Lektionen in russischer Geschichte – Die letzten Tage des letzten Zaren (I. Teil)

von Olivia Kroth

Parallel zu den Ereignissen der russischen Revolution schrieb Zar Nikolaus II. ein privates Tagebuch. Trotz der dramatischen politischen Situation ist sein „Journal intime“ in der Tat sehr intim und privat. Der letzte Zar nahm kaum zur Kenntnis, was in der Außenwelt um ihn herum geschah. Er begann 1881 zu schreiben und hörte einige Tage vor seiner Hinrichtung im Juni 1918 auf. So füllte er 51 in schwarzes Leder gebundene Büchlein. Nach seinem Tod wurden diese Dokumente von den Bolschewiken nach Moskau transportiert und im Archiv des Kremls abgelegt. Die erste französische Ausgabe erschien 1931 bei den Editions Payot in Paris. Eine neue Version wurde als Taschenbuch von den Editions Perrin, Paris 2020, herausgegeben mit dem Titel „Nicolas II – Journal intime“. Ein Vorwort und Kommentar des Herausgebers Jean-Christophe Buisson vervollständigen diese Ausgabe. Die folgenden Zitate wurden ins Englische übersetzt. Die Daten sind nach dem alten julianischen Kalender sowie dem neuen gregorianischen Kalender in Russland angegeben.

Wie der Herausgeber feststellt, schrieb Zar Nikolaus II. in einem eher banalen und naiven Stil. Seine Einträge sind kurz. Sie beziehen sich hauptsächlich auf das Wetter, das Essen, die täglichen Aktivitäten und die Familienmitglieder. Trotzdem ist das Tagebuch interessant zu lesen, weil es uns hilft zu verstehen, warum die Romanow-Dynastie 1917 zum Scheitern verurteilt war. Sie hatte sich erschöpft. Nikolaus II. war ein schwacher, schüchterner, realitätsfremder Mann, nicht in der Lage, ein so riesiges Land wie das Russische Reich zu regieren.

Er scheint ein Muttersöhnchen gewesen zu sein. Viele seiner Briefe sind an die „liebe Mama“ gerichtet, die Zarenwitwe Maria Fjodorowna (1847-1928), geborene Dagmar von Dänemark. Sie überlebte die russische Revolution und verbrachte den Rest ihres Lebens zuerst in London, dann in ihrer Heimat Dänemark. Die andere willensstarke Frau, welche ihn beeinflusste, war seine deutsche Gattin Alexandra Fjodorowna (1872-1918), geborene Alix von Hessen-Darmstadt. Sie wurde 1918 mit Nikolaus II. und den Kindern hingerichtet.

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3 Gedanken zu “Lektionen in russischer Geschichte – Die letzten Tage des letzten Zaren (I. Teil)

    1. Da ich mich mit dieser Seite der Geschichte zuvor nicht so sehr beschäftigt habe, war viel Neues für mich in dem Artikel. Nun bin ich schon ganz gespannt auf den zweiten Teil.

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