Sewastopol – Heimathafen der russischen Schwarzmeerflotte

Von Olivia Kroth*

Sewastopol - © Foto: STIMME RUSSLANDS

Sewastopol – © Foto: STIMME RUSSLANDS

Seit dem Beitritt der Krim zur Russischen Föderation steht Sewastopol im Zentrum internationaler Aufmerksamkeit. Die Schwarzmeerflotte, größter Arbeitgeber der Region, soll bis 2020 vollständig modernisiert werden, verkündete Verteidigungsminister Sergej Schoigu am 231. Jahrestag der Flotte. Sewastopol hat auch noch mehr zu bieten. Es besitzt viele historische Denkmäler, ist ein beliebtes Seebad und Touristenziel. Im Zentrum für Meeresbiologie werden seit 1945 Delphine trainiert.

Im Jahr 2014 sollen “neue Luftverteidigungseinheiten und Marineformationen an den Einsatzorten unserer Flotte eingerichtet werden. Die russische Schwarzmeerflotte erhält dieses Jahr eine Lieferung von modernen U-Booten und Kriegsschiffen einer neuen Generation”, erklärte Sergej Schoigu kürzlich bei einer Telekom-Konferenz. Zudem werden 86 Milliarden Rubel (1,8 Milliarden Euro) bis 2020 in die Modernisierung der Flotte investiert”, sagte Russlands Verteidigungsminister (ITAR TASS, 13.05.2014).

Kommandeure der Schwarzmeerflotte

Admiral Pawel Nachimow (1802-1855) © EastNews

Die Schwarzmeerflotte wurde von Katherina der Großen am 13. Mai 1783 gleichzeitig mit der Stadt Sewastopol gegründet. Zurzeit kommandiert Vizeadmiral Alexander Witko die Schwarzmeerflotte. Er wurde am 13. September 1961 in Witebsk, Weißrussland, geboren. 1984 machte er seinen Abschluss an der Nachimow-Marineakademie in St. Petersburg. Diese Hochschule für Marineoffiziere wurde 1944 von Josef Stalin eingerichtet. Die Akademie trägt den Namen von Admiral Pawel Nachimow (1802-1855).

Er kommandierte die Schwarzmeerflotte während des Krimkrieges gegen das Osmanische Reich und zeichnete sich aus, indem er die osmanische Flotte in der Seeschlacht von Sinope (1853) vernichtete. Später organisierte er die Land- und Seeverteidigung während der Belagerung von Sewastopol (1854-1855). Am 10. Juli 1855 wurde er tödlich verwundet und starb zwei Tage später. Admiral Nachimow liegt in der Wladimir-Kathedrale von Sewastopol begraben. Im Museum der Schwarzmeerflotte ist eine Büste des Admirals zu sehen, während seine Statue den Nachimow-Platz in Sewastopol schmückt. Auch mehrere Kriegsschiffe tragen seinen Namen: Schlachtkreuzer der Swetlana-, Swerdlow-, Kresta II- und der Kirow-Klasse. Admiral Nachimows Porträt ist vor dem Hintergrund der Schwarzmeerflotte auf einer sowjetischen Briefmarke des Jahres 1987 zu sehen.

Aiwasowski und Tolstoi in Sewastopol

Wer sehen möchte, wie die Schwarzmeerflotte in der Mitte des 19. Jahrhunderts aussah, kann sich Iwan Aiwasowskis Gemälde anschauen, zum Beispiel “Das russische Geschwader vor Sewastopol” (1846). Das Bild zeigt den Hafen von Sewastopol, von der Stadtseite gesehen. Am Ufer haben sich neben dem Rundturm einer Festung viele Menschen versammelt, die winkend die Ankunft der russischen Kriegsschiffe begrüßen. Heute hängt dieses Bild im staatlichen Russischen Museum von St. Petersburg.

Iwan Aiwasowski “Das russische Geschwader vor Sewastopol” (1846)

© Picture: WikiArt/Ivan Aivazovsky/cc-by

Iwan Aiwasowski (1817-1900) war ein russischer Marinemaler armenischer Abstammung, in der Hafenstadt Feodosia am Schwarzen Meer geboren. Er schuf mehr als 6.000 Seestücke, Küstenlandschaften und Schlachtenszenen, viele davon in seiner heimatlichen Region der Halbinsel Krim. Auch Lew Tolstoi (1828-1910) verbrachte einige Zeit in Sewstopol. Er nahm als Leutnant der russischen Artillerie am Krimkrieg teil und befand sich während der Belagerung von Sewastopol in der Stadt.

Lew Tolstoi publizierte 1855 und 1856 drei “Sewastopoler Erzählungen” in der russischen Zeitschrift «Der Zeitgenosse »:“Sewastopol im Dezember”, “Sewastopol im Mai” und “Sewastopol im August”. In diesen Texten spricht der Erzähler seine Leser direkt an, um sie an verschiedene Orte der belagerten Stadt zu führen: ein Feldlazarett, eine Taverne und die vierte Bastion. Im Feldlazarett hören wir verwundete Soldaten über ihre Schmerzen klagen, in der Taverne unterhalten sich Offiziere über den Krieg. In der Nähe der vierten Bastion können die Leser den Kanonendonner beinahe hören und den Rauch des Schießpulvers fast riechen, so eindringlich schildert der Erzähler Details der nahen Front. Die Themen dieser drei Erzählungen sind die Grausamkeit des Kriegs, der Patriotismus russischer Soldaten und der Respekt des Autors für die Wahrheit. Lew Tolstoi schrieb: “Die Heldin meiner Erzählungen, die ich mit allen Kräften meiner Seele liebe, ist die Wahrheit.”

Die Wladimir-Kathedrale

© Foto: ru.wikipedia.org/Dmitry A. Mottl/cc-by-sa 3.0

Dieses eindrucksvolle Gebäude im russisch-byzantinischen Stil steht in der Suworow-Straße auf dem höchsten Hügel der Stadt. Die russisch-orthodoxe Kathedrale wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Andenken an die Taufe des Heiligen Wladimir errichtet. Das Bauwerk ist 36 Meter hoch und kann bis zu 1.000 Menschen aufnehmen. Die Reliquien des Heiligen Wladimir wurden aus der Kirche des Winterpalastes in St. Petersburg hierher überführt und gemeinsam mit den Reliquien von anderen russischen Heiligen in der Krypta der Wladimir-Kathedrale beigesetzt. Am 13. Juni 1888 feierte Sewastopol den Gedenktag des Heiligen Wladimir. Im Großen Vaterländischen Krieg (1941-1945) wurde das Gebäude völlig zerstört und in den 1960er Jahren wiederaufgebaut. Architekten aus Moskau und Leningrad beteiligten sich an den Arbeiten. Künstler von der Krim gestalteten die Innenräume.

Die Heldenstadt heute

© Foto: RIA Novosti

Während des Großen Vaterländischen Kriegs wurde Sewastopol von den Nazis intensiv bombardiert und zeitweilig besetzt. Am 9. Mai 1944 konnte die Rote Armee die Stadt befreien. Ein Jahr später verlieh Josef Stalin Sewastopol den Titel “Heldenstadt”. Es wurde nach Kriegsende wieder aufgebaut. Tausende von Arbeitern aus der gesamten UdSSR waren an dem Wiederaufbau beteiligt. Später wurde Sewastopol als Heimathafen der sowjetischen Schwarzmeerflotte eine geschlossene Stadt. Noch heute sind die Werften ihr stärkster Industriezweig.

Die Stadt ist auch ein Touristenzentrum, das jährlich von etwa 500.000 Gästen besucht wird. Die meisten kommen aus der Russischen Föderation und den ehemaligen Sowjetrepubliken. Im Zentrum stehen zwei schöne Gebäude im Jugendstil aus den 1920er Jahren: das Hauptpostamt in der Bolschaja Morskaja-Straße und das Kunstmuseum auf dem Nachimow-Prospekt. Sewastopol besitzt rund 2.000 historische Denkmäler, darunter die Adler-Säule, auf einem Felsen am Hafenbecken errichtet. Viele Straßen und Plätze tragen die Namen historischer Persönlichkeiten. Sie erinnern an die bewegte Geschichte dieser russischen Stadt am Schwarzen Meer.

*Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt in Südfrankreich. Ihr Blog: https://olivia2010kroth.wordpress.com

Der Artikel ist der Website der „Stimme Russlands“ entnommen:
http://german.ruvr.ru/2014_06_19/photo-Sewastopol-Heimathafen-der-russischen-Schwarzmeerflotte-2256/

Vielen Dank der Autorin für diesen schönen und informativen Artikel und der „Stimme Russlands“ für die Veröffentlichung!

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Eine Antwort zu Sewastopol – Heimathafen der russischen Schwarzmeerflotte

  1. Inge und Dieter Wernet - Militärhistorische Studien schreibt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ab sofort ist unser neues Buch „Die Belagerung von Sevastopol 1854-1855“ verfügbar
    und zum Preis von 59 Euro zuzügl. 9 Euro Versandkosten (innerhalb Deutschlands) nur über uns zu beziehen.

    Unter dem Link http://www.helios-verlag.com/index.php?id=316
    können Sie auf ausgewählten Seiten im Buch blättern.

    Inhaltsverzeichnis:
    http://www.helios-verlag.com/werke/titel/die-belagerung-von-sevastopol.html

    Autoren:
    http://www.helios-verlag.com/autoren/name/wernet.html

    Viele Grüße aus Belgien

    Inge und Dieter Wernet
    Militärhistorische Studien

    idwe@skynet.be

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