Der große Vaterländische Krieg – Teil 3

Aus Anlass des 70. Jahrestages des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion am 22.  Juni 1941, veröffentliche ich an dieser Stelle in loser Folge Auszüge aus dem sowjetischen Buch Der große Vaterländische Krieg der Sowjetunion, dass 1947 im SWA-Verlag/Berlin als 4. Band in der Reihe „Das Sowjetland“ erschienen ist. Im 3. Teil des 1. Kapitels geht es um die

Errichtung der Sowjetmacht inWestbjelorußland und in der Westukraine

Die militärischen Operationen am Chalchin-Gol fielen mit einer scharfen Veränderung der gesamten internationalen Lage zusammen. Die Entfesselung des Krieges durch den Faschismus beunruhigte die Völker der Welt. Unter dem Druck der Volksmassen nahmen die Regierungen Groß­britanniens und Frankreichs Verhandlungen über den Kampf gegen die Aggressoren mit der Sowjetunion auf. Es stellte sich jedoch bald heraus, daß die damaligen Regierungen Frankreichs und Großbritanniens überhaupt nicht ernstlich daran dachten, ein Abkommen über den gemeinsamen Kampf gegen das nazistische Deutschland abzuschließen. In der Tat träumten diese Staatsmänner, die mit dem Schicksal ihrer Länder spielten, davon, die Macht der Sowjetunion durch Deutschland zu vernichten oder zum mindesten zu unter­graben.

Abschluss des Nichtangriffspaktes am 24. August 1939

Die Sowjetregierung beschloß, einen Strich durch dieses offenbar provokatorische Spiel zu machen und zumindest für eine gewisse Zeit den Frieden für die Sowjetunion zu garantieren. Im Sommer 1939 unterzeichnete sie ein Handels­- und Kreditabkommen mit Deutschland. Gleichzeitig schlug Deutschland der Sowjetunion vor, einen Nichtangriffspakt abzuschließen. Dieser Vorschlag berührte weder direkt noch indirekt die territoriale Integrität, Unabhängigkeit und Ehre des Sowjetstaates und bot darüber hinaus die Möglichkeit, die drohende Kriegsgefahr aufzuschieben. Aus diesem Grunde konnte die Sowjetregierung den Vertragsabschluß mit einer Nachbarmacht nicht ablehnen, wenn auch an ihrer Spitze solche Ungeheuer wie die Nazis standen. Am 23. August 1939 schloß die Sowjetunion mit Deutschland einen Nichtangriffspakt ab. Der nachfolgende Lauf der Er­eignisse offenbarte die ganze Weisheit und Weitsicht der Sowjetregierung.

»Man könnte fragen«, sagte Stalin in seiner Rundfunkrede am 3. Juli 1941: »Wie konnte es geschehen, daß sich die Sowjetregierung auf den Abschluß eines Nichtangriffspakts mit solchen wortbrüchigen Leuten und Ungeheuern wie Hitler und Ribbentrop eingelassen hat? Ist hier von der Sowjetregierung nicht ein Fehler begangen worden? Natür­lich nicht! Ein Nichtangriffspakt ist ein Friedenspakt zwischen zwei Staaten. Eben einen solchen Pakt hat Deutschland uns im Jahre 1939 angeboten. Konnte die Sowjetregierung ein solches Angebot ablehnen? Ich denke, kein einziger fried­liebender Staat kann ein Friedensabkommen mit einem be­nachbarten Reich ablehnen, selbst wenn an der Spitze dieses Reiches solche Ungeheuer und Kannibalen stehen wie Hitler und Ribbentrop. Dies aber natürlich unter der einen un­erläßlichen Bedingung: daß das Friedensabkommen weder direkt noch indirekt die territoriale Integrität, die Unabhän­gigkeit und die Ehre des friedliebenden Staates berührt. Bekanntlich war der Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und der Sowjetunion gerade ein solcher Pakt.«

Weiter erklärt J. W. Stalin, welche Vorteile dieser Vertrag mit Deutschland dem Sowjetland bot:

»Wir haben unserem Lande für anderthalb Jahre den Frieden gesichert sowie die Möglichkeit, unsere Kräfte zur Abwehr vorzubereiten, falls das faschistische Deutschland es riskieren sollte, unser Land trotz des Paktes zu überfallen. Das ist ein unbestreitbarer Gewinn für uns und ein Verlust für das faschistische Deutschland.«

Auf diese Weise war der Versuch der aggressiven Kreise Großbritanniens und Frankreichs, die Sowjetunion gegen Deutschland auszuspielen, gescheitert. Am 1. September 1939 wurde Polen von Deutschland überfallen, und zwei Tage später erklärten England und Frankreich an Deutschland den Krieg.

Die polnische Regierung hat sich viele Jahre hindurch für den Krieg gerüstet und bei allen Gelegenheiten die Stärke ihrer Armee gerühmt. Sie nahm an dem gefährlichen Spiel derjenigen teil, die die Sowjetunion in den Krieg gegen Deutschland hetzen wollten. Die polnischen Machthaber machten dem deutschen Faschismus eine Reihe von Kon­zessionen und wurden in die antisowjetische Politik der Nazis einbezogen.

Die reaktionären Machthaber Polens führten auch inner­halb ihres Landes eine falsche Politik durch. Einen bedeu­tenden Teil Polens bildeten alte russische Länder, die von den polnischen Imperialisten im Jahre 1920 erobert worden waren, als das Sowjetland noch nicht stark genug gewesen war. Fast die Hälfte der Bevölkerung des polnischen Staates bestand aus Ukrainern, Bjelorussen, Juden und Litauern. Die regierenden Kreise Polens versuchten, die nationalen Minderheiten gewaltsam zu polonisieren. Die Machthaber Polens stützten ihre Herrschaft durch Strafexpeditionen, durch grausamen Terror und durch das Aufhetzen einer Nationalität gegen die andere. Die schwankende innere Lage des Landes hatte einen raschen Zusammenbruch des pol­nischen Staates vorausbestimmt: Polen vermochte nicht, den Angreifern zu widerstehen.

Der Angriff gegen Polen war für die Faschisten ein Zwischenglied in dem allgemeinen Plan zur Eroberung Europas und vor allem der Sowjetunion. Bereits im Mai 1939, das heißt drei Monate vor Beginn des Krieges, sagte Hitler zu seinen Vertrauten, daß der Krieg gegen Polen für Deutsch­land notwendig sei, um die Eroberung des Territoriums und der Ernährungsbasen der Sowjetunion zu gewährleisten. Der Schlag gegen Polen war nur eine Nebenaktion für den ent­scheidenden Hauptschlag gegen den Osten. Nachdem sie die polnischen Truppen zerschlagen hatten, begannen sich die Nazis den Bezirken der Westukraine und Westbjelorußlands zu nähern. Die hitlerschen Eindringlinge eilten vorwärts, um diese beiden Gebiete in einen Aufmarschraum für den zu­künftigen Krieg gegen die Sowjetunion zu verwandeln.

Grenzverlauf zwischen der Sowjetunion und den von Nazi-Deutschland okkupierten Gebieten von 1939-41

Die Sowjetregierung konnte das nicht zulassen. Sie konnte auch nicht die Brudervölker — die Ukrainer und Bjelorussen – in ihrer Not im Stich lassen und beschloß, ihnen die hilfreiche Hand entgegenzustrecken. Die Rote Armee erhielt den Be­fehl, die Grenze zu überschreiten und das Leben und Gut der Bevölkerung Westbjelorußlands und der Westukraine unter ihren Schutz zu nehmen.

In etwa zehn Tagen säuberte die Rote Armee fast 200 000 Quadratkilometer – einen ganzen Staat – von pol­nischen Truppen und befreite etwa 13 Millionen Menschen, darunter über 7 Millionen Ukrainer und über 3 Millionen Bjelo­russen. Die Volksversammlungen Westbjelorußlands und der Westukraine beschlossen einstimmig, in den befreiten Ge­bieten die sowjetische Regierungsform einzuführen und an den Obersten Sowjet der UdSSR die Bitte zu richten, die befreiten Gebiete in die Sowjetunion aufzunehmen. Am 1. November 1939 gab der Oberste Sowjet der UdSSR der Bitte der Volksversammlung der Westukraine und am 2, No­vember der Bitte der Volksversammlung Westbjelorußlands statt.

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