Zweiter Weltkrieg Monat für Monat: August 1942

RIA Novosti

© Photo Foto zur Verfügung gestellt vom Museumspark „Schlacht von Stalingrad“

Von Sergej Warschawtschik, RIA Novosti

http://de.rian.ru/opinion/20120807/264140996.html

Im 36. Monat des Zweiten Weltkriegs haben die Wehrmachttruppen den Don passiert und die Wolga nahe Stalingrad erreicht.

Zudem besetzten die Deutschen die Erdölgebiete um Maikop. Deutsche Gebirgsjäger erklommen den höchsten Berg im Kaukasus, den Elbrus. Im Pazifik schickten die USA einen Verband auf die Insel Guadalcanal, wo es bald zu erbitterten Kämpfen kommen sollte.

Des Führers Zorn

Im August erlebte die Sowjetunion eine äußerst schwere Krise: Aus dem Süden des Landes stieß der Feind zügig ins Landesinnere vor. Viele glaubten, dass der gut eingespielten deutschen Kriegsmaschinerie wie 1941 nichts entgegengestellt werden kann. Die Versuche, die deutsche „Dampfwalze“ zu bremsen, führten dazu, dass die Rote Armee eine Niederlage nach der anderen erlitt, wobei die Wehrmacht in zwei auseinanderlaufende Richtungen zugleich vorstieß.

Die Gefechte im Nordkaukasus entwickelten sich dramatisch für die sowjetischen Truppen, die unter dem Ansturm der Verbände der Heeresgruppe A schnell zurückweichen mussten. Als Lokomotive des Angriffs diente diesmal die 17. deutsche Feldarmee, unterstützt von der 1. Panzerarmee der Wehrmacht. An ihrer eisernen Faust zerschellten alle Gegenangriffe der sowjetischen Truppenteile.

Relativ leicht überwanden die Deutschen den Fluss Kuban und besetzten die Städte Stawropol, Armawir, Maikop und kurze Zeit später auch Krasnodar. Die Ölbohrtürme von Maikop mussten rasch zerstört werden. Am 19. August begannen blutige Kämpfe um Noworossisk, die die beiden Feindeslager rund um die Uhr in Atem hielten. Die Stadt wurde nicht nur von den Schützeneinheiten der 47. Armee, sondern auch von den Marinesoldaten der Schwarzmeerflotte und der Asowschen Kriegsflottille verteidigt.

Die Nazis erreichten das Vorgebirge des Kaukasus-Kammes und hissten am 21. August die Hakenkreuzfahne auf dem Elbrus. Am selben Tag notierte General Halder, Stabschef des Oberkommandos des Heeres (OKH),  melancholisch in seinem Tagebuch, dass der Führer wegen der langsamen Eroberung der kaukasischen Gebirgspässe sehr aufgebracht sei. Rüstungsminister Albert Speer, schrieb später in seinen Memoiren, dass Hitler außer sich gewesen sei wegen des Vorgehens der Gebirgsjäger, die er als verrückte Bergfexe bezeichnete und die, anstatt Suchumi anzugreifen, ihrem Ehrgeiz auf der anderen Seite des Kaukasus gefrönt hätten.

Doch Hitler hatte seine Untergebenen zu Unrecht getadelt: Am 25. August fiel die Stadt Mosdok. Die deutschen Truppen zogen bereits in Richtung Grosny. Am Ende des Monats besetzten die Truppen der Wehrmacht Anapa und hatten Teile der sowjetischen Marineinfanterie umzingelt, die sich auf der Taman-Halbinsel verteidigte und die nur mit Hilfe der Schiffe der Asowschen Kriegsflottille gerettet werden konnten.

Das Dritte Reich gewann die erste Runde der Schlacht um den Kaukasus. Die Deutschen befanden sich in unmittelbarer Nähe der strategisch wichtigen Rohstoffvorkommen der Sowjetunion: der Erdölgebiete um Grosny und Baku sowie der Vorkommen von Wolfram- und Molybdänerzen, die für die Produktion der Panzerung der Kampffahrzeuge notwendig waren. Die Eroberung des Kaukasus hätte die Türkei zum Kriegseintritt auf Seiten Deutschlands bewegen können.

Brennende Ruinen in Stalingrad

Nicht besser stand es um Stalingrad, wo die Heeresgruppe B Anfang August vier sowjetische Divisionen der 62. Armee westlich der Stadt Kalatsch (im großen Donbogen, 80 Kilometer vor Stalingrad) umzingelte. Nach zwei Wochen Gefechten konnten sich nur wenige aus der deutschen Umzingelung befreien und die eigenen Truppen einholen.

Am 5. August berichtete das Hauptquartier des Oberkommandos, dass mit Rücksicht auf die zu breite Verteidigungslinie Teile der Roten Armee, die in dieser Richtung kämpften, in die Südostfront (Oberbefehlshaber General Jerjomenko) und die Stalingrader Front (Oberbefehlshaber General Gordow) aufgeteilt würden.

Die erstere erhielt den Auftrag, den südlichen Abschnitt des äußeren Stalingrader Verteidigungsgürtels zu verteidigen, zweitere sollte unmittelbar die Stadt schützen. Kurze Zeit später stellte sich heraus, dass die Aufteilung der Fronten nur Verwirrung stiftete und den Einsatz der Luftstreitkräfte erschwerte. Deshalb wurde auf Beschluss des Hauptquartiers die Stalingrader Front dem Oberbefehlshaber der Südöstlichen Front unterstellt.

Am 9. August verlangten Stalin und General Wassilewski (als Generalstabschef) im Ukas Nr. 493 von den Frontbefehlshabern, „nicht die Kräfte zu schonen und vor keinen Opfern haltzumachen, um Stalingrad zu behaupten und den Feind zu zerschlagen“.

Das Hauptquartier holte sogar noch die 1. Gardearmee und die 4. Panzerarmee aus der Reserve, die vom Norden her massive Gegenangriffe gegen den Feind führten, um dessen Offensive im Osten zu bremsen. Dadurch gelang es ihnen, die Deutschen eine Zeitlang von Stalingrad fernzuhalten. Der bereits erwähnte General Halder vermerkte besorgt, bei Paulus (Befehlshaber der 6. Feldarmee) gebe es schwere Verteidigungskämpfe am nördlichen Abschnitt.

Doch nach drei Wochen erbitterter Kämpfe, nachdem die sowjetischen Panzer zerstört worden waren, nahm der wichtigste deutsche „Rammbock“, die durch Reserven aufgefüllte 6. Armee, am 19. August ihre Offensive auf Stalingrad wieder auf. Nur noch 60 Kilometer trennten die durch Reserven aufgefüllte 6. Armee der Wehrmacht von der Stadt. Am 22. August überwanden Teile der 6. Armee den Don. Am nächsten Tag flog die Luftwaffe massive Angriffe, bei denen mehr als 40 000 Menschen, vor allem Zivilisten, umkamen. Die Stadt war eine einzige brennende Ruine.

Später schrieb General Jerjomenko in seinen Memoiren: „Im letzten Krieg musste ich viel erleben, doch das Bild, das sich uns am 23. August in Stalingrad bot, wirkte wie ein schlimmer Alptraum… Das Heulen der niederfallenden Bomben vermischte sich mit dem Donner der Explosionen, dem Krachen der in sich zusammenfallenden Gebäude, dem Geprassel der tobenden Flammen. Sterbende stöhnten, während Frauen und Kinder herzzerreißend schluchzten und um Hilfe baten.“

Ebenfalls am 23. August drangen die deutschen Panzertruppen zur Wolga bis zum nördlichen Stadtrand von Stalingrad vor. Die sowjetische 62. Armee wurde von den übrigen Kräften der Stalingrader Front abgetrennt. Die Fernsprech- und Telegrafieverbindungen der Armee mit Moskau waren unterbrochen. Der Bericht über den Durchbruch des Feindes konnte Stalin nur per Funk übermittelt werden.

Die Eroberung eines derart großen Industriezentrums am Wolga-Ufer hätte Deutschland in die Lage versetzen können, die für die Sowjetunion lebenswichtigen Wasser- und Landwege abzuschneiden, was zu ernsthaften Engpässen bei der Versorgung der Roten Armee hätte führen können. Außerdem hätte der Fall der Stadt, die Stalins Namen trug, den Nazis ideologisch und propagandistisch in die Karten spielen können.

Doch die Schlacht um Stalingrad hatte erst begonnen. Hitlers paranoides Streben, die Stadt zu besetzen, fügte dem Dritten Reich eine schwere Niederlage bei und leitete die Kehrtwende im Zweiten Weltkrieg ein. Die unmittelbaren Kämpfe um die Stadt selbst entfalteten sich erst im September 1942, nachdem sich die Truppen der 62. und der 64. sowjetischen Armee auf Befehl des Hauptquartiers nach Stalingrad zurückgezogen hatten.

Durchbruch durch die deutsche Verteidigungslinie

Unterdessen entfalteten sich in der zentralen Richtung des sowjetisch-deutschen Front erbitterte Kämpfe um die Stadt Rschew, bei denen im Gegensatz zur Schlacht um Stalingrad die sowjetischen Truppen den Ton angaben. Nichtsdestotrotz versuchten die Kalinin- und die Westfront beinahe den gesamten August 1942 die tief gestaffelten deutschen Verteidigungslinien um Rschew zu durchbrechen.

Ein schweres Hindernis für das Vorankommen der Sowjettruppen war zudem der nach dem 10. August begonnene Gegenangriff der Wehrmacht mit vier Divisionen, darunter zwei Panzerdivisionen. Zwar misslang den deutschen Verbänden der Gegenangriff, doch die erschöpften Einheiten der Roten Armee waren erst nach dem 20. August in der Lage, sich Rschew anzunähern.

Ebenso wie in Stalingrad begann der erbitterte Häuserkampf in Rschew erst im September 1942.

Am 26. August wurde der Oberbefehlshaber der Kalinin-Front, General Konew, zum Oberbefehlshaber der Westfront ernannt. Er ersetzte General Schukow, der zum Stellvertreter des Obersten Befehlshabers aufstieg. Die Kalinin-Front wurde jetzt von General Purkajew befehligt.

Später widmete Schukow in seinen Memoiren (in denen er viel über seine Rolle in der Stalingrader Schlacht erzählte) der Operation von Rschew-Sytschowka nur ein paar Sätze. So konstatierte er, dass die Offensive der von ihm befehligten Truppen der Westfront unterbrochen wurde, nachdem die deutsche Verteidigung durchbrochen und die Bahnstrecke Rschew – Wjasma erreicht worden war. Wie er betonte, „gelang es den Truppen der Kalinin-Front nicht, die Stadt Rschew einzunehmen, und sie blieb in der Hand des Feindes“.

Landungsoperationen gegen Deutsche und Japaner

Im August 1942 führten die Alliierten mit mehr oder weniger Erfolg zwei große Landungsoperationen durch. Am 19. August wurden 6000 britische und kanadische Infanteristen an der nordfranzösischen Küste für einen Angriff auf die Hafenstadt Dieppe ausgeschifft. Die Alliierten wollten sich in der Stadt mit dem Ziel festsetzen, die Verteidigungsfähigkeit und -anlagen der Deutschen zu prüfen bzw. zu zerstören sowie Gefangene zu nehmen. Nichts davon gelang. Der Angriff scheiterte nach ein paar Stunden.

Einige der ausgeschifften Panzer blieben in der Brandungszone stecken und wurden somit zu leichten Zielen für die deutsche Artillerie und Luftwaffe. Die engen Straßen der Stadt erwiesen sich als Falle für einen weiteren Teil der Panzer. Ohne Unterstützung der Infanterie wurden die Panzerwagen entweder von den Deutschen angeschossen oder von den eigenen Besatzungen verlassen.

Bei der missglückten Operation wurden fast 4000 Soldaten und Matrosen auf Seiten der Alliierten getötet, verletzt oder gefangen genommen. Bei den Deutschen handelte es sich um 561 Mann.

Im Luftkampf verlor die Luftwaffe der Alliierten 106 Maschinen gegenüber 48 der Deutschen. Den Alliierten gelang es erst knapp fast zwei Jahre später – am 6. Juni 1944 – während der Operation „Overlord“ in  Nordfrankreich an Land zu gehen. Dabei beherzigten sie die Lehren aus den Fehlern der misslungenen Landung.

Viel erfolgreicher verliefen die Gefechte der US-Marineinfanterie, die am 7. August auf Guadalcanal und mehreren anderen Pazifik-Inseln ans Land gegangen waren, um die Seeverbindungs- und Lufttransportwege der Japaner abzuschneiden (diese bauten unter anderem einen großen Flugplatz auf Guadalcanal). Dank schlechtem Wetter wurden die Landungstruppen von den Japanern erst spät bemerkt. Letztere versäumten daher die Möglichkeit, die Transporte mit amerikanischen Truppen bereits auf dem Weg zu den Zielorten zu vernichten.

Zu erbitterten Kämpfen kam es jedoch erst mehrere Wochen nach der US-Invasion, als die Japaner ihre Kräfte gesammelt und zur Gegenoffensive übergegangen waren. Alles in allem dauerte die Schlacht um Guadalcanal, eine der erbittertsten im Pazifik, bis zum 9. Februar 1943.

Gleichzeitig entfalteten sich Kampfhandlungen auf hoher See. Am 24. und 25. August kam es bei den Salomon-Inseln zu einer Schlacht zwischen japanischen und amerikanischen Schiffsverbänden. Die Japaner beherrschten zwar das Gefechtsfeld, konnten jedoch die sich rasch zurückziehenden Amerikaner nicht einholen und machten, weil sie feindliche Luftangriffe befürchteten, schnell kehrt.

Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

© 2010 RIA Novosti
Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Großer Vaterländischer Krieg veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s