Russische Ausstellung im Museum „Auschwitz-Birkenau“ eröffnet

Russische Ausstellung im Museum

Am 27. Januar soll im Staatlichen Museum „Auschwitz-Birkenau“ im polnischen Oswiecim erneut die russische Exposition eröffnet werden. Das Datum ist dafür alles andere als zufällig gewählt worden: An diesem Tag des Jahres 1945 wurde das Vernichtungslager von Sowjetsoldaten befreit.

Mehr als 1,1 Millionen Menschen sind in Auschwitz – in einem Vernichtungslager, das speziell für die Vernichtung von „niederen Rassen“ und politischen Gegnern der Nazis errichtet worden war, umgekommen. Darunter waren rund 900.000 Juden, mindestens 140.000 Polen und etwa 23.000 Sinti und Roma. Auf dem Territorium des ehemaligen Vernichtungslagers funktioniert seit 1947 ein Museum, dort werden Forschungen betrieben, doch die genaue Zahl von Toten ist bisher nicht genau ermittelt worden.

Die meisten Häftlinge wurden gleich nach ihrer Ankunft in Gaskammern umgebracht. Niemand hielt ihre Zahl fest. Darunter befanden sich Greise, Kranke und rund 230.000 Kinder im Alter unter 16 Jahren. Laut Aussagen von Überlebenden wurden in Krematorien täglich rund 8.000 Leichen verbrannt. Züge mit Todgeweihten trafen aus über 30 Ländern ein.

Die restlichen Häftlinge wurden bei Zuchthausarbeiten eingesetzt. Es ist so gut wie niemandem gelungen, sie zu überleben. Sowjetsoldaten hätten im Lager lediglich 7.000 Personen vorgefunden, erzählt der Veteran Iwan Martynuschkin, der an der Befreiung des Lagers teilnahm:

„Ich sah schwarz gewordene Gesichter von Menschen, die sich in Decken oder in Kluftstücke hüllten. Es war sogar sehr schwierig, die Gesichter dieser Menschen zu sehen. Das einzige, was man da sehen konnte, waren die leuchtenden Augen, in denen die Freude über die Befreiung, die Freude darüber stand, dass nun mit dieser Hölle Schluss ist, dass sie frei sind und über sich selbst verfügen können.“

Ein Großteil der Häftlinge starb durch Prügel und Krankheiten. Täglich erhielten die Lagerinsassen 300 Gramm Brot und ein Liter dünne Suppe. Nach und nach verwandelten sie sich in „Muselmänner“, so hießen im Lagerjargon Menschen, die durch Hunger so weit gebracht wurden, dass sie wie mit Haut bespannte Skelette aussahen.

Ferner wurden im Lager medizinische Versuche an lebendigen Menschen durchgeführt: Man testete im Auftrag deutscher Pharmaunternehmen Arzneimittel und steckte Menschen zu diesem Zweck mit Malaria und Hepatitis an, Männer wurden kastriert und Frauen sterilisiert. Nazihenker kannten kein Erbarmen mit ihren Opfern. Doktor Mengele, der „Todesengel“, wie ihn Häftlinge nannten, erreichte den äußersten Grad an Grausamkeit. Unter anderem sezierte er lebendige Säuglinge.

Die Veranstalter der Exposition Russlands wollten, dass die Besucher sofort das ganze Grauen empfinden, das die Menschen, die sich im Lager befunden haben, erleben mussten, hob Olga Sokolowa, Hauptdirektorin des Museumszentrums der Republik des Staatlichen Historischen Museums:

„Wir möchten, dass der Mensch, sobald er hier eingetreten ist, gleich begreift: Er hat etwas Schreckliches vor sich. Eine Ausnahme bildet jener Teil der Exposition, der der Befreiung gewidmet ist. Dieser Punkt soll mehr oder weniger optimistisch sein.“

Im Museum „Auschwitz-Birkenau“ sind nationale Expositionen von acht Ländern – Polen, den Niederlanden, der Slowakei, Tschechien, Österreich, Ungarn, Frankreich und Belgien – vertreten. Ein Block ist dem Volk von Sinti und Roma gewidmet. Die letzten fünf Jahre blieb der russische Ausstellungsplatz geschlossen. Offiziell hieß es: „Zwecks Modernisierung“, in Wirklichkeit aber wegen politischer Differenzen.

Die Eröffnung der neuen Exposition lässt darauf hoffen, dass es endlich gelingen wird, die augenblicklichen Widersprüche zu vergessen und sich auf das Wichtigste, auf das ehrende Andenken an die Gefallenen, zu konzentrieren. Unter ihnen seien auch Zivilisten, die aus der UdSSR verschleppt worden waren, und rund 15.000 kriegsgefangene Rotarmisten gewesen, bemerkt Viktor Skrjabin, Stellvertreter des Direktors des Museums des Großen Vaterländischen Krieges:

„Die Aufgabe der Exposition besteht vor allem darin, das Wesen des Nazismus ein weiteres Mal zu unterstreichen. Zweitens kommt es darauf an, die Tragödie und den Mut hervorzuheben, dem Mut sowjetischer Bürger, der Militärangehörigen, die in diesem Lager waren, Tribut zu zollen. Drittens galt es, die Befreiungsrolle der Roten Armee zu unterstreichen.“

Oswiecim ist zwar das größte, jedoch nicht das einzige Vernichtungslager der Nazis. Auf dem Territorium des Dritten Reiches funktionierten zehn solche „Todesmaschinen“. Vier von ihnen haben sich in Polen befunden. Insgesamt sind dort im Rahmen „des Kampfes um die Reinheit der Rasse“ rund drei Millionen Personen vernichtet worden.

Quelle: «Stimme Russlands»

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