Frage des Tages (13. August)

Wie heißt es denn nun richtig?

Berlin gedenkt dem Mauerbau vor 49 Jahren„, dw-world.de

„Berlin gedenkt des Mauerbaus…“, dpa

Die einfachste Lösung dieses schwierigen grammatikalischen Problems finden wir bei der ARD-Redaktion, die ließ einfach den Artikel weg und dichtete:

„Gedenken an Mauerbau vor 49 Jahren“.

Doch wie so oft in vertrackten, kniffligen Fragen ist es schließlich die BILD, die hilft: „Berliner Mauer – BILD kämpft gegen das Vergessen“

Leider findet jedoch auch der Kampf der BILD-Zeitung gegen die verbreitete Amnesie, die im Bereich des Journalismus bereits das Sprachzentrum in schwere Mitleidenschaft zieht, da seine Grenzen, wo es um die Fragestellung geht, warum der Bau der Mauer in Berlin oder des „antifaschistischen Schutzwalls“, notwendig wurde, der in den meisten europäischen Hauptstädten und auch jenseits des Atlantik, ob seiner friedenssichernden Bedeutung, große Erleichterung auslöste.

Die ganze Tragweite des 13. August 1961 mag mancher erst so recht in den folgenden Jahren verstanden haben. Sein Einfluß reicht bis in unsere Gegenwart. Schon in den Ausgangsstellungen waren die Versuche zum Scheitern gebracht worden, die Arbeiter-und-Bauern-Macht der DDR in einer „begrenzten Aktion“ zu beseitigen. Von der Adenauerschen „Politik der Stärke“ war ein Scherbenhaufen übriggeblieben. Nicht zufällig sprach man in der BRD im Zusammenhang mit dem 13. August 1961 vom Ende der „Ära Adenauer“. Auch Politiker, die nicht gerade zu unseren Freunden zählen, stellten schon vor Jahren fest, daß mit unserer Aktion dem Frieden auf deutschem Boden und damit in Europa ein guter Dienst erwiesen worden war.

Ohne Zweifel verhalf der 13. August 1961 maßgeblichen Kreisen des Westens zu Einsichten, gegen die sie sich länger als ein Jahrzehnt gesträubt hatten. Der souveräne sozialistische deutsche Staat war weder zu erpressen noch zu überrennen. So trug der 13. August 1961 dazu bei, Voraussetzungen zu schaffen für eine spätere Abkehr vom kalten Krieg, von der Konfrontation hin zu Verhandlungen und zu ersten Entspannungsschritten. Aus meiner Sicht führte dieser Weg zur Schlußakte von Helsinki, die insbesondere die Anerkennung der in Europa bestehenden Grenzen und ihre Unverletzlichkeit bekräftigte.

So beschrieb Erich Honnecker in seinen 1980 erschienen Lebenserinnerungen treffend die politische und historische Bedeutung des Bauwerks.

Erst der Fall der Mauer brachte den Krieg nach Europa zurück und die bestehenden Grenzen wurden erneut in Frage gestellt. Das ist vor dem Hintergrund blutiger Sezessionskriege, die das Ende der Sowjetunion und Jugoslawiens herbeiführten, eine unbestreitbare Tatsache. Die Krokodilstränen, die an Tagen wie heute in Berliner Regierungskreisen und ihren Organen der Hofberichterstattung unter großen grammatikalischen Schwierigkeiten über „den vielen Mauertoten“ (oder heißt es doch „dem“ oder „des“?), werden der historischen Bedeutung dieses Tages nicht gerecht, sondern sind nur noch schlechtes Theater.

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