Kursker Bogen: Kampf der Titanen

Курская дуга.1943 годRund zwei Millionen Soldaten, 6.000 Panzer, 4.000 Kampfflugzeuge – das Ende der Schlacht bei Kursk jährt sich am 23. August zum 70. Mal. Jene Schlacht hat eine entscheidende Wende im Zweiten Weltkrieg markiert.

Die Feierlichkeiten anlässlich des 70. Jahrestages der Schlacht bei Kursk finden derzeit in ganz Russland statt. Historiker streiten bis heute, wer jene Schlacht eigentlich gewonnen hat. Formell behielten die Deutschen die Kontrolle über den Schauplatz, ein Feld nahe der Ortschaft Prochorowka. Der Kampf war jedoch ein entscheidender Wendepunkt im Krieg.

Nach der Schlacht von Stalingrad hatten die Hitler-Truppen „ihre Wunden geleckt“. Im Frühjahr 1943 gelang es ihnen, die kürzlich von der Roten Armee befreite Stadt Charkow wieder zu erkämpfen. Zu einer intensiveren Offensive waren die Deutschen jedoch zu jenem Zeitpunkt nicht fähig.

Die sowjetischen Truppen mussten nach Stalingrad ihre Bestände erneuern und neue Militärtechnik in Dienst stellen. Sie bereiteten sich auf die Sommer-Kampagne vor.

Der deutsche Plan bestand darin, die in einem Frontvorsprung, dem so genannten Kursker Bogen, versammelten sowjetischen Truppen von ihrer Hauptfront abzuschneiden und einzukesseln. Der deutsche Deckname für die Operation war Unternehmen Zitadelle. Die Idee gehörte dem Befehlshaber der Heeresgruppe Süd, Generalfeldmarschall Erich von Manstein.

Die sowjetische Militärführung gelangte auch zum Schluss, dass ausgerechnet die Kursk-Richtung im Sommer am wichtigsten sein wird. Man musste sich auf den deutschen Vorstoß gefasst machen, um danach eine Offensive zu starten.

Die Militärspitze in Moskau hat sich allerdings etwas geirrt. Sie ging davon aus, dass sich der deutsche Vorstoß vor allem gegen die sowjetische Zentralfront unter dem Kommando von General Konstantin Rokossowski richten würde. Die südlicher platzierte Woronescher Front von General Nikolai Watutin spiele eine zweitrangige Rolle, so die damalige Prognose. Hinten wurde außerdem die Steppenfront von Generaloberst Iwan Konew als Reserve gebildet.

Die Schlacht begann am 5. Juli – und es stellte sich schnell heraus, dass die Deutschen ihre Truppen vor allem südlich konzentriert hatten. Die Einheiten der sowjetischen Woronescher Front leisteten erbitterten Widerstand, um Zeit für eine Umgruppierung zu gewinnen. Sie mussten sich mancherorts jedoch zurückziehen – bis zu 35 Kilometer. Die Deutschen erhöhten den Druck.

Am 12. Juli schickte Watutin die ihm untergeordnete 5. Garde-Panzerarmee von General Rotmistrow in den Kampf. Elite-Panzereinheiten der Waffen-SS und die sowjetischen Garde-Panzersoldaten trafen bei Prochorowka direkt aufeinander. Mehr als 1.000 Panzer kamen auf beiden Seiten zum Einsatz. Die Verluste waren riesig. Der russische Kriegshistoriker Wassili Schurachow kommentiert:

„Stalin dachte: Was ist, wenn die Truppen von Watutin nicht standhalten? Gegen ihn kämpften ja die deutschen Elite-Panzerdivisionen wie ‚Totenkopf‘, ‚Großdeutschland‘ und ‚Leibstandarte Adolf Hitler‘. Wenn man sie nicht stoppen kann, soll die Steppenfront eingreifen. Diese Front spielte quasi eine Doppelrolle. Wäre den Deutschen ein Durchbruch gelungen, hätte die Steppenfront diesen Vorstoß dämpfen müssen. Doch Watutin hielt stand und konnte sogar eine Gegenoffensive starten. Deshalb kam die Steppenfront ihm zur Hilfe. Sie verfügte über frische Kräfte und starke Militärtechnik“.

Die Hitler-Truppen begannen mit dem Rückzug und verzichteten auf ihren geplanten Vorstoß Richtung Kursk. Seitdem begann die sowjetische Offensivphase des Krieges. Nach der Befreiung von Belgorod und Charkow wurde erstmals eine Sieges-Ehrensalve in Moskau abgegeben. Für viele Soldaten war das eine Überraschung. Der ehemalige Flugzeugmechaniker Nikolai Sologub, der an der Schlacht bei Kursk teilnahm, berichtet:

„Am Flugzeug gab es ein Funkgerät. Wir hörten im Radio, bald komme eine wichtige Nachricht von der Regierung. Diese Ankündigung wurde mehrmals wiederholt. Wir spekulierten, worum es geht – vielleicht haben die Deutschen einen Kampfstoff eingesetzt. Es stellte sich jedoch heraus, dass der Oberbefehlshaber über die erste Ehrensalve informierte“.

Nach der Schlacht bei Kursk verloren die sowjetischen Truppen nicht mehr die strategische Initiative. Offiziell gilt der 23. August als letzter Tag jener Schlacht. Sie hat also 49 Tage gedauert (der Große Vaterländische Krieg war insgesamt 1418 Tage lang). Im September 1943 erreichten die Einheiten der Woronescher Front den Fluss Dnjepr. Am 6. November wurde die ukrainische Hauptstadt Kiew befreit.

Am 12. Juli 2013 hat der russische Präsident Wladimir Putin die Ortschaft Prochorowka besucht. Am 23. August kommt Regierungschef Dmitri Medwedjew nach Kursk, um an den Feierlichkeiten teilzunehmen.

Aleksander Watutin
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