Der große Vaterländische Krieg – Teil 2

Aus Anlass des 70. Jahrestages des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion am 22.  Juni 1941, veröffentliche ich an dieser Stelle in loser Folge Auszüge aus dem sowjetischen Buch Der große Vaterländische Krieg der Sowjetunion, dass 1947 im SWA-Verlag/Berlin als 4. Band in der Reihe „Das Sowjetland“ erschienen ist. Im 2. Abschnitt des 1. Kapitels schildern die Autoren den Kampf der ROTEN ARMEE im fernen Osten der Sowjetunion, gegen die faschistischen japanischen Eindringlinge:

Die Zerschmetterung der japanischen Eindringlinge am Chassansee und am Chalchin-Gol

Sowjetisches Kriegerdenkmal für die Schlacht am Chassansee

Die japanischen Imperialisten beschlossen ihrerseits, den günstigen Moment auszunutzen. Sie glaubten, daß die Auf­merksamkeit der Sowjetunion auf die Westgrenzen gerichtet sei, wo die Lage immer gespannter wurde. Die japanischen Imperialisten kamen auf die Idee, die Kampfstärke der Sowjetunion zu sondieren: vielleicht daß es ihnen gelänge, sich auf Kosten der Sowjetunion zu bereichern? Am 29. Juli 1938 überschritten japanische Truppen unter dem Schutz des Nebels die Grenze in der Nähe des Chassansees. Die sowje­tischen Grenzschützen nahmen den Kampf mit den Eindring­lingen auf. Die Japaner erlitten schwere Verluste, aber ihre zahlenmäßige Überlegenheit machte es ihnen möglich, drei bis vier Kilometer tief in das sowjetische Territorium vor­zurücken. Nachdem sie zwei Grenzhügel – Saosernaja und Besymjannaja — besetzt hatten, begannen die Japaner, diese in Eile zu befestigen. Sie errichteten Drahtverhaue in drei bis vier Reihen, hoben Panzergräben aus und zogen viele Geschütze und Maschinengewehre heran.

Das sowjetische Kommando nahm die Liquidierung der eingebrochenen japanischen Truppen in Angriff. Trotz des gegnerischen Trommelfeuers warfen die sowjetischen Trup­pen die Japaner am 2. August zurück und rückten dicht bis vor die Hügel Saosernaja und Besymjannaja vor. Die Hügel sollten gestürmt werden. Es regnete heftig. Die Straßen waren aufgeweicht, Geschütze und Panzer versanken im Schlamm. Der Sturmangriff wurde auf den 6. August angesetzt. Genau zur festgesetzten Zeit vernahm man anschwellendes Motoren­geräusch. Hunderte von Bomben fielen auf die befestigten Stellungen der Japaner. Steine und Teile von Geschützen und Maschinengewehren flogen in die Luft. Man hatte den Eindruck, als ob die ganze Erde sich aufgebäumt hätte und auf die Japaner herabgestürzt wäre. Den Bombern folgten die Jäger und bestrichen die Gräben mit einem Bleihagel. Unter den japanischen Soldaten brach Panik aus. Kein ein­ziges japanisches Flugzeug hatte es gewagt, im Nebel zu starten. Die sowjetischen Flieger dagegen erschienen immer wieder über den Hügeln, zerbrachen die Verteidigung des Feindes und setzten seine zahlreichen Flakbatterien außer Gefecht. Die Artillerie hielt die Hügel unter ununterbroche­nem Feuer.

Angriff der Roten Armee

Nach der Artillerievorbereitung brachen die Panzer vor. Sie rollten über die Maschinengewehrnester und Schützen­löcher der Japaner hinweg, zerrissen die Drahtverhaue und vernichteten die japanischen Pakbatterien.

Den Panzern auf der Spur folgte die sowjetische Infanterie. Unter starkem Feuer überquerte sie die Sümpfe, brach in die feindlichen Gräben ein und besetzte diese nach hartem Bajonettkampf.

Alle Gegenangriffe der Japaner, die mehrfach versuchten, die verlorenen Stellungen wiederzuerringen, wurden mit großen Verlusten für sie zurückgeschlagen.

Der Schlag am Chassansee war blitzartig und vernichtend. Er brachte jedoch die japanische Militärclique nicht zur Ver­nunft. Sie hielt die Situation für günstig und hatte nicht die Absicht, ihre Ansprüche auf sowjetisches Territorium fallen zu lassen. Die japanischen Generale nahmen an, daß der Schlag bei Chassan nicht mehr als eine lokale Episode sei. Außerdem mußte ihr wankendes Prestige in den Augen der internationalen öffentlichen Meinung wiederhergestellt wer­den, und die japanischen Imperialisten bereiteten deshalb einen neuen Angriff, diesmal gegen die Mongolische Volks­republik, vor.

Am 11. Mai 1939 überfielen japanische Einheiten un­erwartet die Grenzwachen der mongolischen Volksarmee 20 Kilometer östlich des Flusses Chalchin-Gol. Es entwickelten sich Kampfhandlungen.

Die Rote Armee kam der verbündeten Mongolischen Volks­republik zu Hilfe. Die Japaner nahmen an, daß es dem sowjetischen Kommando nicht gelingen würde, das Kriegs­material rechtzeitig heranzuziehen, weil die Schlachtfelder 600-700 Kilometer von der nächsten Eisenbahnstation entfernt lagen. Aber das sowjetische Kommando vermochte dieses Hindernis zu überwinden und die notwendigen Kräfte samt dem Material rasch heranzubringen. Alle Versuche der Ja­paner, in die Tiefe der Mongolischen Volksrepublik vorzu­stoßen, wurden unterbunden.

Die Japaner begannen, Verstärkungen zusammenzuziehen. Von allen chinesischen Fronten wurden Flugzeuge, Panzer und Artillerie hierher geworfen. Nachdem sie genügend Kräfte konzentriert hatten, begannen die Japaner am 17. August eine neue Offensive, erlitten aber erneut eine Niederlage.

Die sowjetisch-mongolischen Truppenteile gingen zu einem entschlossenen Gegenangriff über. In den frühen Morgen­stunden des 20. August stiegen sowjetische Bomber und Jäger auf. Die Rauch- und Staubwolken über der Linie der japa­nischen Feldbefestigungen waren nach dem Luftangriff noch nicht verzogen, als die Artillerie bereits zu Wort kam. Nach wuchtiger Artillerievorbereitung begann der Sturmangriff gegen die japanischen Stellungen. Der Infanterieangriff war unwiderstehlich. Trotz erbitterter Gegenwehr der Japaner hatte die südliche Gruppe der sowjetischen Truppen am gleichen Tage die Front durchbrochen.

Von sowjetischen Truppen erbeuteter japanischer Typ 95 Ha-Go-Panzer nach der Schlacht am Chalchin Gol

Die nördliche Gruppe stieß auf einen stärkeren Wider­stand, aber am 22. August hatte auch sie die Verteidigung der Japaner durchbrochen. Nachdem sie die Flanken des Feindes zerschlagen hatten, führten die Kolonnen der sowje­tischen Truppen eine fast völlige Einkesselung der Japaner durch und nahmen die feindliche Nachschublinie unter Feuer. Die japanischen Truppenteile waren eingeschlossen. Der Ring zog sich von Stunde zu Stunde enger zusammen. Die Japaner hatten keinen ruhigen Augenblick. Angriffe der sowjetischen Bomber, die Tausende von Bomben abwarfen, wechselten mit denen der sowjetischen Jäger ab, deren Maschinen­gewehrfeuer die Infanterie niedermähte. Die sowjetische Artillerie verrichtete ihr Werk, sowjetische Panzer brachen durch und zermalmten alles auf ihrem Wege. Und schließlich kam die sowjetische Infanterie, der die Japaner nicht stand­zuhalten vermochten. »Vor Beschuß kann man sich in einer Ritze verkriechen, einem russischen Bajonett kann man aber nicht entrinnen« – so sagten die japanischen Soldaten.

Acht Tage lang dauerte die Vernichtung des eingekesselten Gegners. Insgesamt verloren die Japaner während der Kampf­handlungen etwa 60 000 Mann, davon nicht weniger als 25 000 Tote. Eine solche Niederlage hatten die Japaner in den letzten Jahrzehnten nicht gekannt.

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