Der zweite Schlag zur Vertreibung der deutschen Truppen aus der Sowjetunion: Die Befreiung der Ukraine rechts des Dnjepr

"Tod den deutschen faschistischen Banditen" - Plakat, Sowjetunion, 1944.

„Tod den deutschen faschistischen Banditen“ – Sowjetunion, 1944.

Die Siegessalute zu Ehren der Leningrader Truppen waren noch nicht verhallt, als Moskau bereits in Tausenden von bunten Lichtern erstrahlte anläßlich der Siege, die von der 1., 2. und 3. Ukrainischen Front errungen wurden. Das war der zweite von den Schlägen der Roten Armee gegen den Feind im Jahre 1944.

Anfang Januar 1944 rückten die sowjetischen Armeen auf einer Riesenfront von Finnland bis Cherson vor, die feind­liche Front zersplitternd sowie Men-schen und Kriegsmaterial des Feindes vernichtend. Am 8. Januar 1944 wurde die Ge­bietshauptstadt Kiro-wograd befreit und nördlich davon fünf deutsche Divisionen vernichtet. Die Spitze des Keils, der von den Truppen Watutins hineingetrieben wurde, erreichte bereits Rowno und Luzk, die am 5. Februar eingenommen wurden. Die deutsche Front war aufgespalten. Die Truppen in Polessje waren von der ukrainischen Kräftegruppe ab­geschnitten. Vom Norden und Nordwesten her bedrohten die sowjetischen Truppen die gesamte südliche Heeres­gruppe des Feindes. Das hitlerische Oberkommando war außerstande, dieser Offensive entgegenzutreten.

Ein weiteres Vorrücken der Sowjettruppen gegen den Westen erforderte, daß die Flanken der Truppen der 1. und 2. Ukrainischen Front gesichert wurden. Diese Fronten waren durch den deutschen Frontvorsprung zwischen Bjelaja Zerkow und Kirowograd getrennt. Die Deutschen klammer­ten sich noch stellenweise an das Dnjeprufer. Das Ober­kommando der sowjetischen Truppen beschloß, auch diesen Frontvorsprung zu beseitigen.

Diese Operation wurde in glänzender Weise durchgeführt. Ende Januar 1944 durchbrachen die Truppen beider Fron­ten, die aus den Räumen von Kirowograd und Bjelaja Zerkow zum Angriff angetreten waren, die deutsche Verteidigung und vereinigten sich. Im Raum von Korssunj-Schewtschenkowskij wurde am 3. Februar die 8. deutsche Armee in Stärke von 10 Divisionen, und einer Brigade eingekesselt. Das Sowjetkommando forderte die Eingekesselten auf, sich zu ergeben, aber Hitler befahl seinen Truppen, durchzuhal­ten, wobei er ihnen Hilfe in Aussicht stellte. In der Tat versuchten 8 Panzerdivisionen, von 600 Bombern unterstützt, die sowjetische Front südlich von Swenigorodka zu durch­brechen, um die eingekesselten Truppen zu befreien. Aber das gelang ihnen nicht. Die deutsche Kräftegruppe, die zum Entsatz der eingekesselten Teile herbeieilte, wurde ge­schlagen und ihre Überreste nach dem Westen zurück­geworfen. 20000 deutsche Gefallene sowie Hunderte von vernichteten Panzern, Geschützen und Flugzeugen blieben auf dem Schlachtfelde zurück. Die sowjetische Front rückte weiter nach dem Westen vor. Die eingekesselten deutschen Divisionen blieben weit im Rücken zurück. Der Ring wurde immer enger. Da die deutschen Truppen sich weigerten, zu kapitulieren, wurde ihre Vernichtung in Angriff genommen. Am 18. Februar 1944 meldete das Sowjetische Nachrichten­büro die völlige Liquidierung der im Raum von Korssunj-Schewtschenkowskij eingekesselten deutschen Kräftegruppe.Unter den 55000 gefallenen deutschen Soldaten und Offi­zieren war auch der Oberbefehlshaber dieser Gruppe. 11000 Mann gaben sich gefangen. In seinem Befehl vom 23. Februar 1944 schrieb Stalin: »Durch Einkesselung und Vernichtung von 10 deutschen Divisionen und einer Brigade im Raum von Krossunj-Schewtschenkowskij bereiteten die Sowjettruppen den Deutschen rechts des Dnjepr ein neues Stalingrad.«

 Marschall der Sowjetunion Iwan Stepanowitsch Konew

Marschall der Sowjetunion Iwan Stepanowitsch Konew

Das war ein neuer glänzender Sieg der sowjetischen Waf­fen. Die Operation zur Liquidierung der im Raum von Korssunj-Schewtschenkowskij eingekesselten deutschen Trup­pen wurde von dem Befehlshaber der 2. Ukrainischen Front Konjew geleitet, dem am 20. Februar 1944 der Titel eines Marschalls der Sowjetunion verliehen wurde.

Anfang Februar 1944 gingen auch die anderen Fronten in der Ukraine am Unterlauf des Dnjepr zum Angriff über. Während dieser Offensive rückten die Truppen der 3. Ukrai­nischen Front um 45-60 km vor und erweiterten den Durch­bruch bis auf 170 Kilometer. Sie besetzten die Eisenbahn­stationen Apostolowo und Marganez und schnitten die Rück­zugswege der deutschen Nikopolgruppe ab, während sie Nikopol, das wichtige Industriezentrum der Ukraine, am 8. Februar 1944 befreiten. Die Manganerze von Nikopol wurden dadurch dem Lande wiedergegeben. Die Truppen der 4. Ukrainischen Front vernichteten im Laufe von vier Tagen der Offensive die deutschen Truppen links des Dnjepr, die aus sieben Divisionen bestanden, und beseitigten den letzten deutschen Brückenkopf am linken Dnjeprufer, der sich über eine 120 Kilometer lange Frontlinie erstreckte.

In dem Befehl des Obersten Befehlshabers vom 23. Fe­bruar 1944 wurde die Bilanz der dreimonatigen Winteroffen­sive der Roten Armee gezogen, welche die gesamte Ver­teidigungslinie des Feindes längs des Dnjepr von Shlobin bis Cherson aufbrach. Dadurch »warf sie die Spekulationen der Deutschen über den Haufen, die darauf ausgingen, an der sowjetisch-deutschen Front mit Erfolg einen langwierigen Verteidigungskrieg zu führen«. (Stalin.)

Durch die Befreiung wichtiger Industrie- und Agrargebiete von den deutschen Eindringlingen wuchs die militärische und wirtschaftliche Macht der Sowjetunion.

Nachdem sie im Herbst 1943 und im Winter 1943/44 eine schwere Niederlage in der Ukraine erlitten hatten, setz­ten die Deutschen ihre Hoffnungen auf das Frühjahr und auf die schlechten Wegeverhältnisse und rechneten damit, daß die aufgeweichten Straßen die Offensive der Roten Armee aufhalten, ihnen eine Atempause verschaffen und die Möglichkeit zur Umgruppierung ihrer Kräfte bieten wür­den. Diese Spekulationen gingen fehl. Gerade bei schlechten Wegeverhältnissen, als die Straßen sich mit einer dicken, zähen Schlammschicht bedeckten, unternahm die Rote Armee eine neue riesige Offensive.

Am 4. März durchbrachen die Truppen der 1. Ukrainischen Front die starke deutsche Verteidigungsstellung südlich von Schepetowka in einer Rreite von 180 Kilometern und ström­ten nach dem Südwesten.

Durch eine dichte Feuerwand der Artillerie gedeckt, rück­ten Panzer und Infanterie im raschen Tempo vor. Die Maschinen versanken in der fetten ukrainischen Schwarzerde, aber das konnte die sowjetischen Krieger nicht aufhalten. Die Deutschen konnten sich nicht so rasch zurückziehen. Es wurden große und kleine Kessel gebildet, in denen eine Un­menge Menschen und Material des Gegners vernichtet wurde.

Im Laufe weniger Tage zerschlugen die sowjetischen Trup­pen vier Panzer- und acht Infanteriedivisionen der Deutschen und eroberten die Städte Isjaslawl, Schumsk, Jampol, Ostropol, Starokonstantinow.

Nach den Truppen der 1. Ukrainischen Front traten auch die Truppen der 3. Ukrainischen Front zum Angriff an. Sie durchbrachen den stark befestigten Verteidigungsgürtel der Deutschen auf dem Westufer des Ingulezflusses. Die sowjetische Kavallerie und Panzer trieben einen Keil tief in die Stellungen der deutschen Truppen hinein, versetzten ihnen heftige Schläge und zwangen sie zu einem eiligen Rückzug. Gleichzeitig nahmen auch die Truppen der 2. Ukrainischen Front den Angriff wieder auf. Sie brachen die starke Verteidigung der Deutschen auf, rückten vor und befreiten die Stadt Uman sowie viele andere Städte und Ortschaften. Die Deutschen fluteten zurück.

Verbissene Kämpfe wurden am Unterlauf des Dnjepr ge­führt. Truppen der 3. Ukrainischen Front überquerten den Unterlauf des Flusses, besetzten die Stadt Berislaw und erschienen im Rücken der Deutschen. Der Gegner flüchtete panikartig. Die Truppen der Front folgten ihm auf den Fer­sen, drangen am 13. März in Cherson ein und säuberten in Straßenkämpfen diesen wichtigen Knotenpunkt der Eisen­bahn- und Wasserwege, den wichtigen Stützpunkt der deut­schen Verteidigung an der Dnjeprmündung.

In den Kämpfen vom 6. bis zum 16. März zerschlugen die Truppen der Front die 6. deutsche Armee, die vom Hitler­kommando neu aufgestellt worden war (bekanntlich war die 6. Armee von Paulus bei Stalingrad vernichtet worden), 10 Di­visionen, darunter l Panzerdivision, hörten auf zu bestehen. Anderen 11 Divisionen wurden schwere Verluste zugefügt. Die Deutschen büßten ungeheure Mengen an Kriegs­material ein. Auf den Schlachtfeldern blieben 36800 ge­fallene deutsche Soldaten und Offiziere, etwa 14000 Deutsche gerieten in Gefangenschaft.

Am 26. März trat ein bemerkenswertes Ereignis ein. Die Truppen der 2. Ukrainischen Front erreichten bei ihrer Offensive die sowjetische Staatsgrenze, den Fluß Pruth, in einer Front von 85 km Breite.

Das waren die ersten Dutzende von Kilometern sowje­tischer Grenze, hinter die der Feind geworfen wurde. An­fang April brachten die Truppen Shukows im Vorgebirge der Karpaten den Deutschen eine Niederlage bei, und erreich­ten in einer Front von 200 km Breite die Staatsgrenze der UdSSR mit der Tschecho-Slowakei und Rumänien.

Auf diese Weise stellte die Rote Armee ihre hohe ope­rative Meisterschaft unter Beweis, indem sie die deutsche Front in zwei Teile spaltete und die südliche Heeresgruppe der Deutschen von der Heeresgruppe Mitte isolierte. Die Verbindung zwischen diesen Gruppen konnte nur auf großen Umwegen aufrechterhalten werden.

Der Krieg wurde auf das Territorium des Feindes ge­tragen. Die sowjetischen Truppen überquerten bei der Ver­folgung des zurückweichenden Feindes den Pruth und be­gannen die Offensive in Rumänien.

Die Truppen der Ukrainischen Fronten hatten ruhmvolle Siege errungen.

Aus dem sowjetischen Buch Der große Vaterländische Krieg der Sowjetunion, dass 1947 im SWA-Verlag/Berlin als 4. Band in der Reihe “Das Sowjetland” erschienen ist. KAPITEL VI: Die Vertreibung der deutschen Truppen aus der Sowjetunion – 2. Die Befreiung der Ukraine rechts des Dnjepr.

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3 Antworten zu Der zweite Schlag zur Vertreibung der deutschen Truppen aus der Sowjetunion: Die Befreiung der Ukraine rechts des Dnjepr

  1. sascha313 schreibt:

    Es ist immer wieder wichtig, daran zu erinnern, wer hier den Krieg gegen den deutschen Faschismus zum Siege führte: nämlich – die sozialistische Sowjetunion unter Führung des Generalissimus Stalin. Die Befeiung der Ukraine vom Faschismus – insbesondere auch von einheimischen Kollaborateuren – war ein Wendepunkt in der Geschichte dieses Landes hin zur Unabhängigkeit und zum weiteren Aufbau des Sozialismus.

  2. Inson schreibt:

    So viele Rotarmisten gaben für die Befreiung der Ukraine von den deutschen und auch den ukrainischen Faschisten ihr Leben! Es ist bitter zu sehen, was die braune Nachzucht Banderas in der Ukraine heute mit Rückhalt in der EU und speziell der BRD veranstaltet.

    • andy der kleine schreibt:

      nun ja, sie spielen wieder mit dem Feuer, wie sagte der Genosse Stalin: Kriege der Imperialisten untereinander…….und es wird der Tag kommen da liegt der Deutsche Herrenmensch (heute sagt man wohl „Heimliche Führungsmacht der EU“ wieder mit der Schnauze im Dreck und wird wieder nicht wissen wie ihm geschieht…..beruhigend ist, dass dann wieder das Alexandrow Ensemble auf dem Berliner Gendarmenmarkt singt…

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