Einige Anmerkungen zum 61. Jahrestag der Gründung der DEUTSCHEN DEMOKRATISCHEN REPUBLIK

Am 7. Oktober 1949, also vor 61 Jahren, wurde die Deutsche Demokratische Republik gegründet. Wie J.W. Stalin in seinem Glückwunschtelegramm richtig schrieb, bildete die Gründung eines friedliebenden und demokratischen Staates auf deutschem Boden einen Wendepunkt in der europäischen Geschichte. Hier der Wortlaut des Telegramms:

TELEGRAMM AN DEN PRÄSIDENTEN DER DEUTSCHEN DEMOKRATISCHEN REPUBLIK, WILHELM PIECK, UND AN DEN MINISTERPRÄSIDENTEN DER DEUTSCHEN DEMOKRATISCHEN REPUBLIK, OTTO GROTEWOHL,

anlässlich der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik

13. Oktober 1949

An den Präsidenten der Deutschen Demokratischen Republik, Herrn Wilhelm Pieck An den Ministerpräsidenten der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik, Herrn Otto Grotewohl

Gestatten Sie mir, Sie und in Ihrer Person das deutsche Volk anlässlich der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik und Ihrer Wahl zum Präsidenten und zum Ministerpräsidenten der Deutschen Demokratischen Republik zu beglückwünschen.

Die Gründung der Deutschen Demokratischen friedliebenden Republik ist ein Wendepunkt in der Geschichte Europas. Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Existenz eines friedliebenden demokratischen Deutschland neben dem Bestehen der friedliebenden Sowjetunion die Möglichkeit neuer Kriege in Europa ausschließt, dem Blutvergießen in Europa ein Ende macht und die Knechtung der europäischen Länder durch die Weltimperialisten unmöglich macht.

Die Erfahrung des letzten Krieges hat gezeigt, dass das deutsche und das sowjetische Volk in diesem Kriege die größten Opfer gebracht haben, dass diese beiden Völker die größten Potenzen in Europa zur Vollbringung großer Aktionen von Weltbedeutung besitzen. Wenn diese beiden Völker die Entschlossenheit an den Tag legen werden, für den Frieden mit der gleichen Anspannung ihrer Kräfte zu kämpfen, mit der sie den Krieg führten, so kann man den Frieden in Europa für gesichert halten.

Wenn Sie so den Grundstein für ein einheitliches, demokratisches und friedliebendes Deutschland legen, vollbringen Sie gleichzeitig ein großes Werk für ganz Europa, indem Sie ihm einen festen Frieden gewährleisten.

Sie brauchen nicht daran zu zweifeln, dass Sie, wenn Sie diesen Weg einschlagen und den Frieden festigen, eine große Sympathie und aktive Unterstützung aller Völker der Welt finden werden, darunter auch des amerikanischen, englischen, französischen, polnischen, tschechoslowakischen, italienischen Volkes, schon gar nicht zu reden vom friedliebenden Sowjetvolk.

Ich wünsche Ihnen Erfolg auf diesem neuen glorreichen Wege.

Es lebe und gedeihe das einheitliche, unabhängige, demokratische, friedliebende Deutschland!

J. Stalin

„Neues Deutschland“, Ausgabe B. Nr. 211, 14. Oktober 1949

Nach der vollständigen Zerschlagung des nationalsozialistischen Staates durch die ROTE ARMEE im Bündnis mit den europäischen Partisanenarmeen und Widerstandsgruppen, sowie den Truppen der alliierten Anti-Hitler-Koalition, ergab sich die einmalige Möglichkeit, dass, auf dem Boden des ehemaligen militaristischen preußisch-deutschen Staates und des blutrünstigen deutschen Imperialismus, gestützt auf sowjetische Bajonettspitzen, ein deutscher Staat entstehen könnte, bei dessen Namensnennung seine Nachbarn nicht sogleich in Angst und Schrecken versetzt würden und dessen Einwohner andere Körperhaltungen, als die der Unterwürfigkeit und der zusammen geknallten Hacken bevorzugten.

Alle anfangs in diesen Staat gesetzten Erwartungen konnten zunächst auf das Trefflichste erfüllt werden. Während westlich der Elbe schon sehr bald wieder die alten deutschen Untugenden als Tugend verklärt wurden und die einstigen NS-Eliten bis in die höchsten Spitzen des Staates und der Wirtschaft aufsteigen konnten, fand auf dem Territorium der DDR eine gründliche antifaschistisch-demokratische Umgestaltung der gesamten Gesellschaft statt. Kein Lebensbereich konnte sich dieser revolutionären demokratischen Umwälzung entziehen. Von der Ökonomie über die Erziehung, Kultur oder Volksbildung, bis zu den staatlichen Einrichtungen, wurden alle Institutionen einer konsequenten Demokratisierung unterzogen.

Erstmals in der deutschen Geschichte wurde in der Verfassung der DDR die vollständige Gleichheit der Rechte von Männern und Frauen garantiert. So heißt es in ARTIKEL 7:

(1) Mann und Frau sind gleichberechtigt. (2) Alle Gesetze und Bestimmungen, die der Gleichberechtigung der Frau entgegenstehen, sind aufgehoben.

Dies entsprach völlig dem Geist der Verfassung, wie er bereits aus ihrer Präambel hervor geht: “Von dem Willen erfüllt, die Freiheit und die Rechte des Menschen zu verbürgen, das Gemeinschafts- und Wirtschaftsleben in sozialer Gerechtigkeit zu gestalten, dem gesellschaftlichen Fortschritt zu dienen, die Freundschaft mit anderen Völkern zu fördern und den Frieden zu sichern, hat sich das deutsche Volk diese Verfassung gegeben.“

Erstmalig auch, das Recht auf Arbeit, das in der Verfassung der DDR verbürgt war und darüber hinaus, den Staat in die Pflicht nimmt: „Der Staat sichert durch Wirtschaftslenkung jedem Bürger Arbeit und Lebensunterhalt.“

Auch der Schutz der Arbeitskraft und das Recht auf Erholung und kulturelle Entwicklung und Betätigung hatten in der DDR Verfassungsrang. Unter ARTIKEL 18 heißt es dazu:

(1) Die Republik schafft unter maßgeblicher Mitbestimmung der Werktätigen ein einheitliches Arbeitsrecht, eine einheitliche Arbeitsgerichtsbarkeit und einen einheitlichen Arbeitsschutz. (2) Die Arbeitsbedingungen müssen so beschaffen sein, daß die Gesundheit, die kulturellen Ansprüche und das Familienleben der Werktätigen gesichert sind. (3) Das Arbeitsentgelt muß der Leistung entsprechen und ein menschenwürdiges Dasein für den Arbeitenden und seine unterhaltsberechtigten Angehörigen gewährleisten. (4) Mann und Frau, Erwachsener und Jugendlicher haben bei gleicher Arbeit das Recht auf gleichen Lohn. (5) Die Frau genießt besonderen Schutz im Arbeitsverhältnis. Durch Gesetz der Republik werden Einrichtungen geschaffen, die es gewährleisten, daß die Frau ihre Aufgabe als Bürgerin und Schaffende mit ihren Pflichten als Frau und Mutter vereinbaren kann. (6) Die Jugend wird gegen Ausbeutung geschützt und vor sittlicher, körperlicher und geistiger Verwahrlosung bewahrt. Kinderarbeit ist verboten.

Ein ausführlicher Überblick über die Verfassung der DDR vom 7. Oktober 1949 lässt sich hier gewinnen: http://www.documentarchiv.de/ddr/verfddr1949.html#prae. Er beweist, dass hier wirklich ein völlig neuer Staat geschaffen wurde, der sich Grundsätzen verpflichtet fühlte, von denen vorangehende Generationen noch nicht einmal zu träumen wagten.

Es soll hier nicht die ganze Geschichte der DDR nacherzählt werden, das können Andere besser, zumal solche, die in diesem Land gelebt haben. Die vielen glücklichen Jahre, die noch heute Millionen Menschen mit ihrem Leben in der DDR verbinden und auch die bitteren Stunden und schweren Momente – sie sollen nicht vergessen sein!

Wenn heute gelegentlich behauptet wird, die DDR sei die größte Errungenschaft gewesen, die die Arbeiterbewegung in Deutschland hervorgebracht hat, so trifft das leider nur einen Teil der Wahrheit. Der andere Teil besagt, dass dieser Entwicklung die bitterste Niederlage der Arbeiterbewegung, die Machteroberung des Nationalsozialismus mit ihren verheerenden Folgen, vorausging. Erst der Sieg der Sowjetunion über die faschistischen Barbaren schuf die Voraussetzungen dafür, dass die Ideale der Arbeiterbewegung, getragen von einer Minderheit, sich zumindest zeitweilig östlich der Elbe durchsetzen konnten.

Die Mehrheit der Deutschen, auch im Osten, ist gegen ihren Willen befreit worden und erst die Aufklärung über die ungeheuren Verbrechen des NS-Regimes, bis hin zur millionenfachen industriellen Vernichtung von Menschen in Lagern wie Auschwitz, Majdanek, Treblinka oder Sobibor, hat eine Distanz zu ihren bisherigen Führern, verbunden mit Abscheu und Scham über eigene Verstrickung und eigenes Versagen, ermöglicht.

Die DDR war tatsächlich die Verkörperung des „anderen Deutschland“, auf das Europa und die Welt so lange gehofft und gewartet hatte, um die große Katastrophe noch abwenden zu können, wie es treffend von B.Brecht in seinem Aufsatz im Exil, beschrieben wurde – und das doch, bis zum Schluss, schwieg!

Darin lag die eigentliche Tragik der Geschichte der DDR, die nach der Katastrophe, alle humanistischen Traditionen der deutschen Geschichte in sich aufnahm. Geführt von einer Minderheit, die die Gefängnisse, Konzentrationslager und Zuchthäuser des Nazi-Reichs hinter sich hatten, oder aus dem Exil kamen, um jetzt die einmalige Chance zu ergreifen, eine Konsequenz aus der Geschichte zu ziehen und im festen Bündnis mit der Sowjetunion eine neue, bessere Zukunft zu gestalten. Das wiederum, ist ihr, bei allen Widrigkeiten, schließlich ziemlich gut gelungen.

Im Lauf der folgenden Jahrzehnte wurde die DDR zu einem international geachteten Staat mit diplomatischen Beziehungen zur überwältigenden Mehrheit aller Länder, der durch seine rege Mitarbeit in der UNO zum Ausrichter bedeutender UN-Konferenzen wurde und für viele Staaten in der Welt, vor allem in den Bereichen der Erziehung, Bildung und Ausbildung, aber auch im Sport, Kunst und Kultur, Vorbildcharakter genoss.

Auf wirtschaftlichem Gebiet gelang es der DDR, gegen alle Störmanöver aus dem Westen, bereits zum Beginn der 70er Jahre einen Platz unter den zehn bedeutendsten Industrienationen der Welt einzunehmen. Ihre Produkte waren weltweit gefragt, besonders im Maschinenbau und der Chemieproduktion, aber auch in vielen anderen Bereichen. Schwierigkeiten, die sich in den 80er Jahren ergaben, waren in erster Linie den Veränderungen in der kapitalistischen Welt, mit ihren krisenhaften Erscheinungen geschuldet. Sie waren nie so groß, dass sie Existenz gefährdend hätten werden können, sondern waren mit den Mitteln der sozialistischen Planwirtschaft immer beherrschbar.

Erst das Aufkommen einer neuen, kapitulantenhaften sowjetischen Führung, die die Existenz zweier deutscher Staaten als „widernatürlich“ betrachtete und hinter dem Rücken ihrer Verbündeten ein doppeltes Spiel betrieb, wie es jüngst der letzte Generalsekretär der SED beschrieb, konnte nach mehr als 40 Jahren die DDR zu Fall bringen. Noch in den Tagen des Mauerfalls stand die große Mehrheit der DDR-Bevölkerung loyal zu ihrem Staat. Erstaunt stellte selbst das „Wall Street Journal“ vor 20 Jahren fest, dass die DDR-Bürger auf Nachfragen stets versicherten, dass sie nicht vorhätten, das Land zu verlassen und eine kapitalistische DDR für überflüssig hielten. Sie wollten einen besseren Sozialismus und keine Rückkehr zum Kapitalismus!

Für all die Leistungen, der Jahre von 1949 – 1989, gebührt jenen, die in diesen 40 Jahren der Existenz der DDR, durch ihren Fleiß, ihre Opferbereitschaft und auch ihren persönlichen Mut, zu deren Erhalt beigetragen haben, unser Dank!

Sie haben bewiesen, dass es höhere Werte zu verteidigen gibt, als Raffgier, Profitsucht, Geltungsdrang und Selbstgerechtigkeit, nämlich Frieden, Freundschaft und die Solidarität der Ausgebeuteten und Unterdrückten!

Das bleibt das ewige Verdienst der DDR. Dafür wird sie noch heute von den Einen gehasst und von den Anderen verehrt!

ZUM 61. JAHRESTAG DER GRÜNDUNG DER DDR, HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH IHREN BEGRÜNDERN, BESCHÜTZERN UND MILLIONEN FLEIßIGEN ERBAUERN!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Deutschland abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s