Sonnenaufgang nach „Kristallnacht“

Am Tag nach der "Kristallnacht"

Am Tag nach der „Kristallnacht“

„Wir müssen uns im Klaren darüber sein, dass jegliche Versuche, den Beitrag unseres Landes zu dem Großen Sieg zu revidieren, sowie den Holocaust – eine schändliche Seite der Weltgeschichte – zu leugnen, sind nicht einfach eine zynische und prinzipienlose Lüge, sondern auch die Vergessenheit der Lehren der Geschichte, die zu erneuten Tragödien führen kann“.

Diese Worte richtete Russlands Präsident Wladimir Putin in seinem Begrüßungstelegram an die Teilnehmer der feierlichen Eröffnung des Russischen Jüdischen Museums für Toleranz, die in Moskau stattgefunden hat.

Die feierliche Eröffnung fiel praktisch auf einen weiteren Jahrestag der Judenpogrome in Berlin und vielen anderen Städten Deutschlands und Österreichs, die am 9.November 1938 begannen. Das ist eines der tragischen Ereignisse im Leben des jüdischen Volks, die auf das verbrecherische Regime des Dritten Reichs zurückgehen. Dieses Massaker wurde damals auf zynische Weise „Kristallnacht“ genannt. Die Nazi-Machtbehörden wollten die Weltgemeinschaft davon überzeugen, dass angeblich nur die Schaufenster von jüdischen Läden dabei beschädigt worden waren. Die weniger romantische aber realistischere Bezeichnung lautet „Novemberpogromnacht“. Allerdings handelte es sich nicht lediglich um zerbrochenes Glas und Kristall. Heute ist es bekannt, dass die Pogromtäter sowie Mitglieder der „Hitler-Jugend“ im Laufe einer Nacht über 90 Menschen ermordeten. Mehrere Hunderte wurden verletzt, verstümmelt und erniedrigt. Rund 3500 Juden wurden festgenommen und in Konzentrationslagern inhaftiert. In derselben Nacht wurden 267 Synagogen, 7.500 Geschäfte sowie Hunderte Wohnungen der Juden zerstört. Der gesamte Schaden betrug 25 Millionen Reichsmark. Das war der Beginn des Holocaust. Kurz vor einem Jahrestag dieses tragischen Ereignisses veröffentlichen deutsche und israelische Massenmedien Erinnerungen derjenigen, die noch als Kind den Pogrom erlebt haben. Auch in diesem Jahr sind solche Erinnerungen erschienen. Hier sind ein Paar Abschnitte aus einer typischen Erinnerung, die in der Märkische Allgemeine Zeitung veröffentlich wurde. „Es war ein Schreckenstag für mich und meine Angehörigen, schreibt Paula Lewin aus der Stadt Putbus im Norden Deutschlands. An diesem Tage holte der Ortsgruppenleiter einen Schlägertrupp der SA aus Wittenberge. Sie kamen mit Beilen und anderen Schlagwerkzeugen. Sie schlitzten die Betten auf und zerschlugen das Geschirr. Meinem Vater schlug man den Kopf blutig. Sie wollten ihn zur Stepenitz fahren, um ihn ins Wasser zu werfen. Zum Glück brach unterwegs die Deichsel und man warf ihn auf die Straße“. „Je älter ich werde, desto intensiver sind meine Erinnerungen“, schreibt John Katten in der israelischen Zeitung Jerusalem Post. In Bamberg brannten die Nazis eine Synagoge nieder, in der sein Vater Gemeindevorsteher gewesen war. Menschen, die die damaligen Ereignisse erlebt haben, können sich daran noch ganz deutlich erinnern. Wie steht es aber mit der heutigen Generation Europas? Im Prinzip sei der 9. November aus dem Gedächtnis der Völker nicht verschwunden, meint Wladislaw Below, Leiter des Zentrums für germanische Studien des Europa-Institutes.

Der 9. November steht in einer Reihe mit anderen Verbrechen der Nazis. Was Deutschland, vor allem Westdeutschland, betrifft, hat dieses Land eine nötige Lehre gezogen. Dieser Tag wird dort allerdings vor allem mit dem Mauerfall in Verbindung gebracht. Doch die 30-er Jahre bleiben natürlich in Erinnerung.

Bei der Überwindung der Vergangenheit seien noch nicht alle Aufgaben erledigt worden, sagte Stephan Vopel, Projektleiter der Bertelsmann-Stiftung, in einem Gespräch mit der Stimme Russlands.

Ich würde sagen, dass die Lehre, wenn man das verallgemeinern kann, ist eine – es war nie wieder Holocaust, nie wieder Völkermord. Heute würde ich sagen, ist im Prinzip positiv wahrgenommen, die Forderung nach der Einhaltung universeller Menschenrechte. Und das ist eine Lehre, die den überwiegenden Teil der Menschen in allen europäischen Ländern verbindet. Und gleichzeitig haben wir auch in vielen Staaten Europas heute starke nationalistische Gruppierungen und Parteien. Und das ist eine Aufgabe, die zu erledigen ist.

In seinem Begrüßungstelegram bezüglich der Eröffnung des Museums für Toleranz in Moskau bezeichnete Wladimir Putin diese Veranstaltung als „sichtbare Verkörperung der Ideen von Dialog und Einverständnis zwischen verschiedenen Nationen, sowie von Respekt und gegenseitigem Verständnis zwischen den Völkern, die unterschiedliche Kulturen und Religionen haben“. Das ist eine weitere Lehre, die aus der Geschichte gezogen worden ist.

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