»Ein aufgeklärter Despot?«

Franz Mehring zum 200. Geburtstag von Friedrich II.: 

Am 24. Januar 2012 ist der 300. Geburtstag Friedrich II., König von Preußen und als »alter Fritz« eine gemütliche deutsche Geschichtslüge. Das politische Personal der neusten deutschen Herrlichkeit fühlt sich berufen, das Datum für ein ganzjähriges patriotisches Spektakel zu nutzen. Das war vor 100 Jahren nicht anders. Der marxistische Publizist und Historiker Franz Mehring (1846–1919) nahm sich damals unter dem Titel »Ein aufgeklärter Despot?« in der SPD-Zeitschrift Die Neue Zeit des Themas an.

Es ist alter Volksglaube, daß nach hundert Jahren die Leute wieder geboren werden. Die Zeit ist erfüllet. Möge sein wiedergeborener Geist über uns kommen und alle Widersacher, die den Eintritt ins Land der Verheißung uns wehren, mit flammendem Schwerte vertilgen! Wir aber schwören, in diesem seinem Geiste zu leben und zu sterben!« So schrieb im Jahre 1840, als sich die Thronbesteigung des Königs Friedrich von Preußen zum hundertsten Male jährte, der radikale Junghegelianer Fried­rich Köppen in einer Schrift, die er seinem Freunde Karl Marx aus Trier widmete.

Nahezu fünfzig Jahre danach, im Jahre 1886, als der Todestag des Königs Friedrich sich zum hundertsten Male jährte, meinte der alte Kaiser Wilhelm, der ehemalige »Kartätschenprinz«: »Alles, was wir Großes und Gutes heute in unserem Lande bewundern, ist auf den Fundamenten ge­gründet, die er gelegt hat.« Was dieser allezeit beschränkte Drillfeldwebel als »Großes und Gutes« im neudeutschen Reiche bewunderte, braucht nicht ausführlich dargelegt zu werden: Es genügt, zu erinnern an die borussische Junkerherrlichkeit, den aussaugenden Militarismus, den Brot- und Fleischwucher, das Sozialistengesetz, die russische Vasallenschaft. Wer hat nun recht: der kecke Junghegelianer mit seinen kaum dreißig oder der stumpf­sinnige Hohenzoller mit seinen bald neunzig Jahren?

Es lohnt sich, einen Augenblick bei dieser Frage zu verweilen, da ge­genwärtig die patriotische Trommel gerührt wird für den Geburtstag des Königs Friedrich, der sich am 24. Januar dieses Jahres zum zweihundert­sten Male jährt und einige Tage später, am Geburtstag des gegenwärtigen Kaisers, mit dem üblichen Lärm gefeiert werden soll. Unter anderem hat der Kaiser von Herrn Koser, dem Generaldirektor der preußischen Staats­archive, eine Schrift über seinen Vorgänger anfertigen lassen, die in hun­derttausend Exemplaren an die preußischen Schüler als kaiserliches Ge­schenk verteilt werden soll. Herr Koser hat nun zwar eine recht leidliche Biographie Friedrichs geschrieben, aber zu seiner Schulschrift wird wohl Mephistos Wort als Motto taugen: Das Beste, was du wissen kannst, darfst du den Buben doch nicht sagen. Und was sonst in der bürgerlichen Presse aus diesem Anlaß bisher an Gedenkartikeln geliefert worden ist, trägt durchweg den Stempel untertäniger Loyalität.

Um es mit einem Worte vorwegzunehmen, so hat der alte Wilhelm und nicht der junge Köppen recht und dreimal recht gehabt. Man mag höchstens darüber streiten, ob der König Friedrich die Fundamente des preußischen Staates gelegt und nicht vielmehr nur befestigt hat, denn diese Fundamente bestanden schon vor ihm durch die besondere historische Entwicklung, die die brandenburgisch-preußische Militärkolonie seit den Ta­gen des Mittelalters genommen hatte. Aber diese Fundamente im mo­dernen Sinne umzuwälzen oder auch nur ein wenig auszuflicken, hat Kö­nig Friedrich während seiner langen Regierung allemal verschmäht; er hat sie durchaus nur erweitert und verstärkt, von der borussischen Junkerherrlichkeit bis zur russischen Vasallenschaft. In allen Zweigen seiner Herrschertätigkeit hat er – mit einziger Ausnahme der Rechtspflege, wo er einige Anläufe zu Reformen machte, um schließlich doch wieder in der launenhaftesten Kabinettsjustiz zu versumpfen – durchaus auf der histo­risch rückständigen Seite gestanden, und wer seine Geschichte irgendwie kennt, wird es nur als beißenden Hohn empfinden, wenn er als Muster eines aufgeklärten Despoten gefeiert wird.

Nichts hat ihm (Friedrich II. – d. Red.) mehr am Herzen gelegen, als den feudalmittelalterlichen Kastenstaat mit den drei erblich geschiedenen Ständen der Junker, der Bauern und der Bürger aufrechtzuerhalten. Wenn es anders die Sache des aufgeklärten Despotismus war, die bürgerliche Entwicklung zu fördern, um eine Stütze gegen den Adel zu gewinnen so hat Friedrich die Städte abgewürgt, um den Adel zu hätscheln und ihn mit noch immer mehr Vorrechten zu überhäufen, als er in diesem gesegneten Lande schon von jeher besaß. Es ist recht eigentlich Friedrichs Vermächtnis, die ganze militärische und zivile Maschinerie des Staates in die Fäuste des Junkertums so gründlich gespielt zu haben; daß sie ihnen bis heute noch nicht hat entrissen werden können. Sowenig wie den Städten half er den Bauern gegen die Junker; höchstens dem junkerlichen »Bauernlegen« suchte er gewisse Schranken zu setzen, um Rekruten für sein Heer und Steuerzahler für seinen Säckel zu behalten. Einzig unter diesem Gesichtspunkt hat er das gutsherrlich-bäuerliche Verhältnis, wie es aus dem Mittelalter überkommen war, zu »reformieren« gesucht; über die ärgste Auspressung und Mißhandlung der Bauern war er mit den Junkern ganz einig, nur daß er seinen Anteil an dem Blute und Schweiße haben wollte; der den ausgepowerten Massen – und die bäuerliche Klasse bildete damals die Masse der Bevölkerung – ausgepreßt wurde.

Seine Finanzverwaltung, wie er sie namentlich nach dem Siebenjährigen Kriege einrichtete, war eine Ausbeutungsmaschine der raffiniertesten Art, jedoch in ihrer Methode schon für seine Zeit völlig überlebt. Die Blutsteuern, die er in erster Reihe wieder von den Bauern erhob, steigerte er auf ein unerträgliches und bis dahin unerhörtes Maß. ,»Kulturaufgaben« waren für seinen großen Geist überhaupt keine Begriffe. Die Schulen ließ er gänzlich verfallen. Die Geistesknechtschaft feierte nirgends solche Orgien wie unter dem Zepter dieses weisen Herrschers. Seine Zensur war ein würdiger Vorläufer des Sozialistengesetzes.

Auf dem Gebiet der auswärtigen Politik stand es nicht besser um ihn. Nichts törichter, als ihm irgend so etwas wie »nationale Gesinnung« nachzurühmen. Wer ihn daraufhin angesprochen hätte, hätte nicht einmal die Gefahr gelaufen, von ihm auf die Festung geschickt, sondern höchstens die Gefahr, von ihm ins Irrenhaus gesteckt zu werden. Friedrich war mit tausend Freuden bereit, seine rheinischen Besitzungen den Franzosen und seine Provinz Ostpreußen den Russen zu opfern, wenn er dafür das Kurfürstentum Sachsen hätte in seine Tasche stecken können. Es ist auch völlig verkehrt, seine Erhebung gegen Österreich als eine nationale Tat zu bewundern. Ihm war es nur um ein Stück Land zu tun, das er, gestützt nicht auf die Kraft und den Willen der Nation, sondern auf auswärtige Mächte, die Deutschland in gänzlicher Ohnmacht zu erhalten trachteten, dem Hause Habsburg rauben konnte. Auch die preußischen Historiker soweit sie noch einen Funken von Ehrlichkeit und Gewissenhaftigkeit besitzen, bestreiten heute nicht mehr, daß Friedrich ohne die französische Hilfe niemals an die Eroberung Schlesiens hätte denken können.

Friedrich II.: „Einen Affen auf’s Pferd setzen…“

Friedrich wußte sehr gut, daß ihm die französische Hilfe nicht um seiner schönen Augen willen gewährt wurde, daß Frankreich, indem es ihn unterstützte, nur an der Entzweiung und Zerfleischung Deutschlands arbeitete. Das hinderte ihn aber nicht im geringsten, sich in die Vasallenschaft Frankreichs zu begeben. Dabei hatte er freilich mehr als ein Vorbild unter seinen erlauchten Vorfahren; am Berliner Hofe hatten die französischen Dukaten allemal einen guten Klang, auch wenn sie nur um den Verrat an Deutschland zu haben waren. Aber immerhin – so weit wie Friedrich hatte doch noch kein Hohenzoller den Mangel an nationaler Ehre und Scham getrieben.

Friedrich durfte den Lohn des Verrats einstreichen, allein der Fluch des Ver­räters ist ihm doch an den Fersen hängengeblieben. Sein Versuch, die französische Lehnsherrschaft abzuschütteln, deren Anforderungen ihm allzu beschwerlich geworden waren, führte ihn in die englische Vasallenschaft, die ihn im Siebenjährigen Kriege benutzte, um Amerika in Deutsch­land zu erobern, ihn aber, als sie ihn nicht mehr brauchte, wie eine ausgepreßte Zitrone beiseite warf, so daß er sich endlich in den russischen Knechtsdienst begeben mußte, um sich zu retten. Auch die Schmach der russischen Fremdherrschaft in Deutschland ist ein Erbe des Königs Fried­rich. Er endete seine Laufbahn, indem er, innerlich knirschend, aber äußer­lich kuschend, vor der Zarin Katharina demütig im Staube lag und ihr das polnische wie das türkische Wild ins Garn treiben half. In ihren Tür­kenkriegen unterstützte er sie mit Hilfsgeldern; bei der ersten Teilung Polens mußte er den größten Teil der Schande auf sich nehmen und sich mit dem kleinsten Knochen begnügen.

Das entscheidende und unwiderrufliche Urteil über den König Fried­rich und sein Werk hat die Schlacht bei Jena (1806 – d.Red.) gesprochen. Um den Helden zu retten, hat man zwar gesagt, nicht er sei bei Jena geschlagen worden, sondern seine unfähigen Nachfolger. Allein so unfähig diese Nachfolger unzweifelhaft waren, so ist es doch eine ganz unsinnige Vorstellung, daß sie in zwanzig Jahren ruiniert haben sollen, was Friedrich in mehr als vierzig Jahren angeblich aufgebaut haben soll. Sie haben sein Werk im wesentlichen so erhalten, wie er es geschaffen hatte, es eher noch in man­chem Betracht verbessert als verschlechtert. Freilich mag dieser vorsint­flutliche Kastenstaat im Jahre 1806 verrotteter erschienen sein als im Jahre 1786, aber eben nur im Lichte einer vorgeschrittenen Zeit; im We­sen der Sache war er ganz derselbe, und die damaligen Reformer, die Stein und Arndt, waren von einem ganz richtigen Instinkt geleitet; wenn sie den undeutschen König verwünschten, dessen Größe Deutschland zum Verderben und dessen Gedächtnis Deutschland zum Fluche gewor­den sei.

Wie nun aber erklären, daß der Name dieses Königs bei alledem immer einen gewissen populären Klang behalten hat, daß Friedrich einen Mann wie Carlyle zum Biographen, einen Künstler wie Menzel zum Maler sei­nes Lebens und seiner Taten gewinnen konnte, daß die radikalen Jung­hegelianer für ihn schwärmten, daß selbst Lassalle noch im Jahre 1858 ihn neben Lessing als ebenbürtigen Befreier stellte? Will man die Ant­wort auf diese Frage in banal-populärer Form geben, so müßte man sagen, daß der Einäugige unter den Blinden König ist. Unter dem verkommenen Fürstengesindel seiner Zeit war Friedrich in seiner Art ein ganzer Kerl, und ebenso ragte er über seine Vorgänger und Nachfolger in der Ge­schichte der Hohenzollern empor. Er trieb sein schlechtes Handwerk we­nigstens mit einem Eifer und Ernst, der den zeitgenössischen Sultanen vollkommen fremd geworden war; das Glück machte ihn nicht übermütig, und das Unglück trug er mit einer Standhaftigkeit, die gewiß respektabel war: mit dem Gift in der Tasche, entschlossen, sich lieber selbst aus der Welt zu expedieren als dem etwas zu vergeben, was er für seine könig­liche Würde hielt. Die blödsinnige Verschwendung der damaligen fürst­lichen Höfe hielt er sich vom Leibe, und namentlich auch den leeren Tand des Größenwahnsinns, der die alberne Neugier des gedankenlosen Phi­listers für bare Münze nimmt, für eine aufrichtige Huldigung an die Mon­archie oder gar für eine bewundernde Anhänglichkeit an die Person des Monarchen. Friedrich schätzte die patriotischen Spektakelmacher ganz richtig als »Canaille« ein. Und als bei seinem letzten Besuch in Breslau der Philosoph Garve dem widersprach mit der Bemerkung »Als Ew. Maje­stät gestern in die Stadt kamen und alles Volk zusammenlief, um seinen großen König zu sehen, das war nicht Canaille«, da antwortete der Kö­nig, viel philosophischer als der patentierte Philosoph: »Setze Er einen alten Affen aufs Pferd und lasse Er ihn durch die Straßen reiten, so wird das Volk ebenso zusammenlaufen.« Wie weit war Friedrich damit seiner Zeit voraus und nun gar der unserigen!

Sowenig Friedrich II. im historischen Sinne ein aufgeklärter Despot gewesen ist, so sehr war er es in persönlichem Sinne. Ein Typus der drückendsten Geistesknechtschaft, verschmähte er doch der »Heuchelei dürftige Maske« insofern, als er sie nie mit frommen Redensarten auszuschmücken ver­suchte. Ihn als Geburtshelfer unserer klassischen Literatur und Philosophie zu feiern, gehört zu den abgeschmacktesten Legenden, von denen sich die bürgerliche Literaturgeschichte nährt, aber ein Aufklärer im Sinne des von ihm bewunderten Voltaire, ein Anhänger der Aufklärung, von der Schnei­der und Schuster nichts wissen dürfen, ist Friedrich allerdings gewesen, und daraus hat er in seinen Briefen und Schriften nie das geringste Hehl gemacht. Er gebrauchte die Religion als despotisches Machtmittel; er hat die Jesuiten geduldet, als der Papst Ganganelli den Jesuitenorden auf­hob, und ebenso die lutherische Orthodoxie vor allen aufklärerischen Attentaten geschützt, so daß selbst sein lammfrommer Bewunderer Gleim sich zu dem Spott aufschwang: Er ließ uns alle Freiheit, selbst die Freiheit, dumm zu sein. Allein für seine Person war ihm alle Religion höchst wider­wärtig, und er mißbrauchte sie auch nicht, um seine Politik zu beschöni­gen; er hat seinen Raub am Hause Habsburg nie als eine »Wendung durch Gottes Fügung« (Formulierung des späteren Kaisers Wilhelm I. nach der Schlacht von Sedan am 1. September 1870 im deutsch-französischen Krieg – d. Red.) gefeiert. Aus den Produkten seiner Feder läßt sich ein ganzes Arsenal von boshaften und auch geistreichen Spöttereien über die Religion und religiöse Gegenstände zusammenstellen.

Wie wenig Friedrichs bornierter Despotismus dadurch entschuldigt wurde, hat schon Lessing erkannt in seiner bekannten Äußerung über das »sklavischste Land in Europa«, das der preußische Staat sei und bleibe, trotz aller »Sottisen gegen die Religion«, die in Berlin auf den Markt ge­bracht würden. Zum Glück für Friedrichs Nachruhm aber legte sich sein Nachfolger, nach alter Überlieferung der Hohenzollern, wieder auf die frömmelnde Seite, trotz des sardanapalischen Lebenswandels, den er führte, und er krönte diese nichtswürdige Heuchelei, indem er behauptete oder durch seine Kreaturen behaupten ließ, daß sein Vorgänger den Hauptgrund zur Freidenkerei gelegt habe. So kam Friedrich in den ganz unverdienten Ruf, ein lichtbringender Genius gewesen zu sein. In den Tagen nach Jena wurde sein historisches Wesen dann von den preußischen Reformern wieder richtig erkannt, allein als sich nach den Siegen über Napoleon die Heilige Allianz konstituierte, die den frechsten Despo­tismus in frömmelnde Tracht kleidet; wurde Friedrich zum zweiten Male ein Held der Aufklärung, zumal da Preußen in der Heiligen Allianz die erbärmlichste und unwürdigste Rolle spielte und die preußischen Macht­haber der zwanziger und dreißiger Jahre alles taten, was in ihrer Macht stand, um das Andenken des ketzerischen Königs zu verdunkeln.

Bekannt sind Heines zornige Worte aus dem Jahre 1832 »gegen dieses Preußen, diesen langen frömmelnden Gamaschenhelden mit dem weiten Magen und dem großen Maul und mit dem Korporalstock, den er erst in Weihwasser taucht, ehe er damit zuschlägt, dieses christlich-philosophische Soldatentum, dieses Gemengsel von Weißbier, Lüge und Sand, dieses steife; heuchlerische; scheinheilige Preußen, diesen Tartüffe unter den Staa­ten«. So konnte Heine nur im Ausland schreiben, und es ist gewisserma­ßen die andere Seite der Medaille, wenn sieben Jahre später der radikale Junghegelianer Köppen, unter dem Drucke der Zensur, diesem Preußen aus den Schriften des Königs Friedrich, der seinen Korporalstock wenig­stens nie in Weihwasser getaucht hat; einen Spiegel entgegenhielt, worin es seine ganze Schlechtigkeit erkennen und daran verrecken sollte, was es denn freilich nicht getan hat.

Preußenprinz trifft Welfenpräsidenten – am 16. Januar empfing das Ehepaar Wulff Georg Friedrich Prinz von Preußen (2. v.l.) und seine Frau Sophie Foto: dapd

Heute wissen wir allzugut, daß der leibhaftige Kampf mit leibhaftigen Gegnern nicht dadurch gefördert werden kann, daß wir Gespenster aus den Gräbern beschwören, zumal Gespenster vom Schlage des Philosophen von Sanssouci, der dem Junkertum nicht minder hold und gewärtig ge­wesen ist als heute der Philosoph von Hohenfinow (Spitzname Theobald von Bethmann Hollwegs, von 1909 bis 1917 deutscher Reichskanzler – d. Red.). Auf dem Despotis­mus des alten Fritz lastet noch immer der Fluch der Nation, und zwar um so wuchtiger, je verhängnisvoller seine Nachwirkungen sind. Den zweihundertsten Geburtstag des Königs als nationalen Festtag zu feiern, wäre ein Spott auf alle nationale Gesinnung. Eher könnte er sich als dynastischer Festtag sehen lassen. Denn in der langen Reihe von Hohenzollern, die vor und nach ihm gelebt haben und gestorben sind, zeichnete sich der König Friedrich durch einige menschli­che Eigenschaften aus, zumal durch die Verachtung jener »Canaille«, die in diesen Tagen am lautesten lärmen wird.

Franz Mehring: Ein aufgeklärter Despot? In: Die Neue Zeit, 1911/12, Erster Band. Hier zitiert nach: Franz Mehring: Gesammelte Schriften Band 5. Dietz Verlag, Berlin 1982.

Quelle: junge Welt vom 31.12.2011, 7.01.2012, 14.01.2012 und 21.01.2012

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