage des Tif­liser Komitees nach Batum, dem drittgrößten proletarischen Zen­trum im Kaukasus (nach Baku und Tiflis), um dort eine sozial­demokratische Organisation zu gründen.

In Batum entfaltet Stalin eine rastlose revolutionäre Tätig­keit: er stellt Verbindungen mit fortgeschrittenen Arbeitern her, gründet sozialdemokratische Zirkel, leitet selbst einige Zirkel, richtet eine illegale Druckerei ein, schreibt zündende Flugblätter, lässt sie drucken und verbreiten, leitet den Kampf der Arbeiter der Betriebe von Rothschild und Mantaschow, organisiert die re­volutionäre Propaganda auf dem Lande. Stalin ruft in Batum eine sozialdemokratische Organisation ins Leben, gründet das Batumer Komitee der SDAPR und leitet die Streiks in den Be­trieben. Am 9. (22.) März 1902 organisierte Stalin die berühmte politische Demonstration der Batumer Arbeiter, an deren Spitze er als Demonstrationsleiter schritt. Hier vollzog Stalin praktisch die Vereinigung des Streiks mit der politischen Demonstration.

So entstand und entwickelte sich in diesem Zeitabschnitt im entschlossenen und unversöhnlichen Kampf gegen den Oppor­tunismus die Organisation der Leninschen »Iskra«-Richtung in Transkaukasien. Ihr hervorragendster Organisator und Führer war Stalin, den die Batumer Arbeiter schon damals den Lehrer der Arbeiter nannten. Die Organisation der Leninschen »Iskra«-Richtung in Transkaukasien wurde auf den festen Grundlagen des proletarischen Internationalismus aufgebaut, sie vereinigte in ihren Reihen die fortgeschrittenen Proletarier verschiedener Nationalitäten: Georgier, Armenier, Aserbaidshaner, Russen. Lenin führte später wiederholt die transkaukasische Organisation der Partei als Vorbild des proletarischen Internationalismus an.

Der machtvolle Kampf der Arbeiter von Batum ruft bei der Regierung ernste Beunruhigung hervor. Die Spürhunde der Poli­zei suchen eifrig nach den »Rädelsführern«. Am 5. (18.) April 1902 wird Stalin verhaftet. Aber auch im Gefängnis (zuerst in Batum, dann — vom 19. April (2. Mai) 1903 ab — in dem durch sein hartes Regime berüchtigten Gefängnis von Kutais, danach wieder in Batum) verliert Stalin nicht die Verbindung mit der revolutionären Arbeit.

Anfang März 1903 tagte der erste Kongress der sozialdemo­kratischen Organisationen Kaukasiens, auf dem der Kaukasische Bund der SDAPR gegründet wurde. Stalin, der sich in Haft be­fand, wurde in seiner Abwesenheit zum Mitglied des Kauka­sischen Bundeskomitees der SDAPR gewählt. Im Gefängnis er­fährt Stalin von Genossen, die vom II. Parteitag zurückgekehrt waren, dass zwischen den Bolschewiki und den Menschewiki höchst ernste Meinungsverschiedenheiten bestehen. Stalin tritt entschieden auf die Seite Lenins, der Bolschewiki.

Im Herbst 1903 wird Stalin auf drei Jahre nach Ostsibirien verbannt, in das Dorf Nowaja Uda, Kreis Balagan, Gouver­nement Irkutsk. Am 27. November (10. Dezember) 1903 kam Stalin in diesem Verbannungsort an. In der Verbannung erhält er einen Brief von Lenin.

»Zum ersten mal kam ich mit Lenin im Jahre 1903 in Füh­lung«, sagt Stalin. »Dies war zwar keine persönliche Bekannt­schaft, sondern eine auf schriftlichem Wege zustande gekom­mene Fernbekanntschaft, aber sie hinterließ in mir einen un­auslöschlichen Eindruck, der mich während der ganzen Zeit meiner Arbeit in der Partei nicht verließ. Ich war damals in Sibirien in der Verbannung… Lenins Brief war verhältnis­mäßig kurz, aber er bot eine kühne, unerschrockene Kritik der praktischen Arbeit unserer Partei und eine wunderbar klare und gedrängte Darlegung des ganzen Plans der Parteiarbeit für die nächste Periode.«9

Stalin blieb nicht lange in der Verbannung. Er brannte vor Ungeduld, möglichst rasch die Freiheit wiederzuerlangen, um die Durchführung des Leninschen Plans in Angriff zu nehmen und die bolschewistische Partei aufzubauen. Am 5. (18.) Januar 1904 flüchtet Stalin aus der Verbannung. Im Februar 1904 ist er wie­der im Kaukasus, zuerst in Batum und dann in Tiflis.

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Die vorliegende Ausgabe der „Kurzen Lebensbeschreibung J. W. Stalins“ ist eine Übersetzung des vom Marx-Engels-Lenin-Institut in Moskau 1950 herausgegebenen neu durchgesehenen Abdrucks der zweiten verbesserten und ergänzten russischen Auflage. Sie ist ein Nachdruck der im Jahre 1950 in Moskau erschienenen Ausgabe. Bis zum Februar 1918 wird jedes Datum nach altem russischem Kalenderstil gegeben; die eingeklammerte Angabe gibt dasselbe Datum nach neuem Stil.

5. Auflage, 201. -240. Tausend

Copyright 1950 by Dietz Verlag GmbH Berlin • Printed in Germany • Alle Rechte vorbehalten • Gestaltung und Typographie: Dietz Entwurf . Lizenznummer 341

Druck: VEB Leipziger Druckhaus, Leipzig (III/18/203)

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1 W. I. Lenin, »Werke«, Bd. III, S. 464 (russ.).

2 J. Stalin, »Unterredung mit dem deutschen Schriftsteller Emil Ludwig«, 1938, S. 9 (russ.).

3 »Erzählungen alter transkaukasischer Arbeiter über den großen Stalin«, Erinnerungen des Genossen P. Kapanadse, Verlag »Junge Garde« 1937, S. 26 (russ.).

4 J. W. Stalin, »Werke«, Bd. 8, S. 174 (russ.).

5 L. Beria, »Zur Geschichte der bolschewistischen Organisationen in Transkaukasien«, Dietz Verlag, Berlin 1950, S. 21.

6 J. W. Stalin, »Werke«, Bd. 6, S. 52/53 (russ.).

7 J. W. Stalin, »Werke«, Bd. l, Dietz Verlag, Berlin 1950, S. 8.

8 »Iskra« Nr. 25 vom 15. September 1902.

9 J. W. Stalin, »Werke«, Bd. 6, S. 52/53 (russ.).

 

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Die Wilhelmshavener Revolte 1918

Heute vor 98 Jahren, am 30. Oktober 1918, begann mit dem Matrosenaufstand in Wilhelmshaven die Novemberrevolution.

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Ende 1918 wurde in Wilhelmshaven und Rüstringen Geschichte gemacht: Matrosen, Soldaten und Arbeiter versuchten die Welt zu verändern – kämpften gegen Krieg und Monarchie, für Demokratie und Sozialismus. Die Oktoberrevolution in Russland 1917 und die französische Revolution wurden zum Vorbild für die Arbeiter und Soldaten in Deutschland.

Die Ausgangslage im Oktober/November 1918

Spätestens im September 1918 wurde klar, dass der vom deutschen Imperialismus angezettelte Weltkrieg für Deutschland verloren war. Vorgespräche zu Waffenstillstandsverhandlungen wurden aufgenommen. Dennoch wollte die Seekriegsleitung die deutsche Flotte zu einer letzten, völlig sinnlosen Seeschlacht „zur Ehrenrettung“ gegen England auslaufen lassen. Es wäre jedoch ein Himmelfahrtskommando gewesen, das den sicheren Tod von 80.000 deutschen Marinesoldaten bedeutet hätte.

Vorabend der Revolution

Seit dem 28. Oktober war die gesamte deutsche Kriegsflotte auf der Schillig-Reede zusammengezogen worden. Der Kommandant der „Thüringen“ erklärte vor den Mannschaften: „Wir verfeuern unsere letzten 2000 Schuss und wollen mit wehender Fahne untergehen.“ Doch die Matrosen erkannten die Sinnlosigkeit eines solchen Gefechts und jetzt, wo der Frieden schon so greifbar nah war, wollte man sein Leben nicht mehr für den Ruhm der Seekriegsleitung und der „stählernen deutsche Flotte“ opfern. „Es ist schade um jeden Blutstropfen, der noch für diese Lumpen vergossen wird“, brachte ein Matrose die Stimmung der Mannschaften zum Ausdruck.

Schon tags zuvor, am 27. Oktober, als die Panzerkreuzer „Derfflinger“, „Moltke“, „Seydlitz“ und „Von der Tann“ Wilhelmshaven verlassen sollten, leisteten die Matrosen und Heizer passiven Widerstand und verzögerten das Auslaufen der Schiffe. Zahlreiche Matrosen kehrten nicht an Bord zurück. Allein auf der „Von der Tann“ fehlten etwa 100 Mann. Der Kreuzer „Straßburg“ war gefechtsunfähig, weil 45 Heizer an Land geblieben waren. Ihre Kameraden an Bord löschten die Feuer unter den Kesseln und versuchten, das Schiff durch Öffnen der Flutventile zu versenken.

Am 28. Oktober verweigerten die Matrosen und Heizer auf dem Linienschiff „Markgraf“ die Befehle zum Ankerlichten und Auslaufen. Auf dem Linienschiff „König“ wurde ein Soldatenrat gebildet, und die Matrosen und Heizer des Linienschiffes „Friedrich der Große“ beschlossen auf einer Versammlung, keine Kohlen zu bunkern.

Die rote Fahne weht uns voran!

Als am Morgen des 30. Oktober der Befehl zum Auslaufen gegeben wurde, verhinderten die Mannschaften der „Thüringen“ , der „Helgoland“, der „Markgraf“ und weiterer Großkampfschiffe das Ankerlichten, und die Flotte konnte die Schillig-Reede nicht verlassen. Die Besatzungen der „Thüringen“ und der „Helgoland“ hissten die rote Fahne. Alle Versuche, die Befehlsgewalt der Offiziere wiederherzustellen, scheiterten, so dass die Flottenaktion am 31. Oktober endgültig aufgegeben werden musste.

Unterstützt wurde der Widerstand der Marinesoldaten noch durch einen andauernden kräftigen Oststurm. Mit Hilfe von Marineinfanterie und einigen Torpedo- und U-Booten gelang es schließlich, den Aufstand für einige Tage gewaltsam zu unterdrücken. Mehr als 1000 der meuternden Matrosen wurden in die Marinegefängnisse in Kiel verschleppt. Die anderen Matrosen zeigten sich jedoch solidarisch, immerhin hatten die Meuterer sie vor dem sicheren Tod bewahrt.

Vertrauensmänner wurden gewählt, die nach ihrer Beratung am 1.November im Kieler Gewerkschaftshaus die Forderung an die Marineoffiziere stellten, die Gefangenen freizulassen. Doch die Offiziere gingen nicht darauf ein und lehnten jede Verhandlungen strickt ab. Stattdessen erließen sie ein Verbot die Kasernen zu verlassen und befahlen der Marineinfanterie für Ruhe zu sorgen. So hoffte die Marineführung, das Auslaufen ihrer Flotte könnte, wenn auch mit Verzögerung, doch noch erfolgen.

Aber es kam anders: am 2.November weigerte sich die Infanterie gegen die meuternden Soldaten vorzugehen, wodurch den Offizieren ihr wichtigstes Druckmittel verloren ging. Bei einer erneuten Versammlung der Vertrauensmänner, diesmal auf dem Kieler Exerzierplatz, erklärten sich die Werftarbeiter bereit den Aufstand zu unterstützen; die Bewegung erhielt eine andere Dimension.

Diese sollte sich noch am folgenden Tag ausweiten: nach der durch Karl Artelt eröffneten Massenkundgebung, auf der erneut die Freilassung der Gefangenen gefordert wurde, setzte sich ein Demonstrationszug aus Matrosen und Werftarbeitern in Richtung Marineanstalt, wo die Gefangenen inhaftiert waren, in Bewegung. Auf dem Weg durch die Kieler Innenstadt schlossen sich ihm weitere Soldaten an. Nachdem eine Postenkette das Feuer auf den Zug eröffnet hatte, gab es acht Tote und 29 Verletzte. Dies führte am 4.November zum bewaffneten Aufstand gegen die Offiziersherrschaft. Am Morgen wurden auf den Schiffen Soldatenräte gebildet, die das weitere Vorgehen organisieren und planen sollten.

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Der Funke wird zum Steppenbrand

Der Matrosenaufstand wirkte wie ein Streichholz an einer Zündschnur. Mit rasender Geschwindigkeit breitete sich die Revolte über Deutschland aus, erfasste nach den Soldaten bald auch die Arbeiter. Kriegsmüdigkeit, die langen Jahre des Hungers und der Entbehrungen, die Enttäuschung über die Niederlage und auch der Wunsch nach einer neuen politischen Ordnung, nach Abschaffung der Monarchie, die doch in diesen Krieg geführt hatte, all das befeuerte die Revolution.

In ganz Deutschland kam es zu machtvollen Demonstrationen und Streiks. Erste Arbeiter- und Soldatenräte wurden gebildet und übernahmen die Macht. Die Aufrufe der Arbeiter und Soldaten waren eindeutig: „Das ist es, was Wilhelm II. und Hindenburg wollen: Es soll weitergekämpft werden. Abermals sollen Hunderttausende geopfert werden. ( …) Die Forderungen des klassenbewussten Proletariats sind: Nicht Fortsetzung des Krieges – sofortiger Frieden! Nicht politische Entrechtung durch den Militarismus – völlige politische Befreiung, Sturz des Militarismus. Nicht die Fortsetzung der kapitalistischen Knechtschaft nach der Befreiung vom Militarismus – ein menschenwürdiges Dasein in einer sozialistischen Gesellschaft“

In der Nacht zum 6. November ließen die Militärbehörden in Wilhelmshaven alle militärischen Anlagen und öffentlichen Gebäude durch mit Maschinengewehren ausgerüstete Soldaten besetzen. Doch auch das nützte ihnen nichts mehr. Der Aufstand war gut vorbereitet.

Am Morgen des 6.November demonstrierten zehntausende Matrosen und Soldaten durch die Straßen Wilhelmshavens. Werftarbeiter schlossen sich ihnen an. Gefangengehaltene Kameraden wurden aus den Arrestanstalten befreit. Auch die vom Stationschef Admiral von Krosigk angeforderte Infanterie aus 0ldenburg verweigert den Gehorsam. In den späten Vormittagsstunden des 6. November überreichten fünf Soldaten dem Stationschef die Forderungen der Matrosen und Soldaten.

Die Marinesoldaten wählten in ihren Einheiten den Soldatenrat – was den ganzen Tag in Anspruch nimmt. Nachmittags strömten viele tausend Werftarbeiter zum großen Torpedoexerzierplatz. Auf dieser Massenkundgebung wählten die Versammelten ihren Arbeiterrat, der sich am selben Abend mit dem Soldatenrat vereinigte.

Am Abend des 6.11. wurde aus dem Arbeiter- und Soldatenrat ein engerer Ausschuss gebildet, der „21er-Rat“. Dieser wurde als oberste Behörde eingesetzt und übernahm die gesamte vollziehende Gewalt. An seine Spitze wurde der gelernte Maschinenschlosser und Oberheizer Bernhard Kuhnt (USPD) gewählt.

Am nächsten Tag fand eine weitere Massenversammlung auf dem Torpedoexerzierplatz statt. Wieder zogen gewaltige Züge von Soldaten und Arbeitern durch die Straßen. Auf der Kundgebung wurde in einer einstimmig verabschiedeten Resolution der Weltfrieden und die Abschaffung der Monarchie verlangt.

Unterdessen waren, auf Befehl der Reichsregierung, weitere Truppen nach Kiel delegiert worden, die die Stadt abriegeln sollten, um eine Ausbreitung der Bewegung zu verhindern. Doch diese verbündeten sich mit den Aufständischen. So erklärte sogar der Gouverneur von Kiel, Admiral Souchon, sich bereit, eine Delegation der Arbeiter- und Soldatenräte zu empfangen. Souchons einzige Möglichkeit bestand nun darin, Zeit zu gewinnen, auf dass ihm von der OHL oder aus Berlin zuverlässigere Truppen geschickt werden würden um den Aufstand niederzuschlagen.

Am Abend des 4.November 1918 waren alle militärischen und öffentlichen Gebäude der Stadt durch die 40.000 meuternden Matrosen besetzt und Kiel so in ihrer Hand. Auch hier war es gelungen die inhaftierten Kameraden zu befreien. Es wurde ein gemeinsamer Soldatenrat aus den Räten der einzelnen Schiffe gebildet, der die Kontrolle über die Verwaltung und die Lebensmittelverteilung übernahm und noch am gleichen Abend die so genannten „14 Kieler Forderungen“ an die Militärführung stellte.

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Die Revolution ist nicht mehr aufzuhalten

Die Meldungen aus Kiel lösten Panik bei der Regierung in Berlin aus. Reichskanzler Max von Baden telegrafierte auf der Stelle an Groener in Spa, dass er zu „militärischen Beratungen“ anreisen solle. Man hatte Angst, die Situation könne außer Kontrolle geraten und sich zu einer Revolution ausweiten.

Am Morgen des 4.November tagten in Berlin die Staatssekretäre und beschlossen einen SPD-Abgeordneten nach Kiel zu entsenden, der Einfluss auf die revolutionären Arbeiter und Soldaten nehmen und der Bewegung von innen heraus den Schwung nehmen sollte. So fuhr am Abend der Staatssekretär Conrad Haußmann zusammen mit Gustav Noske, der für diese Aufgabe auserwählt worden war, nach Kiel.

Außerdem erfolgte das Erlassen eines Ultimatums an die russischen Diplomaten in Berlin: Sie sollten binnen sechs Stunden das Land verlassen. Man hatte eine aufgebrochene Kiste am Bahnhof Friedrichstraße, die einem Delegationsmitglied gehörte und in der sich revolutionäre Flugblätter befanden, zum Anlass für die Ausweisung genommen. Zwar gehörten die Flugblätter in Wirklichkeit der Spartakusgruppe, doch befürchtete man, dass die russischen Diplomaten gezielt Einfluss auf die Bildung einer Räterepublik in Deutschland nach russischem Vorbild nehmen wollten und so passte der von Scheidemann initiierte „Flugblattfund“ genau ins Bild.

Einsatz der Sozialdemokratie als „Feuerlöscher der Revolution“

Laut Scheidemann musste man „sich jetzt (selbst) an die Spitze der Bewegung stellen, (da es sonst) noch anarchistische Zustände im Reich geben (würde)“. Um die Bewegung zu verhindern war es bereits zu spät, das hatte die SPD als einzige der Regierungsparteien erkannt.

So trafen Noske und Haußmann sofort nach ihrer Ankunft in Kiel mit den Arbeitervertretern, dem Soldatenrat und Gouverneur Souchon zusammen um über den weiteren Verlauf gemeinsam zu beraten. Daraufhin wurde Noske am 5.November zum Vorsitzenden des Soldatenrates gewählt und übernahm am 7.November den Gouverneursposten.

Doch Noske unterstütze nicht, wie von den Arbeitern und Soldaten erwartet, die Ausweitung des Aufstandes, sondern versuchte, gemäß der SPD-Linie, so schnell wie möglich wieder für „Ruhe und Ordnung“ zu sorgen. So war seine erste Amtshandlung das „Verbot des Waffentragens außerhalb des Dienstes“ zu erlassen. Bei einem gemeinsamen Treffen der SPD- und Gewerkschaftsführer sowie Max von Baden und Groener am 6.November beschloss man den „lokalen Ausbruch in Kiel“ durch Einstellen des Post- und Eisenbahnverkehrs an seiner Ausweitung zu hindern.

Doch dafür war es bereits zu spät. Die revolutionäre Bewegung hatte sich durch die Kieler Soldaten bereits auf ganz Norddeutschland ausgebreitet. Nachdem am 5.November die „roten Matrosen“ in Lübeck eingetroffen waren, waren die dort stationierten Garnisonen sofort übergelaufen und hatten gemeinsam mit den Matrosen am Abend bereits die Hauptpost, das Telegrafenamt und den Bahnhof besetzt. Am nächsten Tag folgte der Generalstreik.

Der „lokale Ausbruch“ von Wilhelmshaven und Kile breitete sich innerhalb kürzester Zeit auf das ganze Deutsche Reich aus. Am 7.November waren Hannover, Köln und Braunschweig in den Händen der Revolutionäre. Am gleichen Tag wurden in München die Wittelsbacher gestürzt. Gleiches geschah den Fürsten in Sachsen, Franken und Hessen am folgenden Tag.

Das Bild in den Städten war meist das gleiche: den angereisten Matrosen aus Kiel schlossen sich bei den Demonstrationen weitere Arbeiter und Soldaten an. Man bewaffnete sich bei dem Sturm auf Kasernen und Polizeistationen. Öffentliche Gebäude wurden besetzt und Gefangene befreit, der Generalstreik ausgerufen und Räte gewählt, denen die Exekutivgewalt zugesprochen wurde. Anschließend zogen die Matrosen zur nächsten Stadt um ihre „revolutionäre Botschaft zu verkünden“.

Am 9. November musste der Kaiser der Hohenzollern, Wilhelm II, abdanken, Die Monarchie war gestürzt.

Sozialistische Republik Oldenburg/Ostfriesland

In Wilhelmshaven, wo die Revolution begann, erklärte der Sprecher des „21er-Ausschusses“, Bernhard Kuhnt, auf einer Kundgebung am 10. November (dem „Freiheitssonntag“), an der über 100.000 Matrosen, Arbeiter und. Soldaten teilnahmen, den Oldenburgischen Großherzog für abgesetzt und rief die“ Sozialistische Republik Oldenburg/Ostfriesland“ aus.

Bernhard Kuhnt: „So ist die Stunde da, in der wir handeln müssen, und nach einer ernsten, langwierigen und eingehenden Beratung in dieser Nacht, haben wir deshalb wieder versucht, einen Stein vom Wege zu heben. Wir müssen schnell arbeiten; der Schmerzenstage waren es genug. Der 21er-Ausschuß hat in dieser Nacht einstimmig beschlossen, hier die Nordseestation und alle umliegenden Inseln und Marineteile sowie das dazugehörige ganze Oldenburger Land zur Sozialistischen Republik zu erklären. Der Großherzog ist abgesetzt.“

Nach der blutigen Niederschlagung der Arbeiteraufstände im Januar 1919, schickte die Reichsregierung Truppen nach Rüstringen und Wilhelmshaven, um die sozialistische Republik Oldenburg/Ostfriesland zu beenden. Der 21er-Rat wurde abgesetzt und Oldenburg zum „Freistaat“ erklärt. Als provisorische Regierung wurde ein Landesdirektorium gebildet, dem u. a. der Rüstringer Landtagsabgeordnete Paul Hug und Kuhnt angehörten. Kuhnt übernahm das symbolische Amt des Präsidenten des neuen Freistaates Oldenburg.

Historisches Verdienst der revolutionären Arbeiter und Soldaten

Die Arbeiter und Soldaten, die im November 1918 gegen Krieg, Imperialismus und Kapitalismus aufstanden, schufen Tatsachen, die bis heute und noch weit in die Zukunft wirken. Die Hohenzollernmonarchie und die anderen Dynastien wurden hinweggefegt – es entstand eine bürgerlich-parlamentarische Demokratie. Demokratische Rechte und Freiheiten, wie z.B. das Recht der Arbeiter auf Betriebsräte, das allgemeine Wahlrecht inkl. Frauenwahlrecht, Koalitions-, Versammlungs- und Pressefreiheit, der Achtstundentag, Kündigungsschutz, Tarifautonomie, Arbeitsgerichtsbarkeit, die Beseitigung feudaler Ordnungen (Landarbeiter- und Gesindeordnung) – all das sind erkämpfte Errungenschaften, die durch die Novemberrevolution Gesetz wurden bzw. zumindest durch die Ereignisse befördert wurden.

Am 2. Mai 1920, gleich nach dem durch einen Generalstreik niedergerungenen Kapp-Putsch, errichteten der Deutsche Metallarbeiterverband, USPD und MSPD Rüstringen/Wilhelmshaven auf dem Ehrenfriedhof einen Gedenkstein zu Ehren aller Revolutionstoten der Stadt Wilhelmshaven. Auf dem Sarkophag, der von den Nationalsozialisten zerschlagen und vom DGB Wilhelmshaven wieder errichtet wurde, steht eine Inschrift von Ferdinand Freiligrath: „Oh stets gerüstet seid bereit, dass die Erde, in der wir liegen steif und starr, ganz eine freie werde!“

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Beitrag zu den verlogenen „Einheitsfeiern“ in Dresden: Die Spalter saßen im Westen!

Erklärung des Politbüros der SED anlässlich der Überreichung einer Note der Regierung der UdSSR an die Regierungen der USA, Großbritanniens und Frankreichs über die deutsche Frage am 1. Oktober 1949:

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Gromyko (4. von rechts) während der Potsdamer Konferenz im Juli 1945

Der stellvertretende sowjetische Außenminister Gromyko hat am 1. Oktober dieses Jahres auf Anweisung der Regierung der UdSSR den Botschaftern der USA und Großbritanniens und dem Geschäftsträger Frankreichs in der Sowjetunion gleichlautende Noten über die deutsche Frage überreicht.

In dieser Note der Sowjetunion wird die Tatsache festgestellt, dass die Bildung einer Separatregierung für die Westzonen. Deutschlands die Vollendung der Politik der Spaltung Deutschlands bedeutet, wie sie in den vergangenen Jahren Von den Regierungen der USA, Großbritanniens und Frankreichs unter Verletzung des Potsdamer Abkommens verfolgt wurde. Durch die Errichtung einer Separatregierung für Westdeutschland verletzten die drei genannten Mächte ebenfalls die Beschlüsse, die im Juni dieses Jahres auf der Pariser Sitzung der Außenminister gefasst worden waren. Die Regierung der UdSSR stellt in ihrer Note vom 1. Oktober fest: 

„Die Sowjetregierung hält es für notwendig, die Aufmerksamkeit auf die außerordentlich ernste Verantwortung zu lenken, die auf die Regierung der USA im Zusammenhang mit der Politik in Deutschland fällt, wie sie von den USA gemeinsam mit Großbritannien und Frankreich verfolgt wird, einer Politik, die zur Bildung der antinationalen Separatregierung in Bonn geführt hat, welche die Beschlüsse der Potsdamer Konferenz über den demokratischen Wiederaufbau und über die Entmilitarisierung Deutschlands sowie die Deutschland auferlegten Verpflichtungen feindselig betrachtet, was mit den Interessen der friedliebenden Völker Europas unvereinbar ist.“

„Die Sowjetregierung hält es gleichzeitig für notwendig, festzustellen, dass jetzt, insofern, als die oben erwähnte Separatregierung in Bonn gebildet worden ist, eine neue, Lage, in Deutschland geschaffen wurde, die der Erfüllung der Aufgaben zur Wiederherstellung der Einheit Deutschlands als eines demokratischen und friedlichen Staates und der Sicherung der Erfüllung der Verpflichtungen seitens Deutschlands, die Deutschland durch das Potsdamer Abkommen der vier Mächte auferlegt worden sind, besonders große Bedeutung verleiht.“

Das Politbüro der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands hat in seiner Sitzung vom 3. Oktober zur Note der Sowjetregierung vom 1. Oktober über die deutsche Frage Stellung genommen und erklärt dazu folgendes: In dem Abkommen von Potsdam, das von den Regierungen der UdSSR, der USA und Großbritanniens gemeinsam beschlossen worden ist und dem sich die Regierung Frankreichs angeschlossen hat, verpflichteten sich diese Mächte, Deutschland als eine Einheit zu behandeln, seine Umwandlung in einen demokratischen und friedlichen Staat zu erleichtern und den Abschluss eines Friedensvertrages mit Deutschland vorzubereiten.

Unter Bruch dieser Verpflichtungen und unter gröbster Verletzung der Zusicherungen, die damit dem deutschen Volke gegeben worden waren, sowie im schärfsten Gegensatz zu den feierlichen Erklärungen, die die Regierungen der westlichen Großmächte wiederholt im Verlaufe des zweiten Weltkrieges über die Ziele der Vereinten Nationen im Kampfe gegen Hitlerdeutschland und den faschistischen Aggressorenblock abgegeben hatten, haben die Regierungen der USA, Großbritanniens und Frankreichs bereits seit dem Jahre 1946 eine Politik der Spaltung Deutschlands und der Kolonisierung Westdeutschlands durchgeführt, die im schärfsten Gegensatz zu den Interessen des deutschen Volkes und zur Aufgabe der Demokratisierung und Entmilitarisierung Deutschlands steht und damit auch den Interessen aller demokratischen und friedliebenden Nationen widerspricht.

Die in der Note der Sowjetregierung vom 1. Oktober über die deutsche Frage getroffenen Feststellungen über diese Politik der Spaltung Deutschlands und der Schaffung eines von den westlichen imperialistischen Mächten abhängigen separaten, westdeutschen Marionetten-„Staates“ entsprechen, wie dem deutschen Volke hinreichend bekannt ist, voll und ganz den Tatsachen.

Damit ist die Schuld und Verantwortung der Regierungen der USA, Großbritanniens und Frankreichs und ihrer deutschen Helfershelfer an der Spaltung Deutschlands mit allen ihren für das deutsche Volk verhängnisvollen Folgen eindeutig festgestellt.

Die Regierung der Sowjetunion hat, getreu den Worten Generalissimus Stalins, dass die Hitler kommen und gehen, das deutsche Volk, der deutsche Staat aber bleiben, das Potsdamer Abkommen unterzeichnet, um es in die Tat umzusetzen, dem deutschen Volke die Möglichkeit zu geben, in den Kreis der friedliebenden Nationen als gleichberechtigtes Mitglied zurückzukehren und die Unabhängigkeit eines einheitlichen, demokratischen und friedlichen Deutschlands wiederherzustellen. In Übereinstimmung mit den berechtigten nationalen Belangen des deutschen Volkes und den Interessen aller Völker an einer friedlichen, demokratischen Entwicklung Deutschlands, hat die Regierung der Sowjetunion wiederholt den Regierungen der Westmächte Vorschläge gemacht, die darauf gerichtet waren, das Abkommen von Potsdam zu verwirklichen und die Einheit Deutschlands wiederherzustellen. Unermüdlich hat die Sowjetregierung mit Stalin an der Spitze den Kampf gegen die Spaltung Deutschlands geführt. Vor mehr als zwei Jahren hat die Sowjetregierung den Regierungen der USA, Großbritanniens und Frankreichs vorgeschlagen, die Maßnahmen zu treffen, die für die Schaffung der Regierung eines demokratischen Deutschlands nötig sind, sowie mit der Ausarbeitung des Entwurfs eines Friedensvertrages für Deutschland zu beginnen. Zuletzt hat die Sowjetregierung auf der Pariser Tagung der Außenminister im Juni dieses Jahres vorgeschlagen, einen gesamtdeutschen Staatsrat zu bilden, der als ein Wirtschafts- und Verwaltungszentrum mit Regierungsfunktionen der erste Schritt zur Bildung einer gesamtdeutschen demokratischen Regierung hatte werden können. Aber alle diese Vorschläge der Sowjetregierung, die von allen wahrhaft demokratischen und patriotischen Kräften des deutschen Volkes lebhaft begrüßt und unterstützt wurden, sind von den Regierungen der westlichen imperialistischen Großmächte zurückgewiesen worden.

Damit wird erneut bestätigt, dass von allen Großmächten nur die UdSSR ein Freund der Einheit und Unabhängigkeit eines demokratischen Deutschlands, ein Freund der Millionenmassen der Werktätigen Deutschlands ist, die in Ruhe und Frieden leben wollen und auf die Einhaltung des Potsdamer Abkommens bestehen.

Der Imperialismus der Vereinigten Staaten aber und seine imperialistischen Verbündeten, die Regierungen Großbritanniens und Frankreichs, sind Feinde des deutschen Volkes, die die Einheit unseres Vaterlandes sprengen, die westlichen Besatzungszonen Deutschlands der kolonialen Unterdrückung unterwerfen und Westdeutschland in einen Brückenkopf für die aggressiven Kriegspläne des Dollarimperialismus gegen die demokratische Ordnung in der Ostzone, gegen die Länder der Volksdemokratie und gegen die UdSSR, das Land des Sozialismus und der Vorkämpfer des Weltfriedens, verwandeln.

Die sogenannte „Bonner Verfassung“, die, wie in der Note der Sowjetregierung vom 1. Oktober dieses Jahres zutreffend festgestellt wird, nur ein Anhängsel des dem deutschen Volke aufgezwungenen Besatzungsstatuts der Westmächte ist, und die Bonner Marionetten-„Regierung“ finden nicht die Billigung und Unterstützung westdeutschen Volkes, das um seine Meinung über diese Machinationen gar nicht befragt worden ist, sondern werden lediglich von einer kleinen Gruppe besonders ausgesuchter alter reaktionärer politischer Figuren Westdeutschlands gestützt, die gestern Diener Hitlerdeutschlands waren und heute bezahlte Werkzeuge der ausländischen imperialistischen Finanzkreise sind. Es ist Landesverrat, der von allen den reaktionären deutschen Politikern begangen wird, die den amerikanischen Imperialismus bei der Spaltung Deutschlands und der Schaffung eines separaten, von den Gnaden des Dollarimperialismus abhängigen westdeutschen Marionetten-„Staates“ unterstützen.
Das nationale Interesse des deutschen Volkes erfordert den schärfsten Kampf aller patriotischen Kräfte, die für die Einheit und Unabhängigkeit eines demokratischen Deutschlands eintreten, gegen die Versklavung und Aggressionspolitik des amerikanischen Imperialismus und seiner deutschen Helfershelfer, der alten Verderber Deutschlands, der Herren der Schwerindustrie und Großbanken, sowie der Spaltungspolitiker in den Reihen der westdeutschen Parteien.

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9. Tagung des Deutschen Volksrates am 7. Oktober 1949

Die Antwort des deutschen Volkes auf die in der Note der Sowjetregierung vom 1. Oktober dieses Jahres angeprangerte Vollendung der Politik der Spaltung Deutschlands durch die imperialistischen Westmächte muss der Zusammenschluss in der Nationalen Front des demokratischen Deutschlands sein, die für die Wiederherstellung der Einheit Deutschlands, für den Abschluss eines gerechten Friedensvertrages und den Abzug aller Besatzungstruppen kämpft!

Das Politbüro der SED erklärt, dass die Note der Sowjetregierung vom 1. Oktober dieses Jahres an die Regierungen der USA, Großbritanniens und Frankreichs über die deutsche Frage ein neuer, wertvoller Schritt der Sowjetregierung um Unterstützung des Kampfes unseres deutschen Volkes um die Einheit und demokratische friedliche Entwicklung Deutschlands darstellt. Es dankt im Namen des werktätigen deutschen Volkes und aller deutschen Demokraten und Patrioten für diese Unterstützung, die uns die Garantie des unausbleiblichen endgültigen Erfolges unserer gerechten Sache ist.

Nieder mit dem Besatzungs- und Ruhrstatut!

Nieder mit der Spaltungs- und Kriegspolitik des amerikanischen Imperialismus und seiner „deutschen“ Agenten!

Es lebe der Kampf um ein einheitliches, demokratisches und friedliches Deutschland!

Politisches Büro der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands

Berlin, den 3. Oktober 1949.

Zitiert nach: Neues Deutschland, 04.10.1949, Jahrgang 4, Ausgabe 232

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Ansprache des Genossen J.W. Stalin an das Volk vom 2. September 1945

Genossen!

Mitbürger und Mitbürgerinnen!

Heute, am 2. September, haben Japans Staats- und Militärvertreter die Urkunde der bedingungslosen Kapitulation unterzeichnet. Zu Wasser und zu Lande aufs Haupt geschlagen und durch die Streitkräfte der Vereinten Nationen von allen Seiten eingekreist, hat sich Japan als besiegt bekannt und die Waffen gestreckt.

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Unterzeichnung der japanischen Kapitulationserklärung

Zwei Herde des Weltfaschismus und der Weltaggression hatten sich am Vorabend dieses Weltkrieges gebildet: Deutschland im Westen und Japan im Osten. Sie waren es, die den zweiten Weltkrieg entfesselt haben. Sie waren es, die die Menschheit und ihre Zivilisation an den Rand des Verderbens gebracht haben. Der Herd der Weltaggression im Westen wurde vor vier Monaten liquidiert, wodurch Deutschland sich gezwungen sah, zu kapitulieren. Vier Monate später wurde der Herd der Weltaggression im Osten liquidiert, wodurch Japan, der Hauptverbündete Deutschlands, sich gleichfalls gezwungen sah, die Kapitulation zu unterzeichnen.

Das bedeutet, dass das Ende des zweiten Weltkrieges gekommen ist.

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Siegesparade in Chungking am 3. September 1945

Jetzt können wir sagen, dass die für den Frieden in der ganzen Welt notwendigen Voraussetzungen bereits errungen sind.

Es muss gesagt werden, dass die japanischen Okkupanten nicht nur unseren Verbündeten – China, den Vereinigten Staaten von Amerika, Großbritannien – Schaden zugefügt haben. Sie haben auch unserem Lande überaus ernsten Schaden zugefügt. Darum haben wir noch unsere besondere Rechnung mit Japan zu regeln.

Japan begann mit seiner Aggression gegen unser Land bereits 1904 im Russisch-Japanischen Krieg. Bekanntlich machte sich Japan im Februar 1904, als die Verhandlungen zwischen Japan und Rußland noch andauerten, die Schwäche der Zarenregierung zunutze, überfiel unerwartet und treubrüchig ohne Kriegserklärung unser Land und griff das russische Geschwader im Raum Port-Arthur an, um mehrere russische Kriegsschiffe außer Gefecht zu setzen und damit eine vorteilhafte Lage für seine eigene Flotte zu schaffen. Japan setzte tatsächlich drei erstklassige Kriegsschiffe Rußlands außer Gefecht. Kennzeichnend ist, dass Japan siebenunddreißig Jahre später gegenüber den Vereinigten Staaten von Amerika dieses treubrüchige Verfahren genau wiederholte, als es 1941 den Flottenstützpunkt der Vereinigten Staaten von Amerika in Pearl-Harbour überfiel und eine Anzahl von Linienschiffen dieses Staates außer Gefecht setzte. Bekanntlich erlitt Rußland damals im Krieg gegen Japan eine Niederlage. Japan aber nutzte die Niederlage des zaristischen Rußlands aus, um Rußland Süd-Sachalin abzunehmen, sich auf den Kurilen festzusetzen und auf diese Weise unserem Lande im Osten alle Ausgänge nach dem Ozean und folglich auch alle Ausgänge nach den Häfen Sowjet-Kamtschatkas und der sowjetischen Tschuktschen-Halbinsel fest zu verschließen. Es war klar, dass Japan sich die Aufgabe stellte, von Rußland dessen ganzen Fernen Osten loszureißen.

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Weibliche Soldaten der alliierten Streitkräfte der Antifaschistischen Koalition bei der Siegesparade in Chungking am 3. September 1945 feiern den Sieg über Japan

Damit jedoch waren die annektionistischen Aktionen Japans gegen unser Land nicht erschöpft. 1918, nach Errichtung der Sowjetordnung in unserem Lande, machte sich Japan die damalige feindliche Haltung Englands, Frankreichs und der Vereinigten Staaten von Amerika gegenüber dem Sowjetlande zunutze, überfiel, auf diese Länder gestützt, erneut unser Land und okkupierte den Fernen Osten. Vier Jahre lang marterte Japan unser Volk und plünderte den sowjetischen Fernen Osten.

Doch auch das ist nicht alles. 1938 überfiel Japan im Raum des Chassansees bei Wladiwostok von neuem unser Land, um Wladiwostok einzukreisen; im darauf folgenden Jahre wiederholte Japan seinen Überfall dann an einer anderen Stelle, im Raum der Mongolischen Volksrepublik bei Halchin-Gol, mit dem Ziel, nach dem Sowjetterritorium durchzubrechen, unsere Sibirische Eisenbahnlinie zu durchschneiden und den Fernen Osten von Rußland abzuschneiden.

Allerdings wurden die Angriffe Japans im Räume Chassan und Halchin-Gol von den Sowjettruppen mit großem Schimpf für die Japaner liquidiert. Gleicherweise wurde die japanische militärische Intervention der Jahre 1918-1922 erfolgreich liquidiert, und die japanischen Okkupanten wurden aus den Bezirken unseres Fernen Ostens hinausgeworfen. Doch hatte die Niederlage der russischen Truppen im Jahre 1904, im Russisch-Japanischen Kriege, im Bewusstsein des Volkes schwere Erinnerungen zurückgelassen. Diese Niederlage lastete auf unserem Lande als ein schwarzer Fleck. Unser Volk glaubte daran und wartete darauf, dass der Tag kommt, da Japan geschlagen und der Fleck getilgt wird. Vierzig Jahre haben wir, Menschen der alten Generation, auf diesen Tag gewartet. Und nun ist dieser Tag gekommen. Heute hat sich Japan als besiegt bekannt und die bedingungslose Kapitulation unterzeichnet.

Das bedeutet, dass Süd-Sachalin und die Kurilen an die Sowjetunion fallen und von nun an nicht als Mittel zur Trennung der Sowjetunion vom Ozean und als Stützpunkt eines japanischen Überfalls auf unseren Fernen Osten dienen werden, sondern als Mittel der direkten Verbindung der Sowjetunion mit dem Ozean und als Stützpunkt der Verteidigung unseres Landes gegen die japanische Aggression.

Unser Sowjetvolk hat für den Sieg weder Kräfte noch Mühe gescheut. Wir haben schwere Jahre durchgemacht. Jetzt aber kann jeder von uns sagen: wir haben gesiegt. Von nun an können wir unser Vaterland als befreit ansehen von der Bedrohung durch eine deutsche Invasion im Westen und eine japanische Invasion im Osten. Der lang erwartete Friede für die Völker der ganzen Welt ist eingetreten.

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Ich beglückwünsche euch, meine, lieben Mitbürger und Mitbürgerinnen, zu dem großen Siege, zur erfolgreichen Beendigung des Krieges, zum Eintritt des Friedens in der ganzen Welt!

Ruhm den Streitkräften der Sowjetunion, der Vereinigten Staaten von Amerika, Chinas und Großbritanniens, die den Sieg über Japan errungen haben!

Ruhm unseren fernöstlichen Truppen und der Kriegsflotte des Stillen Ozeans, die die Ehre und Würde unserer Heimat behauptet haben!

Ruhm unserem großen Volke, dem Siegervolke!

Ewiger Ruhm den Helden, die in Kämpfen für die Ehre und den Sieg unserer Heimat gefallen sind!

Es lebe und gedeihe unsere Heimat.

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Ehrung des russischen Dichters Gawrila Derschawin 200 Jahre nach seinem Tod von Olivia Kroth

Der Lauf des Flusses Zeit
Wird alle Menschentaten mit sich tragen
Und in Versenkung tauchen
Die Völker, Reiche und ihre Herrscher. 

Und wenn es etwas gibt, das uns noch bleibt,
Durch Hörnerschall und Harfenton,
So wird es auch im Schlund der Zeit verschwinden
Und allgemeines Schicksal teilen. 

Dieses schöne Gedicht stammt aus der Feder des russischen Poeten Gawrila Romanowitsch Derschawin (1743-1816). Seine Aussage könnte auf gewöhnliche Menschen zutreffen, aber nicht auf ihn selbst. Seine Dichtung bleibt, so frisch wie eh und je, in russischen Anthologien erhalten. Auch hat „der Lauf des Flusses Zeit“ nicht alle „Völker, Reiche und ihre Herrscher“ in Versenkung getaucht. Zarin Katherina die Grosse (1729-1796) ist immer noch im Gedächtnis der Russen als eine grosse Herrscherin über das Zarenreich lebendig. Gawrila Derschawin war ihr Lieblingsdichter. Er lebte an ihrem Hof und schrieb ihr zu Ehren Gedichte.

Gawrila Romanovitsch Derschawin (Гаврила Романович Державин) wurde am 14. Juli 1743 in Kasan, Tatarstan, geboren. Er starb am 20. Juli 1816 als einer der höchstgeschätzten russischen Dichter seiner Zeit und als Staatsmann am Hof von Katherina der Grossen. Seine Werke werden der klassischen Literatur zugeordnet. Am Zarenhof in Sankt Petersburg stieg er vom einfachen Soldaten zu hohen Staatsämtern auf. Weil er politisch klug handelte, ging es mit seiner Karriere aufwärts, als er das Militär verliess und in den Staatsdienst eintrat. So wurde er 1784 der erste Gouverneur der Provinz Olonez. Das Gouvernement Olonez im Nordwesten des russischen Zarenreichs erstreckte sich vom Ladogasee bis zum Weissen Meer. Im Westen reichte es bis Finnland, im Norden und Osten bis Archangelsk und Wologda, im Süden bis Nowgorod und Sankt Petersburg. Das Gebiet umfasste über 57.000 Quadratkilometer. Davon waren 6.800  Quadratkilometer Seengebiet…

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Olivia Kroth: Ehrung des russischen Dichters Gawrila Derschawin 200 Jahre nach seinem Tod — Olivia2010kroth’s Blog

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