Aus dem Leben von J. W. Stalin (1)

 

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Josef Wissarionowitsch Stalin (Dshugaschwili) wurde am 9. (21.) Dezember 1879 in der Stadt Gori, Gouvernement Tiflis, geboren. Sein Vater, Wissarion Iwanowitsch Dshugashwili, georgischer Nationalität, stammte aus einer Bauernfamilie des Dorfes Didi-Lilo, Gouvernement Tiflis, und war von Beruf Schuhmacher, späterhin Arbeiter der Schuhfabrik Adekhanow in Tiflis. Die Mutter, Jekaterina Georgijewna, entstammte der Familie des leibeigenen Bauern Geladse aus dem Dorfe Gambareuli.

Im Herbst 1888 wurde Stalin in die geistliche Elementarschule von Gori aufgenommen. Im Jahre 1894 absolvierte er die Schule und bezog im gleichen Jahr das griechisch-orthodoxe Priester­seminar in Tiflis.

In diesen Jahren fand in Russland, dank der Entwicklung des industriellen Kapitalismus und dem Wachstum der Arbeiterbe­wegung, der Marxismus weite Verbreitung. Der von Lenin ge­gründete und geleitete Petersburger »Kampfbund zur Befreiung der Arbeiterklasse« gab der Entwicklung der sozialdemokratischen Bewegung im ganzen Lande einen mächtigen Anstoß. Die Wellen der Arbeiterbewegung erfassten auch Transkaukasien, wohin der Kapitalismus bereits vorgedrungen war und wo eine starke natio­nale und koloniale Unterdrückung herrschte. Transkaukasien war eine typische Kolonie des russischen Zarismus, ein wirtschaft­lich rückständiges Agrarland mit noch starken Überresten des Feudalismus, ein Land, das von zahlreichen Nationalitäten be­wohnt war, die in einem bunten Gemisch nebeneinander lebten.

Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts setzte in Transkau­kasien eine rasche Entwicklung des Kapitalismus ein; die Ar­beiter und Bauern wurden einer räuberischen Ausbeutung unter­worfen, die nationale und koloniale Unterdrückung wurde ver­schärft. Besonders rasch entwickelten sich der Bergbau sowie die Gewinnung und Verarbeitung von Erdöl; hier hatte das auslän­dische Kapital die entscheidenden Positionen an sich gerissen.

Der russische Kapitalismus“, schrieb Lenin, „zog auf diese Weise den Kaukasus in den Weltwarenverkehr hinein, er nivellierte seine örtlichen Besonderheiten — Überreste der alten patriarchalischen Abgeschlossenheit — und schuf sich einen Markt für seine Fabriken. Das Land, das kurz nach der Re­form noch schwach besiedelt oder von Bergvölkern bewohnt gewesen war, die abseits der Weltwirtschaft und sogar abseits der Geschichte standen, verwandelte sich in ein Land der Erd­ölindustriellen, der Weinhändler und der Großproduzenten von Weizen und Tabak…“1

Mit dem Aufkommen der Eisenbahnen und der ersten Fabriken und Industriewerke kam im Kaukasus auch die Arbeiterklasse auf. Besonders rasch entwickelte sich die Erdölstadt Baku, das große Industrie- und Arbeiterzentrum des Kaukasus.

Die Entwicklung des Industriekapitalismus hatte ein An­wachsen der Arbeiterbewegung im Gefolge. In den neunziger Jahren entfalteten in Transkaukasien die dorthin verschickten russischen Marxisten eine revolutionäre Tätigkeit. In Transkau­kasien setzte die Propaganda des Marxismus ein. Das Tifliser griechisch-orthodoxe Seminar war damals eine Pflanzstätte für jede Art von Befreiungsideen unter der Jugend, sowohl von volkstümlerisch-nationalistischen als auch von marxistisch-inter­nationalistischen, es zählte eine Menge verschiedenartiger Ge­heimzirkel. Das im Seminar herrschende jesuitische Regime rief bei Stalin stürmischen Protest hervor, es nährte und verstärkte in ihm die revolutionäre Gesinnung. Der fünfzehnjährige Stalin wird zum Revolutionär.

In die revolutionäre Bewegung“, erzählt Stalin, „trat ich im Alter von 15 Jahren ein, als ich mit den illegalen Gruppen russischer Marxisten, die damals in Transkaukasien lebten, Verbindung aufgenommen hatte. Diese Gruppen übten gro­ßen Einfluss auf mich aus und brachten mir Geschmack an der illegalen marxistischen Literatur bei.“2

In den Jahren 1896 und 1897 leitet Stalin die marxistischen Zirkel im Seminar. Im August 1898 tritt er auch formell der Tifliser Organisation der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands bei. Stalin wird Mitglied der Gruppe „Messame-Dassi“, der ersten georgischen sozialdemokratischen Organisation, die in den Jahren 1893 bis 1898 eine gewisse positive Rolle bei der Ver­breitung der Ideen des Marxismus spielte. Das „Messame-Dassi“ war politisch nicht homogen: seine Mehrheit vertrat den Stand­punkt des »legalen Marxismus« und neigte zum bürgerlichen Nationalismus. Stalin, Kezchoweli und Zulukidse bildeten im „Messame-Dassi“ den führenden Kern der revolutionären marxi­stischen Minderheit, die zur Keimzelle der revolutionären Sozial­demokratie Georgiens wurde.

Stalin arbeitet viel und beharrlich an seiner Bildung. Er studierte das „Kapital“ von Marx, das „Manifest der Kommunisti­schen Partei“ und andere Werke von Marx und Engels, arbeitet die gegen die Volkstümlerrichtung, den »legalen Marxismus« und den »Ökonomismus« gerichteten Schriften Lenins durch. Bereits damals machten Lenins Werke auf Stalin einen tiefen Eindruck. Einer der Genossen, die Stalin in dieser Zeit gut kannten, erin­nert sich, wie Stalin, als er eine Arbeit Tulins (Lenins) gelesen hatte, sagte: »Ich muss ihn um jeden Preis kennenlernen.«3 Der Kreis des theoretischen Interesses Stalins war außerordentlich umfassend: er studierte Philosophie, politische Ökonomie, Ge­schichte, Naturwissenschaften, las die Werke der Klassiker der schönen Literatur. Stalin wurde ein gebildeter Marxist.

Stalin betätigt sich in diesem Zeitabschnitt intensiv als Propa­gandist in Arbeiterzirkeln, nimmt an illegalen Arbeiterversamm­lungen teil, verfasst Flugblätter und organisiert Streiks. Das war für Stalin die erste Schule praktischer revolutionärer Arbeit unter den fortgeschrittenen Proletariern von Tiflis.

»Ich erinnere mich des Jahres 1898«, sagt Stalin, »als man mir zum ersten mal einen Zirkel von Arbeitern der Eisenbahn-Werkstätten zuteilte… Hier, im Kreise dieser Genossen, er­hielt ich damals meine erste revolutionäre Feuertaufe… Meine ersten Lehrer waren die Tifliser Arbeiter.«4

Dem Unterricht in den marxistischen Arbeiterzirkeln von Tif­lis lag ein von Stalin verfasstes Schulungsprogramm zugrunde.

Im Seminar, wo die »Verdächtigen« unter scharfe Beobachtung gestellt wurden, kam man der illegalen revolutionären Tätigkeit Stalins auf die Spur. Am 29. Mai (10. Juni) 1899 wird er wegen Propaganda des Marxismus aus dem Seminar ausgeschlossen. Stalin schlägt sich einige Zeit mit Stundengeben durch und findet dann (im Dezember 1899) Arbeit im Tifliser Physikalischen Observatorium als Beobachter und Rechner. Während dieser Arbeit stellte er die revolutionäre Tätigkeit für keinen Augen­blick ein.

Bereits zu dieser Zeit ist Stalin einer der energischsten und her­vorragendsten Parteiarbeiter der Tifliser sozialdemokratischen Organisation.

»In den Jahren 1898 bis 1900 bildete und konstituierte sich die leitende sozialdemokratische Zentralgruppe der Tifliser Organisation… die Tifliser sozialdemokratische Zentral­gruppe leistete beim Aufbau der illegalen sozialdemokratischen Parteiorganisation eine gewaltige revolutionäre Propaganda- und Organisationsarbeit.«5

Stalin stand an der Spitze dieser Gruppe. Der Leninsche »Kampfbund zur Befreiung der Arbeiterklasse« war das Vorbild, dem die Tifliser revolutionären Sozialdemokraten in ihrer Arbeit unentwegt nacheiferten. Unter Führung der revolutionären Minderheit des »Messame-Dassi« (Stalin, Kezchoweli, Zulukidse) überschreitet die Arbeiterbewegung in Tiflis in diesem Zeit­abschnitt den Rahmen der alten, rein propagandistischen Arbeit »mit hervorragenden Einzelpersonen« aus den Reihen der Arbeiter. Das praktische Leben rückte die Agitation unter den Massen durch Herausgabe von Flugblättern über aktuelle Themen, durch fliegende Versammlungen und politische Demonstrationen gegen den Zarismus in den Vordergrund.

Die neue Taktik stößt auf scharfen Widerstand bei der oppor­tunistischen Mehrheit des »Messame-Dassi«, das zum »Ökono­mismus« neigte, vor revolutionären Methoden zurückschreckte und es ablehnte, den politischen Kampf gegen die Selbstherrschaft auf die »Straße« zu verlegen. Stalin und die revolutionäre Min­derheit des »Messame-Dassi« führen einen heftigen und unver­söhnlichen Kampf gegen die Opportunisten, für die Durchset­zung der neuen Taktik, der Taktik der politischen Massenagita­tion. Sie finden bei den fortgeschrittenen Arbeitern von Tiflis begeisterte Unterstützung.

Beim Übergang der Tifliser Sozialdemokraten zu den neuen Arbeitsmethoden spielte Viktor Kurnatowski eine hervorragende Rolle. Dieser geschulte Marxist, ein standhafter Anhänger und naher Kampfgefährte Lenins, verfocht die Leninschen Ideen in Transkaukasien. Im Herbst 1900 in Tiflis eingetroffen, stellt er enge Beziehungen zu Stalin und der revolutionären Minderheit des »Messame-Dassi« her und wird zum nächsten Freund und Kampfgefährten Stalins.

Als im Dezember 1900 die Leninsche »Iskra« zu erscheinen be­gann, stellte sich Stalin rückhaltlos auf ihren Standpunkt. Stalin erkannte in Lenin sofort den Begründer einer wahrhaft marxi­stischen Partei, den Führer und Lehrer.

»Die Bekanntschaft mit Lenins revolutionärer Tätigkeit seit Ende der neunziger Jahre, und besonders nach dem Jahre 1901, nach der Gründung der ,Iskra’«, sagt Stalin, »hatte mich zu der Überzeugung gebracht, dass wir in Lenin einen außergewöhnlichen Menschen besitzen. Er war damals in mei­nen Augen nicht ein einfacher Führer der Partei, sondern ihr tatsächlicher Schöpfer, denn er allein verstand das innere We­sen und die dringenden Bedürfnisse unserer Partei. „Wenn ich ihn mit den übrigen Führern unserer Partei verglich, schien es mir immer, dass Lenin seine Kampfgefährten — Plechanow, Martow, Axelrod und andere — um Haupteslänge überragt, dass Lenin im Vergleich zu ihnen nicht einfach einer der Füh­rer, sondern ein Führer von höherem Typus ist, ein Bergadler, der furchtlos ist im Kampf und die Partei kühn vorwärtsführt auf den unerforschten Wegen der russischen revolutionären Bewegung.«6

Stalin war von grenzenlosem Glauben an das revolutionäre Genie Lenins erfüllt und ging den Weg Lenins. Er ist von diesem Weg niemals abgewichen und führt nach dem Tode Lenins dessen Werk kühn und sicher fort.

Angesichts der beginnenden Wirtschaftskrise steigt in Tiflis unter dem Einfluss der Arbeiterbewegung Russlands und infolge der Tätigkeit der revolutionären Sozialdemokraten in den Jah­ren 1900 und 1901 die Welle wirtschaftlicher Streiks. Ein Betrieb nach dem anderen wird von Streiks erfasst. Im August 1900 bricht der grandiose Streik der Eisenbahnarbeiter in den Werk­stätten und im Depot aus. An diesem Streik nimmt M. I. Kalinin aktiv teil, der aus Petersburg nach dem Kaukasus ausgewiesen worden war. Am 22. April (5. Mai) 1901 findet im Zentrum von Tiflis eine Maidemonstration statt. Stalin ist der Organisator und Führer dieser Demonstration. Die Leninsche »Iskra« schätzte diese Demonstration als ein Ereignis von historischer Bedeutung für den ganzen Kaukasus ein; ihre Einwirkung auf die gesamte weitere Entwicklung der Arbeiterbewegung des Kaukasus war außerordentlich groß.

So wurde in diesen Jahren unter Leitung der revolutionären, von Stalin geführten Minderheit des »Messame-Dassi« der Über­gang der Arbeiterbewegung Georgiens von der Propaganda in kleinen Zirkeln zur politischen Massenagitation vollzogen. Da­mit wurde auch im Kaukasus die Vereinigung des Sozialismus mit der Arbeiterbewegung eingeleitet, genau so, wie einige Jahre vorher der von Lenin geführte Petersburger »Kampfbund« der­selben Aufgabe in glänzender Weise gerecht geworden war.

Die über das Anwachsen des revolutionären Kampfes des transkaukasischen Proletariats beunruhigte zaristische Regierung verschärfte die Gewaltmaßnahmen und glaubte dadurch der Be­wegung Einhalt gebieten zu können. Am 21. März (3. April) 1901 führte die Polizei eine Haussuchung im Physikalischen Observatorium durch, wo Stalin wohnte und arbeitete. Die Haus­suchung und der später bekanntgewordene Haftbefehl der Ochrana veranlassten Stalin, in die Illegalität zu gehen. Von da an bis zur Februarrevolution 1917 führt er in der Illegalität das angestrengte und heldenhafte Leben eines Berufsrevolutionärs Leninscher Schule.

Die Satrapen des Zaren waren ohnmächtig der ansteigenden revolutionären Bewegung gegenüber. Auf Initiative Stalins und Kezchowelis begann im September 1901 die erste illegale geor­gische sozialdemokratische Zeitung »Brdsola« (Der Kampf) zu erscheinen, die die Ideen der Leninschen »Iskra« konsequent ver­focht. Nach der »Iskra« war »Brdsola« die beste marxistische Zeitung in Russland.

Der in der ersten Nummer des »Brdsola« (September 1901) unter dem Titel »Geleitwort der Redaktion« erschienene Leit­artikel war von Stalin verfasst. Stalin bestimmte die Aufgaben des Blattes wie folgt:

»Die georgische sozialdemokratische Zeitung muss klare Ant­wort geben auf alle Fragen, die mit der Arbeiterbewegung zusammenhängen, die prinzipiellen Fragen klären, die Rolle der Arbeiterklasse im Kampf theoretisch erläutern und jede Erscheinung, auf die der Arbeiter stößt, mit dem Lichte des wissenschaftlichen Sozialismus beleuchten.«7

In diesem Leitartikel wies Stalin darauf hin, dass die Zeitung die Arbeiterbewegung führen und den Arbeitermassen so nahe wie möglich stehen muss, dass sie in der Lage sein muss, sie stän­dig zu beeinflussen, ihr bewusstes und leitendes Zentrum zu sein.

In der folgenden Nummer (November/Dezember 1901) brachte die »Brdsola« den wichtigen Artikel Stalins »Die Sozial­demokratische Partei Russlands und ihre nächsten Aufgaben«. In diesem Artikel unterstrich Stalin die Notwendigkeit, den wissenschaftlichen Sozialismus mit der spontanen Arbeiterbewe­gung zu vereinigen, er verwies auf die führende Rolle der Ar­beiterklasse in der demokratischen Freiheitsbewegung und be­gründete die Aufgabe, eine selbständige politische Partei des Proletariats zu organisieren.

Auch die Herausgabe von Flugblättern in den Sprachen der vielen Nationalitäten Transkaukasiens nimmt weite Ausmaße an. »Prächtig geschriebene Aufrufe sind in russischer, georgischer und armenischer Sprache erschienen, und mit ihnen wurden alle Stadtviertel von Tiflis überflutet«, schrieb die Leninsche »Iskra« über die Tätigkeit der Tifliser Sozialdemokraten.8 Stalins näch­ster Kampfgefährte, Lado Kezchoweli, gründete in Baku ein Komitee der Leninschen »Iskra«-Richtung und organisierte eine illegale Druckerei. Am 11. (24.) November 1901 fand eine Kon­ferenz der Tifliser sozialdemokratischen Organisation statt, auf der das Tifliser Komitee der SDAPR gewählt wurde. Diesem Komitee gehörte auch Stalin an. Er blieb jedoch nur sehr kurze Zeit in Tiflis. Ende November reiste Stalin im Auftrage des Tif­liser Komitees nach Batum, dem drittgrößten proletarischen Zen­trum im Kaukasus (nach Baku und Tiflis), um dort eine sozial­demokratische Organisation zu gründen.

In Batum entfaltet Stalin eine rastlose revolutionäre Tätig­keit: er stellt Verbindungen mit fortgeschrittenen Arbeitern her, gründet sozialdemokratische Zirkel, leitet selbst einige Zirkel, richtet eine illegale Druckerei ein, schreibt zündende Flugblätter, lässt sie drucken und verbreiten, leitet den Kampf der Arbeiter der Betriebe von Rothschild und Mantaschow, organisiert die re­volutionäre Propaganda auf dem Lande. Stalin ruft in Batum eine sozialdemokratische Organisation ins Leben, gründet das Batumer Komitee der SDAPR und leitet die Streiks in den Be­trieben. Am 9. (22.) März 1902 organisierte Stalin die berühmte politische Demonstration der Batumer Arbeiter, an deren Spitze er als Demonstrationsleiter schritt. Hier vollzog Stalin praktisch die Vereinigung des Streiks mit der politischen Demonstration.

So entstand und entwickelte sich in diesem Zeitabschnitt im entschlossenen und unversöhnlichen Kampf gegen den Oppor­tunismus die Organisation der Leninschen »Iskra«-Richtung in Transkaukasien. Ihr hervorragendster Organisator und Führer war Stalin, den die Batumer Arbeiter schon damals den Lehrer der Arbeiter nannten. Die Organisation der Leninschen »Iskra«-Richtung in Transkaukasien wurde auf den festen Grundlagen des proletarischen Internationalismus aufgebaut, sie vereinigte in ihren Reihen die fortgeschrittenen Proletarier verschiedener Nationalitäten: Georgier, Armenier, Aserbaidshaner, Russen. Lenin führte später wiederholt die transkaukasische Organisation der Partei als Vorbild des proletarischen Internationalismus an.

Der machtvolle Kampf der Arbeiter von Batum ruft bei der Regierung ernste Beunruhigung hervor. Die Spürhunde der Poli­zei suchen eifrig nach den »Rädelsführern«. Am 5. (18.) April 1902 wird Stalin verhaftet. Aber auch im Gefängnis (zuerst in Batum, dann — vom 19. April (2. Mai) 1903 ab — in dem durch sein hartes Regime berüchtigten Gefängnis von Kutais, danach wieder in Batum) verliert Stalin nicht die Verbindung mit der revolutionären Arbeit.

Anfang März 1903 tagte der erste Kongress der sozialdemo­kratischen Organisationen Kaukasiens, auf dem der Kaukasische Bund der SDAPR gegründet wurde. Stalin, der sich in Haft be­fand, wurde in seiner Abwesenheit zum Mitglied des Kauka­sischen Bundeskomitees der SDAPR gewählt. Im Gefängnis er­fährt Stalin von Genossen, die vom II. Parteitag zurückgekehrt waren, dass zwischen den Bolschewiki und den Menschewiki höchst ernste Meinungsverschiedenheiten bestehen. Stalin tritt entschieden auf die Seite Lenins, der Bolschewiki.

Im Herbst 1903 wird Stalin auf drei Jahre nach Ostsibirien verbannt, in das Dorf Nowaja Uda, Kreis Balagan, Gouver­nement Irkutsk. Am 27. November (10. Dezember) 1903 kam Stalin in diesem Verbannungsort an. In der Verbannung erhält er einen Brief von Lenin.

»Zum ersten mal kam ich mit Lenin im Jahre 1903 in Füh­lung«, sagt Stalin. »Dies war zwar keine persönliche Bekannt­schaft, sondern eine auf schriftlichem Wege zustande gekom­mene Fernbekanntschaft, aber sie hinterließ in mir einen un­auslöschlichen Eindruck, der mich während der ganzen Zeit meiner Arbeit in der Partei nicht verließ. Ich war damals in Sibirien in der Verbannung… Lenins Brief war verhältnis­mäßig kurz, aber er bot eine kühne, unerschrockene Kritik der praktischen Arbeit unserer Partei und eine wunderbar klare und gedrängte Darlegung des ganzen Plans der Parteiarbeit für die nächste Periode.«9

Stalin blieb nicht lange in der Verbannung. Er brannte vor Ungeduld, möglichst rasch die Freiheit wiederzuerlangen, um die Durchführung des Leninschen Plans in Angriff zu nehmen und die bolschewistische Partei aufzubauen. Am 5. (18.) Januar 1904 flüchtet Stalin aus der Verbannung. Im Februar 1904 ist er wie­der im Kaukasus, zuerst in Batum und dann in Tiflis.

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Die vorliegende Ausgabe der „Kurzen Lebensbeschreibung J. W. Stalins“ ist eine Übersetzung des vom Marx-Engels-Lenin-Institut in Moskau 1950 herausgegebenen neu durchgesehenen Abdrucks der zweiten verbesserten und ergänzten russischen Auflage. Sie ist ein Nachdruck der im Jahre 1950 in Moskau erschienenen Ausgabe. Bis zum Februar 1918 wird jedes Datum nach altem russischem Kalenderstil gegeben; die eingeklammerte Angabe gibt dasselbe Datum nach neuem Stil.

5. Auflage, 201. -240. Tausend

Copyright 1950 by Dietz Verlag GmbH Berlin • Printed in Germany • Alle Rechte vorbehalten • Gestaltung und Typographie: Dietz Entwurf . Lizenznummer 341

Druck: VEB Leipziger Druckhaus, Leipzig (III/18/203)

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1 W. I. Lenin, »Werke«, Bd. III, S. 464 (russ.).

2 J. Stalin, »Unterredung mit dem deutschen Schriftsteller Emil Ludwig«, 1938, S. 9 (russ.).

3 »Erzählungen alter transkaukasischer Arbeiter über den großen Stalin«, Erinnerungen des Genossen P. Kapanadse, Verlag »Junge Garde« 1937, S. 26 (russ.).

4 J. W. Stalin, »Werke«, Bd. 8, S. 174 (russ.).

5 L. Beria, »Zur Geschichte der bolschewistischen Organisationen in Transkaukasien«, Dietz Verlag, Berlin 1950, S. 21.

6 J. W. Stalin, »Werke«, Bd. 6, S. 52/53 (russ.).

7 J. W. Stalin, »Werke«, Bd. l, Dietz Verlag, Berlin 1950, S. 8.

8 »Iskra« Nr. 25 vom 15. September 1902.

9 J. W. Stalin, »Werke«, Bd. 6, S. 52/53 (russ.).

 

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