Der wortbrüchige Überfall Hitlerdeutschlands auf die UdSSR und der Beginn des Großen Vaterländischen Krieges

Am 22. Juni 1941 um 4 Uhr früh fielen die Truppen Hitler­deutschlands überraschend, ohne Kriegserklärung, in die Sowjetunion ein. Die deutsche Luftwaffe griff Kiew, Kaunas, Sewastopol, Shitomir und andere Sowjetstädte an. Geschütz­salven donnerten längs der ganzen Grenze, auch an der finnischen und rumänischen. Gleichzeitig mit dem Angriff der deutschen Landstreitkräfte gegen die Streitkräfte der Sowjetunion wurden auch die deutschen Luft- und Seestreitkräfte gegen die sowjetische Kriegsflotte eingesetzt. Deutsche Flugzeuge erschienen über den Häfen von Murmansk, Kronstadt, Odessa und Sewastopol. Deutsche U-Boote benutzten für ihren Überfall Stützpunkte in Finnland und Rumänien.
Die Periode der friedlichen Aufbauarbeit in der Sowjet­union war zu Ende. Es begann der Große Vaterländische Krieg der Sowjetunion gegen die deutsch-faschistischen Ein­dringlinge.
Im folgenden Beitrag geht es um die unmittelbare Vorbereitung des faschistischen Überfalls auf die UdSSR. Die Autoren beschreiben, wie ein europäisches Land nach dem anderen, der deutschen Kriegsmaschinerie zum Opfer fiel und unterworfen wurde. Überall wo der deutsche Militärstiefel herrschte, setzte sogleich ein grausames Terrorregime ein, das über die einheimische Bevölkerung verhängt wurde. So wussten also die sowjetischen Völker bereits, welche Gefahr sich westlich ihrer Grenzen zusammenbraute.

April 1941: Deutsche Soldaten hissen die Hakenkreuzfahne auf der Akropolis – Beginn der fast vierjährigen faschistischen Schreckensherrschaft.

 Der von den Hitlerfaschisten jenseits der Grenzen der Sowjetunion entfesselte Krieg erfaßte immer neue Länder. Nachdem die Hitlerleute Polen überrannt hatten, rüsteten sie sich im Winter 1939/40 zur Eroberung neuer Gebiete. Sie stellten Dutzende von Divisionen auf, bereiteten gewaltige Mengen an Munition vor. Nachdem Hitler genügend Kräfte gesammelt hatte, stürzte er sich im April 1940 auf die westlichen Staaten. Er eroberte Dänemark und Norwegen. Einen Monat später – im Mai – brachen die Deutschen in Holland, Belgien und Luxemburg ein. Nach der Besetzung Belgiens umgingen die Deutschen die französischen Grenz­befestigungen, die sogenannte Maginotlinie, und fielen in Frankreich ein. Zu diesem Zeitpunkt trat das faschistische Italien, von dem Siege Hitlers überzeugt, an der Seite Deutschlands in den Krieg gegen England und Frankreich ein. Die italienischen Faschisten hofften, sich ohne größere Anstrengungen auf Kosten Frankreichs bereichern zu können.

Die französische Regierung leistete den Eindringlingen nicht den gebührenden Widerstand. Drei Wochen nach dem Einfall der Deutschen in Frankreich fiel Paris. Einige Tage später kapitulierte die französische Regierung, ohne auch nur ein Zehntel ihrer Kräfte und Möglichkeiten für den Widerstand eingesetzt zu haben. Das von seiner Regierung verratene Volk geriet unter das faschistische Joch.

Die britische Armee, die im Norden Frankreichs gelandet war, um den Franzosen Hilfe zu leisten, erlitt eine Nieder­lage. Die gesamte schwere Ausrüstung — Geschütze und Panzer — wurde eine Beute der Deutschen. Nur unter Ein­satz der Flotte gelang es der britischen Führung, den Mann­schaftsbestand der Armee – über 300 000 Soldaten und Offi­ziere – unter großen Schwierigkeiten zu retten und ihn über den Ärmelkanal nach England zurückzubringen.

Im Sommer 1940 hatte Hitler bereits neun Länder — Öster­reich, die Tschechoslowakei, Polen, Dänemark, Norwegen, Belgien, Holland, Luxemburg und Frankreich – erobert.

Die Nazis verstärkten die Kampfhandlungen gegen Eng­land zu Wasser und in der Luft. Tausende von Bombern warfen Tag und Nacht ihre todbringende Last über den Städten Englands ab. Hunderte von U-Booten stießen, auf französische Häfen gestützt, weit ins Meer vor und versenk­ten englische Frachter mit Waffen und Nahrungsmitteln. Gleichzeitig zogen die Deutschen in den französischen Häfen Transportmittel und Sondereinheiten zusammen, um den Ärmelkanal zu überqueren.

Aber der Kampf um England zog sich in die Länge, Das Volk hatte begriffen, was der Faschismus mit sich bringt. In England gab es einen Wechsel der Regierung. Ausscheiden mußten alle die Minister, die bisher die falsche Politik der Nachsicht gegenüber den Aggressoren betrieben hatten. Die neue Regierung leistete den Faschisten Widerstand.

Nazi-Luftterror gegen England – Der Broadgate in Coventry am 15. November 1940 nach deutschen Bombenangriffen

Wochen gingen dahin. Hitler war es noch immer nicht gelungen, den Kanal zu überqueren. Bei dem Mißerfolg Deutschlands spielte noch ein weiterer Umstand eine nicht geringe Rolle: Hitler wagte nicht, seine ganzen Kräfte an der Westfront zu konzentrieren. Deutschland war gezwungen, einen bedeutenden Teil seiner Divisionen im Osten zu be­lassen. Das Sowjetland fesselte Hitlers Kräfte und half auf diese Weise Großbritannien, den Kampf gegen Deutschland Zu bestehen.

Je geringer die Aussichten einer Landung in England wur­den, desto stärker wurde das Bestreben der Nazis, die Sowjet­union zu überfallen. Hitler träumte davon, sich in den Besitz der gewaltigen Hilfsquellen des Sowjetlandes Erdöl, Kohle, Nahrungsmittel und Industrie – zu setzen und auf diese Weise eine tragfähige Basis zur Durchführung seiner Eroberungs­pläne zu schaffen. Die Nazis hofften, die Sowjetunion rasch zu zerschlagen, um anschließend alle Kräfte für die Erobe­rung der übrigen Welt einzusetzen. Auf einer Beratung der Naziminister, kurz vor Beginn des Krieges gegen die Sowjet­union, wurde festgestellt: »Der Krieg kann nur in dem Falle weitergehen, wenn alle Streitkräfte im dritten Kriegsjahr aus Rußland versorgt werden.«

Im Sommer 1940 begann der nazistische Generalstab mit der Ausarbeitung des Angriffsplanes gegen die Sowjetunion. Zunächst wurde dieser »Plan Fritz« genannt und später in »Plan Barbarossa« umgetauft.

Im Dezember 1940 war der »Plan Barbarossa« endgültig bestätigt. Die Hitlerleute hatten vor, ihre Hauptkräfte ins­geheim im Osten zu konzentrieren, und die Sowjetunion über­raschend anzugreifen. Den faschistischen Truppen wurde die Aufgabe gestellt, die Rote Armee in den westlichen Gebieten des Landes zu vernichten und ihr keine Möglichkeit zu lassen, sich geordnet zurückzuziehen und eine zusammenhängende Front aufzubauen. Die faschistischen Generale rechneten da­mit, in kürzester Frist ~ in etwa 5-6 Wochen – Leningrad und Moskau einzunehmen, die Wolga zu erreichen und die Linie Archangelsk-Astrachan zu beziehen.

Um den Krieg möglichst rasch zu beenden, waren die Nazis bestrebt, nicht nur alle eigenen Kräfte zum Schlage gegen die Sowjetunion zu konzentrieren, sondern auch andere Länder zur Teilnahme am Überfall heranzuziehen. Die fin­nische Regierung, die von der Sowjetunion so großmütig behandelt worden war, brach den Vertrag und nahm Ver­handlungen mit den Nazis auf. Die Finnen verpflichteten sich, die deutschen Truppen durch ihr Territorium durchzu­lassen und mit den Deutschen zusammen zum Angriff gegen die Sowjetunion anzutreten. Anfang 1941 kamen deutsche Generale nach Finnland, besichtigten die Ausgangspositionen für den Angriff und arbeiteten einen Plan für den gemein­samen Schlag gegen die Sowjetunion aus.

Im November 1940 nahmen die Nazis Besprechungen mit Rumänien auf. Dieses verpflichtete sich, mit Deutschland zu­sammen die Sowjetunion anzugreifen. Hitler versprach, Bessarabien und das sowjetische Gebiet bis zum Dnjepr an Rumänien abzutreten.

Ungarn schließlich sollte durch die Karpaten hindurch die Truppenteile der Roten Armee im Rücken angreifen, sobald Deutschland die Sowjetunion überfallen hatte.

Beginn des faschistischen Überfalls auf die UdSSR

Gleichzeitig mit der Ausarbeitung des militärischen An­griffsplans ging die Arbeit an dem Plan für die Ausplünde­rung der Sowjetunion vor sich. Lange vor Kriegsbeginn wur­den diejenigen sowjetischen Gebiete bestimmt, die in den Nazistaat unmittelbar eingegliedert werden sollten. Die deutschen Faschisten hatten vor, die baltischen Staaten, die Krim, den Kaukasus, die Ukraine und Bjelorußland an Deutschland anzugliedern. Die Wolgagebiete und die Erd­ölgebiete von Baku sollten eine »deutsche Militärkolonie« werden. Die Finnen sollten Ostkarelien erhalten, aber die Kola-Halbinsel sollte an Deutschland fallen.

Ein bedeutender Teil der Bevölkerung der eroberten Ge­biete sollte ausgerottet werden. Der Henker Himmler hatte Richtlinien ausgearbeitet, wonach mindestens 30 Millionen Slawen zu vernichten waren. Ein großer Teil der Bevölke­rung wurde zum Hungertode verurteilt. Als sie zwei Monate vor Kriegsbeginn den »Plan Barbarossa« erörterten, gaben die Naziminister selbst zu:

»Es besteht kein Zweifel darüber, daß, wenn wir aus dem Lande das nehmen, was wir brauchen, viele Millionen der Bevölkerung Hungertodes sterben werden.«

Göring sagte zu seinen Bevollmächtigten: »Ich habe die Absicht zu plündern, und zwar wirkungsvoll. Sie müssen geradezu wie ein Schweißhund hinterher sein. Wo noch etwas ist, was den Deutschen nützen könnte, muß es blitz­artig aus den Lagern geholt und hierhergebracht werden.«

Die Hitlerfaschisten hatten die Absicht, die sowjetische Industrie zu vernichten, die Anlagen nach Deutschland zu verschleppen, die Uralwerke durch Luftangriffe auszuschal­ten. Die eroberten Gebiete sollten Nahrungsmittel für Deutschland und Rohstoffe für die deutschen Fabriken liefern. Die Nazis gründeten im voraus eine Gesellschaft zur Aus­beutung der Erdölfelder der Sowjetunion, insbesondere der von Grosnyj und Baku. Als Vorsitzender dieser Gesellschaft wurde der Wirtschaftsminister Hitlerdeutschlands, Funk, bestimmt.

Viele Monate vor Kriegsbeginn wurde ein besonderer Apparat geschaffen, um das Sowjetland auszurauben und die Bevölkerung zu germanisieren. An der Spitze dieses Apparats stand Rosenberg. Er hatte Kommissare für jedes sowjetische Gebiet ausgesucht, das von den Deutschen er­obert werden sollte. Den Kommissaren wurden Instruk­tionen ausgehändigt, aus denen hervorging, welches Los dem betreffenden Gebiet der Sowjetunion beschieden war. So ordnete z. B. dieser Henker für die baltischen Republiken und Bjelorußland an: »Das Ziel des Reichsbevollmächtigten für Estland, Lettland, Litauen und Bjelorußland ist die Schaffung eines deutschen Protektorats, um diese Gebiete später durch Germanisierung der in rassischer Hinsicht ge­eigneten Elemente in Bestandteile des Großdeutschen Reiches zu verwandeln.«

Es handelte sich hierbei um Ausrottung der Bevölkerung; der Rest sollte – soweit er dazu »geeignet« erscheinen würde – germanisiert werden.

Die Nazis waren sich dessen bewußt, daß die Bevölkerung diesen ungeheuerlichen Plänen Widerstand leisten würde, deshalb wurden Instruktionen für den Kampf gegen die Bevölkerung im voraus ausgearbeitet. Fünf Wochen vor dem Überfall gab das Oberkommando der hitlerschen Wehrmacht am 13. Mai 1941 einen Befehl heraus: Alle Offiziere erhielten das Recht, jede Person, die einer feindseligen Einstellung den Deutschen gegenüber verdächtig sein würde, ohne Ge­richt und Untersuchung zu erschießen; der Befehl verbot den Offizieren, deutsche Soldaten für an der sowjetischen Be­völkerung begangene Verbrechen zu bestrafen.

Rosenberg forderte von seinen Bevollmächtigten eine erbar­mungslose Behandlung der Bevölkerung. Er gestattete ihnen, alles, was die deutsche Verwaltung für notwendig und geeig­net hielt, um das vorgesehene Programm zu verwirklichen.

So hatten die Hitlerleute lange vor Kriegsbeginn nicht nur die militärischen Pläne vorbereitet, sondern auch das ge­samte unmenschliche System der Ausplünderung und der Ausrottung eines bedeutenden Teils der sowjetischen Be­völkerung, der Germanisierung der übrigen Bevölkerung so­wie der Eingliederung eines gewaltigen Teils des Territoriums an Deutschland bis in die Einzelheiten ausgearbeitet. Selbst die blutrünstigsten Eroberer, die die Geschichte der Mensch­heit kennt, hatten sich keine so ungeheuerlichen Ziele gesteckt und ihre Aggression derart vorbereitet.

Alle Vorbereitungen der Nazis wurden heimlich durch­geführt. Für den Fall, daß die Konzentration der Hunderte von Divisionen nicht geheim zu halten wäre, hatten die Nazis vor, das Gerücht in Umlauf zu bringen, die Truppen­bewegungen würden angeblich gegen England durchgeführt; die Pläne wurden vor den eigenen Generalen geheimgehal­ten, um den Angriff so überraschend wie möglich zu führen.

Es war vorgesehen, im Spätfrühling 1941 zum Angriff an­zutreten. Aber ein unvorhergesehener Umstand verzögerte die Ausführung des Planes. Der Verbündete Hitlerdeutsch­lands – das faschistische Italien – überfiel Griechenland in der Überzeugung, mit dem kleinen Land leicht fertig zu werden. Aber das heldenmütige griechische Volk leistete er­bitterten Widerstand und brachte sogar dem, wie es schien, um vieles stärkeren Gegner eine Niederlage bei. Der italienische Diktator Mussolini wandte sich an Hitler um Hilfe. Deutschland, das sich bereits zum Angriff gegen die Sowjetunion gerüstet hatte, legte Wert darauf, den Rücken frei zu haben. Die Deutschen leisteten den Italienern Hilfe. Hitler beschloß, Truppen durch Bulgarien und Jugoslawien in Griechenland einrücken zu lassen, um das letztere blitz­artig niederzuwerfen. Die bulgarische faschistische Regierung ließ die deutschen Truppen ins Land und verwandelte dieses in ein Aufmarschgebiet für den Überfall auf Griechenland und später auch auf die Sowjetunion. Die jugoslawischen Völker leisteten den Nazis entschlossenen Widerstand, er­litten aber in dem ungleichen Kampf eine Niederlage. Die Balkanhalbinsel wurde von den Nazis besetzt. Zwei weitere Länder – Griechenland und Jugoslawien – waren damit Opfer der deutschen Aggression geworden. Unter dem Nazistiefel ächzten bereits elf Länder.

Europa unter der Nazi-Herrschaft im Juni 1941

Nachdem sie sich den Rücken gesichert hatten gingen die Nazis an die Verwirklichung ihrer Raubpläne hinsichtlich der Sowjetunion.

Am 22. Juni 1941 um 4 Uhr früh fielen die Truppen Hitler­deutschlands überraschend, ohne Kriegserklärung, in die Sowjetunion ein. Die deutsche Luftwaffe griff Kiew, Kaunas, Sewastopol, Shitomir und andere Sowjetstädte an. Geschütz­salven donnerten längs der ganzen Grenze, auch an der finnischen und rumänischen.

Gleichzeitig mit dem Angriff der deutschen Landstreitkräfte gegen die Streitkräfte der Sowjetunion wurden auch die deutschen Luft- und Seestreitkräfte gegen die sowjetische Kriegsflotte eingesetzt. Deutsche Flugzeuge erschienen über den Häfen von Murmansk, Kronstadt, Odessa und Sewastopol. Deutsche U-Boote benutzten für ihren Überfall Stützpunkte in Finnland und Rumänien.

Die Periode der friedlichen Aufbauarbeit in der Sowjet­union war zu Ende. Es begann der Große Vaterländische Krieg der Sowjetunion gegen die deutsch-faschistischen Ein­dringlinge.

Auszüge aus dem sowjetischen Buch Der große Vaterländische Krieg der Sowjetunion, dass 1947 im SWA-Verlag/Berlin als 4. Band in der Reihe „Das Sowjetland“ erschienen ist.
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