Vor 70 Jahren: Das Scheitern der deutschen Offensive bei Kursk

Der grundlegende Umschwung im Kriegsverlauf

l. Die Einkesselung und Vernichtung der Deutschen bei Stalingrad

Memorial auf dem Schlachtfeld Prokhorovka

Memorial auf dem Schlachtfeld Prokhorovka

In den frühen Morgenstunden des 19. November 1942 traten die sowjetischen Truppen der Südwestlichen, der Don- und der Stalingrader Front auf Befehl des Obersten Befehlshabers zu einem ungestümen Angriff in zwei Richtungen — nordwestlich und südlich von Stalingrad – an. Nachdem sie die Verteidigung des Gegners nordwestlich von Stalingrad in einer Breite von 30 km und südlich der Stadt in einer Breite von 20 km durchbrochen hatten, rückten die angreifenden Verbände gleich in den ersten drei Tagen um 60-70 km vor. Die Sowjettruppen zerschmetter-ten die Flanken des Gegners und schlossen am 23. November einen festen Ring um die deutsche 6. Armee und die 4. Panzerarmee. Die erste Aufgabe der Offensive war erfüllt.

Die Aufgabe der Vernichtung dieser gewaltigen eingekesselten Armeegruppe trat in den Vordergrund. Das war keine leichte Angelegenheit, erstens, weil es sich um viele Zehntausende voll kampffähiger Soldaten handelte, und zweitens, weil die deutschen Armeen nur einen Teil der Gesamtfront bildeten und durch andere Truppen entsetzt werden konnten.

Die Rote Armee hatte bereits Erfahrungen bei der Einkesselung von deutschen Truppen gesammelt. Anfang 1942 war bei Staraja Russa die 16. deutsche Armee eingekesselt worden. Aber es war den Deutschen gelungen, eine kleine Bresche zu schlagen und den erkämpften Brückenkopf zu halten. Andere deutsche Verbände, die sich in einer Entfernung von 20-30 km befanden, kamen der 16. deutschen Armee zu Hilfe. Um den Deutschen keine Möglichkeit zu geben, ein solches Manöver auch bei Stalingrad zu wiederholen, musste die deutsche Front um mindestens 100-150 km zurückgeworfen werden. Hitler versuchte in der Tat, den Ring der Umklammerung zu durchbrechen, zog bedeutende Panzerkräfte zusammen und setzte sie unter dem Befehl von Manstein bei Stalingrad ein, um von Paulus zu Hilfe zu kommen.

Gemäß dem Befehl von J. W. Stalin gingen die sowjetischen Truppen am mittleren Don zum Angriff über. Verbände der Südwestlichen und der Woronesher Front durchbrachen die Verteidigungsfront des Gegners im Abschnitt Nowaja Kalitwa— Monastyrschtschina und rückten gleich in den ersten vier Tagen um 50-90 km vor. Nachdem sie neun feindliche Infanteriedivisionen sowie eine Brigade zerschlagen und vier weiteren Infanteriedivisionen und einer Panzerdivision eine Niederlage bereitet hatten, warfen die sowjetischen Verbände beider Fronten die Deutschen um weitere 200 km zurück.

Gleichzeitig hielten die sowjetischen Verbände dem Ansturm der Manstein-Gruppe stand, die sich von Kotelnikowo aus nach Stalingrad durchzuschlagen versuchte. In zähen Abwehrkämpfen ließen sie den Feind verbluten und gingen, nachdem Verstärkungen eingetroffen waren, zum Angriff über. Die Manstein-Gruppe erlitt eine entscheidende Niederlage.

Jede Möglichkeit, die bei Stalingrad eingeschlossenen Truppen zu retten, war für das deutsche Oberkommando nunmehr ausgeschlossen. Die Versuche, die eingekesselte Armeegruppe mit Hilfe von Transportflugzeugen zu versorgen, wurden durch die sowjetische Luftwaffe und die Luftabwehr unterbunden.

Die Lage der bei Stalingrad eingekesselten Truppen des Generalfeldmarschalls Paulus wurde hoffnungslos. Durch den Vertreter des Hauptquartiers des Obersten Befehlshabers, Hauptmarschall der Artillerie Woronow, und durch den Befehlshaber der Truppen der Donfront, Marschall der Sowjetunion Rokossowskij, schlug das sowjetische Oberkommando den Deutschen vor, sich zu ergeben. Paulus lehnte ab. »Wenn der Feind sich nicht ergibt, wird er vernichtet«, so lautet das Gesetz der Roten Armee. In der Zeitspanne vom 10. Januar bis 2. Februar 1943 wurde diese Aufgabe mit der gleichen Meisterschaft wie die gesamte Stalingrader Operation durchgeführt. Zwei deutsche Elitearmeen, die 4. Panzerarmee und die 6. Armee, die über 330 000 Mann zählten, hörten auf zu existieren. Nur ein Drittel ihres Bestandes, etwa 91 000 Mann, blieben am Leben und gerieten in Gefangenschaft. Über 2500 Offiziere und 24 Generale mit Generalfeldmarschall Paulus an der Spitze wurden gefangen genommen. Die Rote Armee brachte riesige Beute ein.

Stalingrad

Die nach der Idee und unter der Führung Stalins durchgeführte Stalingrader Operation stellt ein unübertroffenes Vorbild der Kriegskunst dar. Die Kriegsgeschichte kennt keine ähnlichen Fälle der Einkesselung und Vernichtung einer riesigen Anzahl regulärer Truppen, die mit dem modernsten Kriegsmaterial mehr als reichlich ausgestattet waren.

Über 70 Jahre war die deutsche Militärclique von der Idee der Vernichtung feindlicher Armeen durch Einkesselung besessen. 216 Jahre vor Beginn unserer Zeitrechnung hatte der karthagische Feldherr Hannibal in der Schlacht bei Cannae das römische Heer eingeschlossen und fast völlig vernichtet. Seit jener Zeit wurde die Schlacht bei Cannae zum Vorbild einer Schlacht, bei der es einem der Gegner gelingt, die Truppen des anderen einzukesseln und zu vernichten. Die deutschen Kriegshistoriker, welche die Einkesselung und Vernichtung der gegnerischen Kräfte mit Recht für den höchsten strategischen Erfolg hielten, verfälschten die Wissenschaft, um in den Schlachten der Vergangenheit »deutsche Cannae« zu finden. Während des ersten imperialistischen Weltkrieges suchten die deutschen Generale in jeder Schlacht erfolglos ihr »Cannae«. Ein klassisches Beispiel einer Einkreisungs- und Vernichtungsoperation fanden sie bei Stalingrad. Aber das war ein »russisches Cannae«. Zum ersten Male in der Geschichte der Kriege und der Kriegskunst wurde eine derartige Anzahl feindlicher Truppen eingekesselt und vernichtet. Dabei vermochten bei Cannae einzelne römische Verbände aus der Einkesselung zu entweichen, bei Stalingrad dagegen entkam keiner.

Nach der Stalingrader Schlacht ging die Initiative bei den Kampfhandlungen in die Hände des sowjetischen Oberkommandos über. Im Jahre 1941 hatte die faschistische Armee, die damals über eine ganze Reihe von vorübergehenden Vorteilen verfügte, die Initiative 5 ½ Monate lang in ihren Händen gehalten. Im Jahre 1942 vermochte das Hitlerkommando, das, dank der fehlenden zweiten Front, alle seine Reserven an die sowjetische Front werfen konnte, nur drei Monate lang die Initiative an sich zu reißen. Wenn man sogar das Vorrücken der deutschen Truppen in einzelnen Abschnitten des Nordkaukasus mitrechnet, befand sich die Initiative 4 1/2 Monate lang in ihren Händen. Die Rote Armee dagegen, die bei Stalingrad die Initiative ergriff, ließ sich diese bis zum Kriegsende nicht mehr entreißen.

Die Stalingrader Schlacht bedeutete einen grundlegenden Umschwung im ganzen Verlauf des Großen Vaterländischen Krieges. Sie kündete den Untergang der deutsch-faschistischen Armee an.

Der heroische Kampf des Sowjetvolkes im Rücken des Feindes half der Roten Armee den Sieg bei Stalingrad zu erringen,

Durch furchtbare Bestialitäten versuchten die Hitlerleute, den Geist des Sowjetvolkes zu brechen, ihm seinen Widerstandswillen zu rauben und es in gehorsame Sklaven zu verwandeln. Aber den Faschisten gelang es nicht, die Sowjetmenschen einzuschüchtern…

Die Rächer des Volkes richteten ihre Schläge gegen die verwundbarsten Stellen des Feindes, zerstörten sein Nachschubsystem und zwangen ihn, seine Kräfte zu zersplittern. Die Hitlerleute verspürten am eigenen Leibe die unheimliche Wirkung des Vernichtungskrieges des Volkes, der im engen Zusammenwirken mit den Operationen der regulären Roten Armee geführt wurde.Katjuscha

2. Der Beginn der Massenvertreibung der faschistischen Eindringlinge aus der Sowjetunion

In den Tagen, da die Vernichtung der bei Stalingrad eingekesselten deutschen Truppen vollendet wurde, trat die Rote Armee auf einer riesigen Front zum Angriff an. Dem Feind wurde zunächst südlich von Woronesh und später westlich von dieser Stadt eine vernichtende Niederlage beigebracht, wobei zusammen mit den deutschen auch italienische und rumänische Divisionen zerschlagen wurden.

Im Januar und Februar 1943 befreite die Rote Armee Stawropol, Salsk, Armawir, Majkop, Krasnodar, Nowotscherkassk und Rostow am Don. In den Händen der Deutschen verblieb im Kaukasus nur ein kleines Gebiet auf der Taman-Halbinsel.

Am 8. Februar wurde Kursk genommen, am 9. Bjelgorod, am 16. Februar Charkow. Beim Verlassen von Charkow zerstörten die Hitlerleute die Stadt. Die schönsten und wichtigsten Gebäude, die Brücken und Werke wurden gesprengt und niedergebrannt. Darauf wurde die Stadt einem heftigen Luftangriff ausgesetzt, bei dem Tausende von Einwohnern umkamen. Die Sowjettruppen erreichten den Dnjepr.

Im Januar 1943 durchbrachen die Truppen der Leningrader und der Wolchow-Front die Blockade von Leningrad. Das war ein großer Sieg der Verteidiger der Stadt Lenins. Die Ernährungslage der Stadt verbesserte sich schnell. Ihre militärische Lage wurde stabiler.

Anfang März verbreiterte sich die Front der Offensive der sowjetischen Truppen: die Truppen der Nordwestlichen Front traten zum Angriff gegen die 16. deutsche Armee an. Innerhalb von acht Tagen wurde der sogenannte Brückenkopf von Demjansk beseitigt. Die Stadt Demjansk, die Rayonszentren Lytschkowo, Salutschje und 299 Ortschaften wurden befreit.

In der ersten Hälfte des Monats März wurden die Deutschen aus Rshew, Gshatsk, Sytschewka und Wjasma vertrieben. Die Frontlinie rückte von Moskau nach dem Westen zurück. Die Faschisten haben die altrussischen Städte Rshew und Wjasma völlig zerstört. An ihrer Stelle blieben nur Trümmerhaufen zurück.

Das hitlersche Oberkommando, das an verschiedenen Fronten, die oftmals Hunderte von Kilometern voneinander entfernt waren, Schlag auf Schlag hinnehmen musste, vermochte nicht festzustellen, woher die Hauptschläge kamen und wo es die Reserven zusammenziehen sollte. Hitler trieb seine Soldaten nach Woronesh, aber unterwegs wurden sie nach Welikije Luki umdirigiert. Soldaten, die nach Kotelnikowo eilten, fanden ihr Grab bei Woronesh. Allein während der drei Monate der Winteroffensive haben die Sowjettruppen 112 gegnerische Divisionen zerschlagen.

In den Kämpfen gegen die Eindringlinge zeigten die Soldaten und Kommandeure der Roten Armee außergewöhnlichen Heroismus…

Die Hitlerleute erlitten schwere Niederlagen, leisteten aber erbitterten Widerstand. Sie unternahmen einen verzweifelten Versuch, die hereinbrechende Katastrophe von ihrer Armee abzuwenden. Ende Februar 1943 konzentrierte die deutsch-faschistische Führung an einem schmalen Frontabschnitt 25 Divisionen, darunter 12 Panzerdivisionen, und unternahm einen Gegenangriff im Raum Donezbecken-Charkow. Das Hitlerkommando versuchte für seine Niederlage bei Stalingrad mit der gleichen Münze heimzuzahlen und die Sowjettruppen bei Charkow einzuschließen. Die vorgeschobenen sowjetischen Verbände zogen sich auf Befehl des Sowjetkommandos rechtzeitig auf den Nördlichen Donez zurück. Charkow und Bjelgorod wurden geräumt. Der von Hitler ausgeheckte Plan misslang, und dem weiteren Vorrücken der deutschen Truppen wurde bald Einhalt geboten. In gleicher Weise scheiterte der Versuch einer deutschen Offensive im Raum von Orel.

Bis April 1943 hatte die Rote Armee die Winteroffensive auf einer 1500 km langen Front in glänzender Weise abgeschlossen. An einigen Frontabschnitten wurden die deutschen Truppen um 600-700 km zurückgeworfen. Ein riesiges Territorium von fast 1,5 Millionen Quadratkilometern war von den Faschisten gesäubert worden. Es wurden nicht nur alle Ergebnisse der Hitleroffensive des Jahres 1942 zunichte gemacht, sondern auch Gebiete befreit, die von den Deutschen bereits zu Beginn des Krieges erobert worden waren. Es begann die Massenvertreibung des Feindes aus dem Sowjetlande.

Im Verlauf der Winterkämpfe hat die Rote Armee die besten Stammdivisionen des Gegners vernichtet. Allein an Gefallenen verloren die Deutschen 850 000 Mann, während über 343 000 Soldaten und Offiziere des Gegners gefangen genommen wurden. Eine gewaltige Anzahl von Panzern, Flugzeugen, Kanonen und Kraftwagen wurden vernichtet oder erbeutet.

Durch heldenmütige Anstrengungen der sowjetischen Streitkräfte und des gesamten Sowjetvolkes wurde der zunächst ungünstige Verlauf der Ereignisse in eine für das sowjetische Volk günstige Richtung gewendet. Wie ist es dazu gekommen?

Im Verlauf des Großen Vaterländischen Krieges war die Kampfkraft der Roten Armee gewachsen. Sie wurde zu einer erprobten Armee, d. h. Millionen sowjetischer Kämpfer hatten die meisterhafte Beherrschung der Waffen erlernt, die ihnen das Land lieferte. Zehntausende von Kommandeuren hatten gelernt, persönliche Kühnheit mit der Kunst zu vereinen, die Truppen auf dem Schlachtfelde zu führen. Die Rote Armee hat es gelernt, »den Feind unfehlbar zu schlagen unter Berücksichtigung seiner schwachen und starken Seiten, wie es die moderne Kriegswissenschaft fordert« (Stalin). Die militärischen Erfolge der Roten Armee stellten ferner das Ergebnis der gewaltigen Arbeit im Hinterland dar, die von dem gesamten Sowjetvolk unter der Führung der kommunistischen Partei geleistet wurde. Es wurde eine Rüstungswirtschaft organisiert, die immer mehr Waffen lieferte. In seinem Befehl vom 23. Februar 1943 schrieb Stalin: »Es handelt sich darum, dass das faschistische Deutschland seine Kräfte immer mehr erschöpft und schwächer wird, während die Sowjetunion ihre Reserven immer mehr entfaltet und stärker wird. Die Zeit arbeitet gegen das faschistische Deutschland.«

Die Veränderung der Lage an der sowjetisch-deutschen Front hatte eine enorme internationale Bedeutung. Die Fesselung der deutschen Hauptkräfte im Osten machte es den Alliierten möglich, große Landungsoperationen in Nordafrika durchzuführen und die italienisch-deutschen Truppen in Libyen und Tripolitanien zu schlagen. Die alliierten Truppen zerschlugen die feindlichen Kräfte im Raum von Tunis; im Mai 1943 wurden die italienisch-deutschen Truppen endgültig aus Afrika vertrieben. Die Versuche der Faschisten, Ägypten zu erobern und sich den Weg nach dem Osten, zum Suezkanal, zu bahnen, waren gescheitert. Gleichzeitig verstärkte die anglo-amerikanische Luftwaffe ihre Schläge gegen die Rüstungszentren Deutschlands und Italiens.

»Somit ist der Schlag gegen den Feind vom Osten her, von seiten der Roten Armee«, so betonte Stalin, »zum erstenmal während des Krieges mit dem Schlag vom Westen her, von Seiten der Truppen unserer Verbündeten, zu einem einheitlichen, gemeinsamen Schlag verschmolzen. Alle diese Umstände zusammengenommen, haben die hitlerische Kriegsmaschine bis auf den Grund erschüttert, dem Weltkrieg einen anderen Verlauf gegeben und die notwendigen Voraussetzungen für den Sieg über Hitlerdeutschland geschaffen.«

Mahnmal an die Schlacht im Kursker Bogen - Zerstörter Panzer der deutsch-faschistischen Verbände.

Mahnmal an die Schlacht im Kursker Bogen – Zerstörter Panzer der deutsch-faschistischen Verbände.

3. Das Scheitern der deutschen Offensive bei Kursk

Dieser Sieg war jedoch noch zu erringen. Eine weitere Anspannung der Kräfte des sowjetischen Hinterlandes war notwendig; die Rote Armee musste noch weitere vernichtende Schläge gegen den Feind führen; die Alliierten mussten die Kampfhandlungen auf dem europäischen Kontinent eröffnen. J. W. Stalin wies im Frühjahr 1943 das sowjetische Volk warnend darauf hin, dass das faschistische Deutschland zwar eine Krise durchmache, dass der Feind aber noch nicht besiegt sei; um ihn endgültig zu zerschlagen, müssten alle Kräfte des Volkes mobilisiert werden.

Im Frühjahr 1943 trat im Verlauf der Kampfhandlungen eine vorübergehende Atempause ein. Sie dauerte etwa 100 Tage. Im Laufe dieser Zeit rüsteten sich beide Parteien zu dem entscheidenden Waffengang. Nur am Kuban entspannen sich erbitterte Kämpfe. Die Deutschen zogen hier etwa 2000 Flugzeuge zusammen und versuchten, mit deren Hilfe ihren Brückenkopf zu erweitern, stießen aber auf erbitterte Abwehr der sowjetischen Luftwaffe, die sich die Luftherrschaft erkämpft hatte. Die deutsche Luftwaffe erlitt hier riesige Verluste.

Bei den Luftkämpfen an der Kubanfront zeichnete sich der hervorragende Jagdflieger Major A. I. Pokryschkin, Oberst und dreifacher Held der Sowjetunion, aus. Allein an der Kubanfront schoss er einige Dutzende feindlicher Flugzeuge ab. Zusammen mit Pokryschkin kämpften die Helden der Sowjetunion Gebrüder Glinka und Retschkalow.

Der deutsche Versuch, die Luftherrschaft im Frontabschnitt Kursk zu erringen, war ebenfalls zum Scheitern verurteilt. Die Deutschen verloren Hunderte von Flugzeugen, ohne irgend etwas zu erreichen.

Trotz der gewaltigen Verluste bereiteten sich die Deutschen fieberhaft zu einer neuen Großoffensive vor. Die militärische, wirtschaftliche und politische Lage des faschistischen Deutschlands hatte sich bis zum Sommer 1943 wesentlich verschlechtert. Trotz der 8 Millionen ausländischer Arbeiter verspürten die Industriebetriebe und insbesondere die Ruhrkohlengruben einen akuten Mangel an Arbeitskräften. Die ungarischen, rumänischen und anderen Hitlervasallen schickten bereits nicht mehr so gern wie früher Truppen, um die geschlagenen Armeen aufzufüllen. Mussolini forderte sogar eine verstärkte deutsche Hilfe, um Italien gegen die Alliierten zu verteidigen.

Um die Verluste seiner Armee aufzufüllen, verkündete Hitler Ende Januar 1943 eine neue »totale Mobilmachung«, die sich bis in den Sommer hinein erstreckte. Durch die »totale Mobilmachung« wurden alle Männer von 16 bis 65 Jahren und alle Frauen von 17-45 Jahren erfasst. Tausende von Betrieben, Ämtern, Läden und Gaststätten wurden geschlossen. Die Mobilmachung erstreckte sich auch auf die Vasallen und auf die besetzten Länder. Das war eine durchgreifende Auskämmung des Hinterlandes, ein Zusammenraffen aller Reserven für eine neue Offensive gegen die Sowjetunion.

Durch diese Maßnahmen vermochte das hitlerische Oberkommando bis zum Sommer 1943 die Zahl seiner Divisionen auf 257 zu bringen, an Stelle der 240, die im Vorjahr an der sowjetisch-deutschen Front gekämpft hatten.

Die gesamte Industrie Europas arbeitete für die Bewaffnung der deutschen Armee. Es wurden der schwere Tigerpanzer (T 6) und das Sturmgeschütz »Ferdinand« herausgebracht.

Zu Beginn des Sommers 1943 hatte das Hitlerkommando die Vorbereitung zu einer neuen Sommeroffensive abgeschlossen. Es bezeichnete diese großtuerisch als eine Operation, die den Ausgang des Krieges entscheiden würde. Für ihre Offensive hatten sich die Deutschen den sogenannten Frontbogen von Kursk ausgewählt, der als Folge der Winteroffensive der Roten Armee entstanden war. Südlich des Bogens hielten die Deutschen die Stadt Bjelgorod in ihrem Besitz. Im Norden des Frontbogens von Kursk schloss sich der befestigte deutsche Aufmarschraum Orel—Brjansk an. Er stellte gleichsam einen Dolch dar, der mit seiner Spitze gegen Moskau gerichtet war: hier war der Feind der sowjetischen Hauptstadt am nächsten.

Der Frontbogen von Kursk, der tief in die Frontlinie der Deutschen vorsprang, hatte auch für die Angriffsoperationen der Roten Armee eine außerordentlich große Bedeutung. Er bedrohte die Deutschen in Bjelgorod, Charkow und Orel. Von dem Frontbogen aus führte der bequemste Weg zum Mittelpunkt der Ukraine – nach Tschernigow, Poltawa und Kiew. Das sowjetische Oberkommando hatte die Bedeutung dieses Aufmarschraums für die zukünftigen Kämpfe richtig eingeschätzt und die notwendigen Maßnahmen zur Verteidigung dieser Frontabschnitte getroffen.

Die Deutschen rechneten darauf, durch einen Stoß von zwei Seiten – von Orel aus nach Süden und von Bjelgorod aus nach Norden — die im Frontbogen von Kursk konzentrierten Sowjettruppen einzukesseln und zu vernichten, um dann gegen Moskau vorzustoßen. Zur Durchführung dieses Planes zogen die Deutschen insgesamt 17 Panzer-, 3 motorisierte und 18 Infanteriedivisionen zusammen. Hier wurden von den Deutschen über 3000 Panzer, 6000 Geschütze und etwa 2000 Flugzeuge eingesetzt. Niemals und nirgends wurde soviel Kriegsmaterial auf einem so schmalen Frontabschnitt — in einer Breite von 40 km im Norden und von 80 km im Süden – eingesetzt.

Im Morgengrauen des 5. Juli 1943 traten die Deutschen zum Angriff an. Das war für die sowjetische Armee keine Überraschung. Das Sowjetkommando war über die deutschen Absichten rechtzeitig informiert. Im Raum des vermuteten deutschen Angriffes waren stärkere Kräfte der sowjetischen Artillerie, Infanterie, Panzer und Luftwaffe zusammengezogen. Indem es die Angaben der Aufklärung ausnutzte, gelang es dem sowjetischen Kommando, in einigen Abschnitten dem Gegner zuvorzukommen. Hier wurden die feindlichen Stellungen, noch bevor die Artillerievorbereitung der Deutschen begann, unter Geschützfeuer genommen, wodurch der Angriff um einige Stunden verzögert wurde.

Bald darauf entspannen sich längs der ganzen Frontlinie erbitterte Kämpfe.

An den Luftkämpfen über dem Frontvorsprung von Kursk nahmen von beiden Seiten Tausende von Flugzeugen teil.

Die deutschen Panzer griffen in Kolonnen an. An der Spitze rückten die »Tiger« vor, an den Flanken die »Ferdinande« und in der Mitte die leichteren Kampfwagen. Eine sowjetische mechanisierte Brigade, die ihre Panzer eingegraben hatte, fing am 6. Juli den Stoß von 220 Panzern auf, deren Operationen von massierten Luftangriffen unterstützt wurden. Eine sowjetische Schützendivision setzte in einem sechsstündigen Kampf 74 deutsche Panzer außer Gefecht.

Nach vier Tagen ununterbrochener Angriffe waren die Deutschen im nördlichen Abschnitt nur 10—12 km vorgerückt. Es war ihnen nicht gelungen, die sowjetische Front zu durchbrechen. Die Rote Armee schuf eine tief gestaffelte Verteidigungsstellung, d.h. mehrere Verteidigungsgürtel. Das sowjetische Kommando warf neue starke Reserven in den Kampf. Die Artillerie vernichtete erfolgreich die durchgebrochenen »Tiger« und »Ferdinande«. Die sowjetischen Panzerkräfte führten wirkungsvolle Gegenschläge gegen die Panzerverbände des Gegners durch.

Die ergebnislosen Angriffe zwangen das Hitlerkommando, seine Reserven zu verbrauchen. Nördlich von Kursk wurden die Deutschen in die Verteidigung gedrängt.

Schlacht von Kursk, Süd-Sektor.

Schlacht von Kursk, Süd-Sektor.

Mit einer noch größeren Erbitterung wurden die Kämpfe im Südabschnitt, längs der Landstraße Bjelgorod-Obojan, geführt. Allein am ersten Tage verloren die Deutschen hier 200 Panzer und 180 Flugzeuge. Alle Versuche der Deutschen, die Front bei Prochorowka zu durchbrechen, misslangen. Sie erlitten große Verluste an Menschen und Material, ihre Reserven gingen zur Neige. Die deutsche Führung wurde gezwungen, auch hier zur Defensive überzugehen. Gleich darauf führten die Sowjettruppen einen mächtigen Gegenschlag und hatten am 17. Juli in Richtung auf Orel und am 23. Juli in Richtung auf Bjelgorod die Ausgangslage wiederhergestellt. Der Plan der deutschen Offensive brach zusammen. Die sowjetische Verteidigung erwies sich als der deutschen Offensive überlegen. Am 24. Juli 1943 beglückwünschte der Oberste Befehlshaber die Truppen zu dem Fiasko der deutschen Sommeroffensive.

Auszüge aus dem sowjetischen Buch Der große Vaterländische Krieg der Sowjetunion, dass 1947 im SWA-Verlag/Berlin als 4. Band in der Reihe “Das Sowjetland” erschienen ist.

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