Ehrung des russischen Dichters Gawrila Derschawin 200 Jahre nach seinem Tod von Olivia Kroth

Der Lauf des Flusses Zeit
Wird alle Menschentaten mit sich tragen
Und in Versenkung tauchen
Die Völker, Reiche und ihre Herrscher. 

Und wenn es etwas gibt, das uns noch bleibt,
Durch Hörnerschall und Harfenton,
So wird es auch im Schlund der Zeit verschwinden
Und allgemeines Schicksal teilen. 

Dieses schöne Gedicht stammt aus der Feder des russischen Poeten Gawrila Romanowitsch Derschawin (1743-1816). Seine Aussage könnte auf gewöhnliche Menschen zutreffen, aber nicht auf ihn selbst. Seine Dichtung bleibt, so frisch wie eh und je, in russischen Anthologien erhalten. Auch hat „der Lauf des Flusses Zeit“ nicht alle „Völker, Reiche und ihre Herrscher“ in Versenkung getaucht. Zarin Katherina die Grosse (1729-1796) ist immer noch im Gedächtnis der Russen als eine grosse Herrscherin über das Zarenreich lebendig. Gawrila Derschawin war ihr Lieblingsdichter. Er lebte an ihrem Hof und schrieb ihr zu Ehren Gedichte.

Gawrila Romanovitsch Derschawin (Гаврила Романович Державин) wurde am 14. Juli 1743 in Kasan, Tatarstan, geboren. Er starb am 20. Juli 1816 als einer der höchstgeschätzten russischen Dichter seiner Zeit und als Staatsmann am Hof von Katherina der Grossen. Seine Werke werden der klassischen Literatur zugeordnet. Am Zarenhof in Sankt Petersburg stieg er vom einfachen Soldaten zu hohen Staatsämtern auf. Weil er politisch klug handelte, ging es mit seiner Karriere aufwärts, als er das Militär verliess und in den Staatsdienst eintrat. So wurde er 1784 der erste Gouverneur der Provinz Olonez. Das Gouvernement Olonez im Nordwesten des russischen Zarenreichs erstreckte sich vom Ladogasee bis zum Weissen Meer. Im Westen reichte es bis Finnland, im Norden und Osten bis Archangelsk und Wologda, im Süden bis Nowgorod und Sankt Petersburg. Das Gebiet umfasste über 57.000 Quadratkilometer. Davon waren 6.800  Quadratkilometer Seengebiet…

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Olivia Kroth: Ehrung des russischen Dichters Gawrila Derschawin 200 Jahre nach seinem Tod — Olivia2010kroth’s Blog

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Chabarowsk am Amur – Ein Reisebericht von Olivia Kroth

Chabarowsk am Amur von Olivia Kroth Chabarowsk (Хабаровск) ist mit 600.000 Einwohnern die grösste Stadt in Russlands Fernem Osten und das Verwaltungszentrum der Region. Chabarowsk liegt nur 30 Kilometer von der chinesischen Grenze entfernt, am Zusammenfluss von Amur und Ussuri. Der Amur fliesst nach Osten, entlang der Grenze Chinas. Der Ussuri fliesst nach Norden. Die […]

über Olivia Kroth: Chabarowsk am Amur — Olivia2010kroth’s Blog

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Olivia Kroth: Zum 30. Todestag des russischen Polarforschers Iwan Papanin

Iwan Dimitrjewitsch Papanins Leben steht beispielhaft für eine sowjetische Karriere als Polarforscher, Expeditionsleiter, Entdecker des Nordpols und Autor von zwei Büchern über seine abenteuerlichen Forschungsreisen und sein Leben auf einer arktischen Eisdriftstation. Iwan Papanin wurde am 26. November 1894 in Sewastopol auf der Krim geboren, wo er als Matrose zu arbeiten begann. Am 30. Januar 1986 starb er in Moskau als Konteradmiral der sowjetischen Marine, Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften und “Held der Sowjetunion”, mit dem Orden der Oktoberrevolution und neunfach mit dem Leninorden geehrt. Am 30. Januar 2016 jährt sich sein Todestag zum 30. Mal.

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Sankt Petersburg an der Ostsee

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Sankt Petersburg an der Ostsee

von Olivia Kroth

Sankt Petersburg an der Ostsee, Russlands Fenster zum Westen, ist das ganze Jahr über einen Besuch wert. Die Wasserstadt, als “Venedig des Nordens” bekannt, ist im Frühling und Sommer schön, entwickelt aber auch in den dunkleren Jahreszeiten ihren Charme. Im Herbst und Winter verlagern sich die  kulturellen Aktivitäten von außen nach innen. Dann zünden Museen und Paläste, Konzerthallen und Opernhäuser ihre Lüster aus Kristall an, um Besucher des gesamten Weltkreises zu begrüßen und zu verzaubern. Die Stadt steht mit ihren aussergewöhnlichen architektonischen und historischen Denkmälern auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO. Sankt Petersburg ist überdies ein Zentrum für Handel und Industrie. Der russische Präsident kommt regelmässig hierher, um an nationalen sowie internationalen Konferenzen, Ausstellungen und Sportveranstaltungen teilzunehmen. 

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Olivia Kroth: Das Alexander-Skrjabin-Museum in Moskau

Quelle: Olivia Kroth: Das Alexander-Skrjabin-Museum in Moskau

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Dr. Richard Sorge, Kommunist, Internationalist, Kundschafter, Held der Sowjetunion

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Viele von uns haben wohl zum ersten Mal in ihrem Leben durch dieses Buch etwas von Richard Sorge und dessen sagenumwobene, geheimnisvolle Tätigkeit, die inzwischen mehrfach verfilmt und mit den verschiedensten Mythen belegt wurde, so dass sie noch heute Stoff für umfangreiche Diskussionen und Deutungen liefert, erfahren.

Dr. Sorge funkt aus Tokyo ist nicht nur das Porträt eines heldenhaften Kundschafters. Das Buch schildert auch das Wirken der Gruppe „Ramsay“ in Japan vor und während des zweiten Weltkrieges. Die Autoren haben alle entscheidenden Fakten zusammengetragen. Aus acht europäischen, zwei asiatischen Staaten und aus den USA stammt das Material, das in diesem Dokumentarbericht verarbeitet worden ist. Zum Gelingen dieses Buches haben Angehörige der Gruppe „Ramsay“, besonders Max und Anna Christiansen-Clausen, deutsche Kommunisten und Wissenschaftler, sowjetische Genossen, japanische Gelehrte, Frau Dr. Christiane Sorge, westdeutsche und Schweizer Publizisten, ein französischer Filmregisseur, jugoslawische und nordamerikanische Journalisten sowie viele andere beigetragen. Das Besondere an dem Bericht ist aber die politische Wertung des Kampfes der Sorge-Gruppe, die für die Rote Armee, für die Sowjetunion und im Interesse aller friedliebenden Menschen Kundschafterdienste leistete und Nachrichten von großem militärischem Wert lieferte. So ist zum ersten Mal ein umfassendes reales Sorge-Bild entstanden, das der Persönlichkeit dieses großartigen deutschen Kommunisten, Internationalisten und Patrioten, des sowjetischen Aufklärers Dr. Richard Sorge, sowie seinen Mitstreitern voll gerecht wird. Die Verfasser haben es auch verstanden, die Zeit und die Umwelt begreiflich werden zu lassen, in der die tapferen Vierzig ihre Pflicht erfüllten. Erst dadurch wurde eine echte menschliche und politische Würdigung dieser Friedenskämpfer möglich, die ihre wissenschaftlichen Arbeitsmethoden, ihren Mut, ihre Kühnheit und Findigkeit sowie ihre meisterhaft konspirative Arbeit einschließt.

Das Buch erschien 1968, vier Jahre nachdem Richard Sorge in der Sowjetunion postum zum “Helden der Sowjetunion” ernannt wurde. Seitdem wurde er in der DDR, wie auch in der Sowjetunion, auf die vielfältigste Weise geehrt. Der Ehrenname „Dr. Richard Sorge“ wurde in der DDR an folgende Einrichtungen verliehen:

– 30 polytechnische Oberschulen
– 35 FDJ-Grundorganisationen
– 22 GST-Grundorganisationen
– 46 Brigaden
– 10 Straßen
– 1 Truppenteil Aufklärungsbataillon-1
– 1 Kaserne – Kaserne Lehnin (letzter Standort des LStR-40
– 1 TS Boot der Volksmarine
– 3 Betriebsberufsschulen
– 7 KG-Hundertschaften
– 1 sst Kampfgruppenzug des Betonwerkes Berlin-Grünau
– 3 Kindergärten
– 2 Einrichtungen der ZV der DDR
– 4 Kreisparteischulen der SED
– 1 Jugendherberge
– 4 Jugendclubs

Die Idee dahinter wurde in der DDR damals folgendermaßen zusammengefasst:

Mit Richard Sorge ehren wir in unserer Deutschen Demokratischen Republik den standhaften Kommunisten, glühenden In­ternationalisten, den selbstlosen Kämpfer für den ersten sozialistischen Staat, den überzeugten Verfechter seiner marxistischen Weltanschauung, aber auch den durch ei­gene Erfahrung im Kampf gewachsenen Gegner des imperialistischen Krieges und den klugen Wissenschaftler und Journali­sten. Seit Erscheinen der ersten Publikationen über diesen großartigen Menschen ist er zum Vorbild von Generationen gewor­den. Sozialistische Brigaden, Schulen und Kampfkollektive der Streitkräfte fühlen sich seinem Kampf verpflichtet und tragen seinen Namen.

Richard Sorge gehörte zu der Generation, die durch das Feuer des ersten Weltkrieges ging, bittere Erfahrungen sammelte, die besonders nachhaltig wirkten, weil sie mit dem Blut gefallener Kameraden und eige­nen Schmerzen verbunden waren. Sein Schicksal glich in jenen Jahren dem von Ludwig Renn, Hans Kahle, Ernst Schneller und vielen anderen. Sie haßten nicht nur den imperialistischen Krieg und die Kreise, die für das Völkermorden verantwortlich waren, sie wandten sich auch gegen die rechten sozialdemokratischen Führer, die sich durch ihre Burgfriedenspolitik mit­schuldig gemacht hatten. Sie schlugen sich auf die Seite der revolutionären Arbeiter und verfochten deren Sache. Sie widmeten dem Kampf der Arbeiterbewegung ihr gan­zes Leben, und viele gaben es auch in die­sem Kampf. Prinzipienfestigkeit und Kühn­heit, Mut und Initiative, Treue und Siegeszuversicht sind Charakterstärken dieser Kommunisten, die auch Richard Sorge aus­zeichneten. Junge Menschen von heute, die sich beim Aufbau und beim Schutz des sozialistischen Vaterlandes bewähren, schöp­fen Kraft und Zuversicht aus dem Leben dieser Vorbilder.

Genosse Sorge hat uns vorgelebt und als Vermächtnis hinterlassen: Man kann kein Kommunist, kein aufrechter Patriot seiner Heimat sein, ohne die Sowjetunion, das Land Lenins, zu lieben und bedingungslos mit ganzer Kraft an seiner Seite gegen den Imperialismus, für den Sozialismus, für den Frieden und die Menschheit zu kämpfen. Für Richard Sorge gab es in seiner Haltung zur Sowjetunion keine Zweifel und kein Schwanken. Er war sich gewiß, für die gerechteste Sache zu kämpfen und zu den Sie­gern der Geschichte zu gehören.

Viele Kundschafter haben im Kampf an der geheimen Front Großes geleistet. Ihre Informationen haben während des Großen Vaterländischen Krieges dazu beigetragen, daß die sowjetische Führung ihre Entschlüsse auf gesicherten Angaben aufbauen konnte. An dieser Front kämpften Kommu­nisten vieler Länder, aber auch Antifaschisten, die aus bürgerlichen Kreisen stamm­ten. Manch Kundschafter hat den Triumph der Völker über die faschistisch-militaristi­sche Staatengruppe nicht mehr erlebt, er ist an der lautlosen Front gefallen. Jahre nach dem Sieg haben Einige Zeit und Kraft gefunden, ihre Erinnerungen niederzuschreiben und damit auch das Vermächtnis der Gefallenen zu bewahren. Hier seien nur Ruth Werner, Sändor Radö, Iwan Winarow und Kim Philby genannt.

In einleitenden Bemerkungen zu seinen Memoiren, die unter dem Titel «Kämpfer der lautlosen Front» erschienen sind, macht der spätere General der bulgarischen Volks­armee Iwan Winarow darauf aufmerksam, daß auch die Niederschrift seiner Erinne­rungen eine ernste Aufgabe war. «Dazu ist der Stoff, der leicht zur Sensation werden kann, zu <heiß>, wie man sagt. Viele Seiten der Tätigkeit eines Kundschafters bleiben immer geheim, gleichgültig, wieviel Zeit in­zwischen ins Land gegangen ist.»

Nach der Einverleibung der DDR durch die BRD wurden etliche dieser Einrichtungen von den neuen Machthabern umbenannt, um die Erinnerung an diesen hervorragenden Kommunisten und Internationalisten auszulöschen.

In immerhin noch 6 [sechs] Städten (!!!) konnte die radikale Auslöschung bislang verhindert werden:
Richard-Sorge-Str. in Aschersleben
Richard-Sorge-Str. in Berlin
Richard-Sorge-Str. in Jena
Richard-Sorge-Str. in Wildau bei Königs Wusterhausen
Dr.-Richard-Sorge-Str. in Dranske
Dr.-Richard-Sorge-Str. in Wollin bei Brandenburg an der Havel

Torpedoschnellboote, Aufklärungsbataillone, geschweige denn Kasernen tragen heute nicht mehr den Namen von Richard Sorge und Schulen durften ab 1990 nur noch mit ihrer Nummer, unter Weglassung des Namens, genannt werden.

Heute, zum 120. Geburtstag Richard Sorges, wurde ihm zu Ehren in Moskau, in der Schule Nr. 141, ein Denkmal eingeweiht.

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Geboren wurde Richard Sorge als Sohn eines deutschen Ingenieurs und dessen russischer Frau am 4. Oktober 1895 in Adschibend bei Baku im heutigen Aserbaidschan, wo der Vater in der Erdölindustrie tätig war. Sein Großonkel Richard Friedrich Adolf Sorge (1826 – 1906) — war ein enger Weggefährte von Karl Marx und einer der Mitbegründer und führenden Köpfe der Ersten Internationalen Arbeiterassoziation. Richard Sorge schrieb in einer kurzen Autobiographie im Jahr 1927: „Meines Vaters Familie ist eine Familie von Intellektuellen und gleichzeitig eine Familie mit alten revolutionären Traditionen. Meine Mutter und mein Großvater, wie meines Großvaters Vettern, besonders Friedrich Adolf Sorge, waren aktive Revolutionäre vor, während und nach der Revolution 1848.“

Der Erste imperialistische Weltkrieg sollte zum entscheidenden Wendepunkt im Leben Richard Sorges werden. Zunächst meldete er sich freiwillig, unter dem Einfluss seiner reaktionär-konservativen Umgebung in Berlin, wo er seit seinem 3. Lebensjahr aufwuchs,  zum freiwilligen Militärdienst im kaiserlich-deutschen Heer. Er trat in ein Artilleriebataillon ein und wurde an die Westfront versetzt. Dort wurde er im März 1916 durch Granatsplitter schwer verwundet, wobei ihm beide Beine brachen. Durch die Verwundung blieb er für den Rest seines Lebens körperlich beeinträchtigt. Er wurde allerdings zum Unteroffizier befördert und erhielt das Eiserne Kreuz.

Doch die Schrecken des Krieges, die er erlebt hatte, öffneten Richard Sorge die Augen für den reaktionären Charakter des Völkergemetzels zur Aufteilung der Welt zwischen einigen wenigen Kapitalgruppen. Noch während seiner Genesung befasste er sich mit den Werken von Karl Marx und Friedrich Engels und begann 1916 mit einem Studium der Nationalökonomie und Philosophie, zunächst in Berlin und später in Kiel. Hier nahm er Kontakt zu den Unabhängigen Sozialdemokraten (USPD), als der einigen Partei die damals konsequent den Kampf gegen den imperialistischen Krieg organisierte,  auf und gründete eine Gruppe sozialistischer Studenten.

Neben seinem Studium hat er eine Stelle als Assistent am privaten fortschrittlichen Kieler „Institut für Seeverkehr und Weltwirtschaft“ inne (ab 1934:: Institut für Weltwirtschaft).  In den Jahren 1918 bis 1922 wird an diesem Institut intensiv über ökonomische und soziologische Fragestellungen in Hinblick auf die Arbeiterbewegung diskutiert und publiziert. Das politische Spektrum der hier Forschenden reicht von der SPD über USPD, KPD bis zu den Rätekommunisten der KAPD. Hochschullehrer und Studierende beteiligen sich auch an praktischer Bildungsarbeit, in den sog. „Matrosenzirkeln“, halten dort vor Matrosen und Arbeitern Vorträge zu Wirtschaftsfragen.

Richard Sorge beteiligte sich jetzt aktiv am Kampf der revolutionären Arbeiterschaft gegen Krieg und Hunger. In Hamburg unterstützte er die Hungeraufstände der Arbeiterschaft. Am 3. November 1918 zog er gemeinsam mit den 5000 – 6000 Matrosen, Soldaten und Arbeitern durch die Straßen Kiels, mit dem Ziel, die gefangenen Marine-Kameraden zu befreien. So wurde er zum Revolutionär. 1919 war Richard Sorge bereits Gründungsmitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), die jetzt aus der USPD und dem Spartakus-Bund hervorging.

Inmitten dieser bewegten Zeit, der revolutionären Umwälzungen in Deutschland, des Zusammenbruchs des wilhelminischen Kaiserreichs in Folge der ersten schweren Niederlage des deutschen Imperialismus bei seinem Griff nach der Weltmacht, führte Richard Sorge sein Studium mit hoher Energie fort, so dass er in erstaunlich kurzer Zeit bereits 1919 in Hamburg mit der Arbeit Die Reichstarife des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine zum Dr. rer. pol. promovieren konnte. So wurde er als Lehrkraft angestellt und ging an die Technische Hochschule in Aachen. Wegen der aktiven Teilnahme an den bewaffneten Abwehrkämpfen gegen den Kapp-Putsch verlor er jedoch bald seine Assistentenstelle.

Nachdem Richard Sorge nun mehrere Monate im Bergwerk unter Tage gearbeitet hatte, wurde er jetzt Redakteur bei der Bergischen Arbeiterstimme, schied allerdings auf Wunsch seiner Genossen im Oktober 1922 bereits wieder aus. Er zog nach Frankfurt am Main und wurde Mitglied in der Gesellschaft für Sozialforschung, dem formellen Verein für die Gründung des Instituts für Sozialforschung. Zu Pfingsten 1923 organisierte er in Thüringen die Erste Marxistische Arbeitswoche, an der Felix Weil, Karl Korsch, Georg Lukács, Friedrich Pollock, Karl August Wittfogel, Julian Gumperz u. a. teilnahmen. Sorge war 1924 einer der beiden Hauptassistenten des Instituts.

Die gescheiterten Arbeiteraufstände in Hamburg, Sachsen und Thüringen führten schließlich zum (vorläufigen) Verbot der KPD im gesamten Deutschen Reich. Sie signalisierten zugleich auch das Ende der revolutionären Welle von 1917 – 1923 und den Beginn einer relativen Stabilisierung des Kapitalismus. In dieser Situation hielt die KPD vom  7.–10. April 1924 ihren 9. (illegalen) Parteitag in Frankfurt / a. M. ab. Es galt, sich den neuen Herausforderungen zu stellen und in engem Zusammenwirken mit der KOMINTERN alle Möglichkeiten des revolutionären Klassenkampfes (legale und illegale) auszuschöpfen.

So reiste Richard Sorge 1924 mit der Zustimmung der Parteiführung, auf Einladung des Exekutivkomitees der KOMINTERN, erstmalig nach Moskau zur besseren Koordinierung der gemeinsamen Arbeit. 1925 reiste er dann erneut für einen längeren Aufenthalt nach Moskau und trat der KPdSU (b) bei. Er wurde jetzt ein Bürger der Sowjetunion, der bei der KPdSU (b) und im Komintern-Apparat angestellt war und arbeitete als Reporter der Informationsabteilung, Politikwissenschaftler und Sekretär der Organisationsabteilung des Instituts für Marxismus-Leninismus. Hier war er maßgeblich an der Herausgabe der MEGA (Marx-Engels-Gesamtausgabe) beteiligt.

Durch seine Fähigkeiten im Beherrschen der russischen und der deutschen Sprache sowie seiner Gewandtheit auch in anderen Sprachen, war Richard Sorge ein idealer Kader für die Tätigkeit als Kundschafter bei der Bekämpfung der Machenschaften der imperialistischen Großmächte,  die bereits wieder zu neuen Kriegen rüsteten und deren Versuche, die noch junge Sowjetunion zu erdrosseln. Ab 1929 arbeitete Richard Sorge nun ausschließlich für die GRU (Glawnoje Raswedywatelnoje Uprawlenije = Hauptverwaltung für Aufklärung [beim Generalstab der Streitkräfte der Russischen Föderation])  unter der Führung von Jan Bersin (genannt: Pawel Iwanowitsch). Während dieser Zeit wird er gründlich auf seine zukünftigen Einsätze, vor allem in China, vorbreitet.

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Nach Reisen nach England und Irland führte Richard Sorge 1930 seinen Auftrag in Shanghai aus. Er baut Informationsnetzwerke im Fernen Osten auf. Dies unter den Decknamen „Fix“, „Sontel“, „Inson“, „Schmid“, „Johson“ und dem berühmten „Ramsay“.

Zu dem Zeitpunkt als sich Richard Sorge für eine Arbeit für die GRU entschied wusste er natürlich noch nicht wohin ihn seine Einsätze führen würden. Er vermutete Deutschland oder Italien. Um so erstaunter war er als „Pawel Iwanowitsch“ auf einer Weltkarte in seinem Dienstzimmer mit seiner Hand auf China wies.

Als die 1925 begonnene Volksrevolution in China in den Jahren 1926 und 1927 von der Armee Tschiang-Kai-scheks mit grausamen Terror niedergeschlagen wurde, versuchten die Amerikaner und Briten, neben den Japanern, das Verhältnis von China zur SU zu verschlechtern. Der SU drohte somit aus dieser Richtung eine enorme Gefahr.

Im Januar 1930 kam Sorge in Schanghai an. Sein erstes Quartier war ein Hotel in der Avenue Joffre. Diese Straße verläuft parallel zum Fluß Huangpu der diese große Stadt quert und in den Jangtsekiang fließt. Sein Verbindungsmann „Wassili“ führte ihn in China ein. Schanghai hatte damals bereits mehr als 3 Millionen Einwohner und war Standort der gesamten Industrie. Schanghai war ein Staat im Staat. Diese Stadt waren eigentlich drei Städte. Zuerst das internationale Settlement unter starkem Einfluß der britischen Krone. Die Macht in diesem Teil der Stadt hatte uneingeschräkt der britische Konsul. Er verfügte über eigene Armee- und Polizeikräfte. Zweitens einen französichen Teil indem der französische Generalkonsul mit ebenfalls eigenen Armee- und Polizeikräften herrschte. Und drittens der eigentlichen „Chinesenstadt“. Betrat man diesen Teil der Stadt trat man in ein bereits vergangenes Jahrhundert zurück.

Richard Sorge lebte unter der Legende eines Auslandskorrespondenten der „Deutschen Getreide-Zeitung“ in China. Im Gepäck Sorges befand sich u.a. ein Empfehlungsschreiben des Außenministeriums Deutschlands für den deutschen Großkonsul in China Freiherr von Collenberg-Bödigheim.

Der Weg von der SU nach China führte über Deutschland, die USA nach China. Durch den Großkonsul lernte Sorge dort deutsche Militärberater kennen, Oberst van Glieber und Hauptmann Möllendorf, durch die er in nahezu alle Regionen Chinas reisen konnte ohne auf bedeutende Schwierigkeiten zu stoßen. Mit Oberst van Glieber fuhr Sorge auch nach Hangzhou. Einer verbotenen Region die allergrößter Geheimhaltung unterlag. Durch Oberst van Glieber erfuhr Sorge, das die Aufgaben der deutschen Militärberater einerseits dem Aufbau der Armee Tschiang-Kai-scheks dienen, das Hauptziel allerdings sei, die Erprobung eigener Waffen durchzuführen. Hier erfuhr er auch, dass mitten in Deutschland bereits ein geheimer Generalstab arbeitete, der in Verbänden wie dem „Stahlhelm“, „Wehrwolf“ und „Jungdo“ (Jungdeutscher Orden) mehr als 3 Millionen künftiger Soldaten außerhalb der Reichswehr auf einen zukünftigen Krieg vorbereitet würden.

Richard Sorge lernte durch diese vorzüglichen Kontakte Tschinag-Kai-schek, den Außenminister Bang und den Kriegsminister Ho-In-sching persönlich kennen. Sein Hauptauftrag war es jedoch Informationen über die Umsetzung des Memorandums Shin-ichi-Tanakas aus dem Jahr 1927 zu beschaffen. Dieses Memorandum beinhaltete die Forderung mit der SU die „Schwerter“zu kreuzen. Dabei spielten die Besetzung der Mandschurei und der Mongolei eine bedeutende Rolle. Durch das Anwachsen der chinesischen Befreiungsbewegung vor allem in Süd- und Zentralchina waren allerding die Kräfte gebunden und ein massiver Einsatz gegen die SU nicht möglich.

Mit Hauptmann Möllendorf besuchte Sorge die großen Truppenübungsplätze Hangzhou und Changchun aber auch Kaifeng und Xian. Die Kommandeure der Divisionen Tschiang-Kai-scheks waren Reichswehroffiziere, die als Berater getarnt agierten.

Richard Sorge begann dann eine Kundschaftergruppe aufzubauen. Mitglieder waren z.B.
– „John“ ein polnischer Jude
– „Tschang“ ein Chinese
– eine Deutsche (ohne Angabe des Namens, Ehefrau eines deutschen Geschäftsmannes)
– Max Christiansen-Clausen
– „Klaas Selman“ ein estnischer Kaufmann, während seiner Zeit in Schanghai auch „Paul“ genannt, Klarname Karl Rimm, Absolvent der sowjetischen Militärakademie im Range eines Generals und Militärberater Sorges
– Konstatin Mischin ein ehemaliger russischer Offizier der vor der Revolution geflohen war und später zur GRU fand.

Max Clausen baute ein eigenes Funkgerät, da das zur Verfügung gestellte den Anforderungen nicht gerecht wurde. Sein Eigenbau gewährleistete eine stabile Verbindung von Schanghai nach „Wiesbaden“ ( Deckname für die Gegenfunkstelle in Wladiwostok). Hier in Schanghai lernte Clausen auch seine spätere Frau Anna kennen.

Sorge erhielt Kenntnis zweier japanischer Geheimpläne. Der eine mit dem Decknamen „HEJ“ befasste sich mit der militärischen Aggression gegen China, der zweite mit dem Codenamen „OZU“ war der Plan militärischer Operationen gegen die SU. Hier begann die langjährige Zusammenarbeit mit dem japanischen Korrespondenten Hozumi Ozaki.

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Im Herbst 1932 erreichte Sorge der Funkspruch: „Rückkehr vorbereiten!“. Zusätzlich erhielt er einen Brief nach dessen Decodierung feststand, er sollte dringend zurück nach Moskau. Seine Gruppe hatte er an „Paul“ zu übergeben, der seine Rolle einzunehmen hatte. Am 15.11.1932 funkte Karl nach Moskau „Richard 12.11. von Schanghai nach Japan abgereist. am 21.11. muss er in Wladiwostok eintreffen.“ In den Unterlagen der GRU existiert die Abschrift dieses Funkspruches mit dem Vermerk Bersins „Wladiwostok informieren 15.XI.32“.

1932 kehrte der tapfere sowjetische Kundschafter nach Moskau zurück, wo er neue Instruktionen erhielt. Er wurde mit der Errichtung eines Informationsnetzwerkes in Tokio und der Überwachung aller möglichen Handlungen der japanischen imperialistischen Kamarilla beauftragt. Bei dieser Zielsetzung kommt Richard Sorge seine deutsche Abstammung zugute, um bis in die inneren Strukturen der Nazi-Hierarchie vorzudringen und nach Japan entsandt zu werden. Er wird in Tokio Korrespondent der deutschen „Frankfurter Zeitung“ und der „Technischen Rundschau“.

Richard Sorge reist von Deutschland nach Kanada. Von dort aus reist er weiter in die USA. Und dann am 6. September 1933 kommt er in Tokio unter dem Deckmantel des deutschen Journalisten an. Richard Sorge findet rasch Zugang zu den exklusivsten Ebenen der japanischen Aristokratie und der deutschen Botschaft in Japan. Eugene Ott, ein hoher Nazifunktionär in Tokio, wird sein Freund und vertraut ihm viele wichtige Informationen aus den Beziehungen zwischen Nazideutschland und dem imperialistischen Japan an. Er bat Richard Sorge sogar, die Pressesprecherfunktion der deutschen Botschaft in Tokio zu übernehmen. Er nimmt dies an, nachdem er den Unbekümmerten abgegeben hat. Sorge sollte es sein, der die Geheimberichte redigierte, welche hohe deutsche Marine- und Heeresoffiziere nach Berlin sendeten.

1935 reiste Richard Sorge insgeheim nach Moskau und kehrte in Begleitung von Max-Gottfried Clausen, seinem Funker, und dessen Gattin Anna Vallennius (die eine wertvolle Arbeit im Netzwerk verrichten sollte) zurück. Clausen würde die von Sorge beschafften wertvollen Informationen nach Moskau funken. Dieser Funkverkehr wurde zwar ständig vom japanischen Geheimdienst abgehört, aber die Chiffrierung konnten sie dabei nie knacken.

Richard Sorge schaffte es sogar, in die Gestapo-Strukturen einzubrechen, die in Japan tätig waren. Er beschaffte und lieferte nach Moskau alle Informationen aus dieser grausigen faschistischen deutschen Polizei.

Die Funksprüche von Clausen sind großartig. Beeindruckend rasch gelangen die Informationen an das Ziel. Clausen schaffte sogar, diese Informationen zu vereinfachen und den Wert von ihnen dabei noch zu erhöhen. 1939 sendet er 23.139 Worte in 60 Funksprüchen. 1940 sind es 19.179 Worte, 1941 sind es 13.103 Worte in 20 Funksprüchen. Dabei vermied er stets, dass der japanische Geheimdienst es schaffen konnte, die Codes zu dechiffrieren.

Am 20. Mai 1941 senden Richard Sorge und sein Funker Max-Gottfried Klausen folgende Meldung nach Moskau: „Hitler zieht derzeit 170 bis 190 Divisionen zusammen. Der Angriff wird am 20. Juni stattfinden. Sein unmittelbares Ziel wird Moskau sein.“ Das Sowjetische Oberkommando sollte diese Information unterschätzen und hielt sie für eine Machenschaft der deutschen Spionage-Abwehr, um den Krieg fortzusetzen, wenn die UdSSR noch nicht komplett vorbereitet war.

Am 22. Juni begann der heimtückische und wortbrüchige Überfall des faschistischen Deutschland auf die UdSSR, die „Operation Barbarossa“. Stalin begriff den begangenen Fehler und bei der nächsten Gelegenheit sollte er den Berichten von „Ramsay“ alias Richard Sorge in Japan mehr Beachtung schenken.

Am 15. Oktober 1941 übermittelten Richard Sorge und Max-Gottfried Clausen eine weitere wertvolle Information nach Moskau. Hier der Wortlaut der Meldung: „Die Armee von Kouantoung greift Sibirien nicht an. Japan hat beschlossen, niemanden anzugreifen außer die Vereinigten Staaten und England. Ich wiederhole: Neutralität von Japan gesichert. Russland wird nicht angegriffen.“

Einen Monat später wurde die sowjetische Heeresgruppe von Marschall Ermenko, die den Fernen Osten der UdSSR schützte, zur Verstärkung Moskaus in Marsch gesetzt. Diese strategische Operation sollte die sowjetische Hauptstadt retten und grundlegend für den Verlauf des Großen Vaterländischen Krieges der UdSSR werden.

Richard Sorge wurde drei Tage später festgenommen, d.h. nach jenem Funkspruch. Seine Festnahme ist Ergebnis eines Verrats. Eine Routine-Operation der Kempetai, der japanischen Geheimpolizei, gegen die japanische Kommunistische Partei, führte zur Festnahme von Tomo Kitabayashi, welcher Miyagi Yotoku verrät, welcher wiederum Ozaki Hozumi verrät, welcher dann trotz aller Folter standhaft bleibt und der japanischen Polizei kein Wort sagt. Aber die japanische Geheimpolizei Kempetai legte Wanzen im Haus von Hozumi. Und nach und nach fielen ihr die Mitglieder des Netzwerkes in die Hände. Insgesamt wurden 35 antifaschistische Kämpfer festgenommen.

Ozaki Hozumi wurde verurteilt und hingerichtet. Max-Gottfried Clausen wurde zu lebenslänglicher Haftstrafe verurteilt. Dieselbe Verurteilung erfuhr Anna Vallennius, der Kroate und Journalist Branko Vukelic, welcher zu lebenslänglicher Haft verurteilt wurde und im Gefängnis sterben sollte.

Richard Sorge wurde am 7. November 1944, am Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution, hingerichtet. Als er die letzten Stufen zum Galgen emporsteigt, ruft er noch aus:

„Für die Kommunistische Partei! Für die Sowjetunion! Für die Rote Armee!“

Am 4. September 1964 erschien ein Artikel in der Prawda, in dem es hieß: „Es ist die Stunde gekommen, von einem Mann zu sprechen, dessen Name für die kommenden Generationen ein Symbol für die Aufopferung für die Sache des Friedens, ein Symbol für die Würde und das Heldentum ist … Richard Sorge“.

In Moskau wurde ein Film über sein Leben geplant. Wer sind Sie, Herr Sorge? Von Ives Ciampi. Ihm wurden Orden und höchste Auszeichnungen postum verliehen, so der Orden “Held der Sowjetunion”. Seinen überlebenden Kundschaftergefährten, dem Funker Max-Gottfried Clausen und Anna Vallennius, wurde der Rotbannerorden und außerdem die Medaille in Gold für Verdienste der Nationalen Volksarmee der DDR verliehen.

Aber das größte Gedenken für Richard Sorge und die tapferen Mitglieder seiner Gruppe ist die Anerkennung der Tatsache, dass sein heldenhaftes Handeln in den inneren Strukturen des japanischen imperialistischen Ungeheuers ein hochbedeutsamer Beitrag bei der Zerschlagung des Faschismus und der Rettung Moskaus im Großen Vaterländischen Krieg war.

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Abschließend, für alle, die ihre Kenntnisse vertiefen wollen, eine Empfehlung, zu einem Buch, das 1984 im Militärverlag der DDR erschien und auch gehört werden kann:

REPORT von Julius MaderEin Dokumentarbericht über Kundschafter des Friedens mit ausgewählten Artikeln von Richard Sorge

Dieses Buch ist einer internationalen Gruppe heldenhafter Kundschafter gewidmet, die vor und während des zweiten Weltkrieges in Japan gegen die deutsch-japani­schen Kriegsbrandstifter kämpften. In den Jahren 1942 bis 1945 ließen japanische Imperialisten und Militaristen folgende Mitglieder der Gruppe «Ramsay» erdrosseln, zu Tode foltern oder im Kerker verhungern:

den Helden der Sowjetunion Dr. RICHARD SORGE

den jugoslawischen Kommunisten BRANKO VUKELIC

sowie die japanischen Patrioten Dr. HOZUMI OZAKI, YOTOKU MIYAGI, SHIGE MIZUNO, YOSHIO KAWAMURA, SUMIO FUNAKOSHI und TOMO KITABAYASHI.

Ihr Kampf für den Frieden und für das Glück der Völker ist uns Beispiel und Verpflichtung!

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Zum 70. Jahrestag des Sieges über den Faschismus: Die Zerschmetterung der japanischen Imperialisten

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Mit der Niederlage Nazideutschlands war der Herd der Weltaggression im Westen beseitigt. Aber im Fernen Osten tobte der Krieg fort, der von dem Hauptverbündeten Hitler­deutschlands, dem imperialistischen Japan, entfesselt wor­den war.

Die japanischen Imperialisten trugen sich seit langem mit Eroberungsplänen, die gegen die Sowjetunion gerichtet waren. Sie hatten mehr als einmal versucht, sich auf Kosten des sowjetischen Territoriums zu bereichern. Aber alle diese Ver­suche endeten unvermeidlich mit einem Fiasko. Die Inter­vention in den Jahren 1918—1922 brachte einen Misserfolg: in schwerem, erbittertem Ringen verteidigte die junge Rote Armee den sowjetischen Fernen Osten und warf die japani­schen Eindringlinge hinaus. Sieben Jahre später versuchten die Japaner im Jahre 1929 mit Hilfe chinesischer Militaristen, die Stärke der Sowjetunion zu sondieren. Aber die sowjetische Fernöstliche Armee versetzte den japanischen Söldlingen einen solchen Schlag, dass ihre Auftraggeber für fast weitere zehn Jahre zur Räson gebracht wurden. Die japanischen Im­perialisten hatten sich überzeugt, dass sie mit eigenen Kräf­ten ihre Raubziele nicht erreichen konnten; man musste ein geeignetes Aufmarschgebiet für den Überfall schaffen und sich der Unterstützung irgendeiner Großmacht, am besten in Europa, vergewissern. Im Jahre 1931 besetzten die Japaner die Mandschurei. Ein Aufmarschgebiet, von dem aus man sowohl gegen China als auch gegen die Sowjetunion operieren konnte, fiel in die Hände der japanischen Imperialisten. Die Regierung des Sowjetlandes begriff wohl, was Japan plante. Ende 1931 schlug die sowjetische Regierung Japan vor, einen Nichtangriffspakt abzuschließen. Im nächsten Jahr wurde das Angebot wiederholt, aber die japanische Regierung antwortete mit einer Ablehnung und bestätigte dadurch, dass sie in der Tat die Mandschurei gegen die UdSSR auszunutzen beabsichtige. Im Jahre 1936 unterzeichneten Japan und Deutschland den »Antikominternpakt«, ein Abkommen über den Kampf gegen die Komintern, wie es offiziell hieß. In Wirklichkeit war es ein gegen die demokratischen Länder und vor allem gegen die Sowjetunion gerichtetes Bündnis. Bei dem Gerichtsprozess gegen die japanischen Militaristen in Tokio im Jahre 1946 stellte sich heraus, dass der »Anti­kominternpakt« eine Geheimklausel enthielt, die gegen die Sowjetunion gerichtet war.

Nachdem sie ein Aufmarschgebiet erobert hatten, beschlos­sen die japanischen Imperialisten, ihre Kräfte erneut zu ver­suchen. Im Jahre 1938 organisierten die Japaner einen räube­rischen Überfall auf die Sowjetunion im Raum des Chassansees, stießen aber auf eine entschlossene Abwehr. Im Jahre 1939 begannen sie eine größere Operation im Raum der Mongolei in der Hoffnung, zum Baikalsee durchbrechen zu können, und erlitten erneut eine Niederlage. Der Schlag der Roten Armee bei Chalchin-Gol war so vernichtend, dass die japanischen Imperialisten auch nach dem Überfall Hitler­deutschlands auf das Sowjetland nicht wagten, die Sowjet­union anzugreifen, obwohl sie einen Bündnispakt mit dem faschistischen Deutschland abgeschlossen hatten. Bis zum Jahre 1940 hatten die japanischen Generale den operativen Plan eines Überfalls auf die UdSSR ausgearbeitet. Es war vorgesehen, den Angriff an drei Fronten zu führen. Die eine Front hatte die Aufgabe, Chabarowsk einzunehmen, die Nörd­liche Front sollte gegen Wladiwostok und weiter in Richtung der Stadt Swobodnyj operieren, und die Westliche Front schließlich war gegen Tschita gerichtet, um das gesamte Sowjetterritorium bis zum Baikalsee zu erobern. Der Opera­tionsplan war durch den japanischen Kaiser bestätigt worden. Im Sommer 1941, nach Hitlers Überfall auf die Sowjetunion, arbeiteten die japanischen Generale ihren operativen Plan bis in die Einzelheiten aus und nannten ihn »Kan-Toku-en« – »Besondere Manöver der Kwantung-Armee«. Die Japaner entfalteten eine fieberhafte Tätigkeit, um ihren Plan zu verwirklichen. Es wurden Stäbe geschaffen, neue Truppen­teile der Kwantung-Armee aufgestellt, Munition heran­gebracht Genau so wie die Nazis hatten die japanischen Generale im voraus eine Sonderkommission geschaffen, die den Auftrag erhielt, das System des zukünftigen Besatzungs­regimes auf sowjetischem Territorium auszuarbeiten. Aber obwohl die Nazis auf einem Eingreifen Japans gegen die Sowjetunion bestanden, zeigte dieses keine Eile. Die japani­schen Imperialisten warteten ab, bis Deutschland der Sowjet­union – wie sie es fest glaubten – eine Niederlage bereiten oder zumindest diese schwächen würde, erst dann gedachten sie, sich in den Krieg einzumischen. Im Dezember 1941 überfiel Japan die USA und England. Aber gleichzeitig rüstete es sich sorgfältig zum Überfall auf die Sowjetunion. Die Japaner unterhielten an der Sowjetgrenze eine riesige Armee und zwangen die Sowjetunion, Gegenmaßnahmen zu treffen. In der schwersten Periode der Kampfhandlungen an der sowjetisch-deutschen Front hatte das sowjetische Kommando keine Möglichkeit, seine Kräfte vom Fernen Osten abzuziehen. Dadurch unterstützten die Japaner ihre hitlerischen Verbün­deten und erschwerten die Lage der Sowjetunion. Im Juli 1942, als die Nazis nach Stalingrad vorstießen, hat­ten die Japaner ihre Armeen vollständig mobilisiert und warteten auf den Fall von Stalingrad, um über die Sowjet­union herzufallen. Nach dem deutschen Fiasko an den Mauern dieser Heldenstadt verstärkte die japanische Militärclique erneut die Kwantung-Armee, deren Stärke bis auf 1,1 Mil­lionen Mann gebracht wurde.

Die Japaner schufen an den sowjetischen fernöstlichen Grenzen eine äußerst gespannte Lage. Die japanische Presse führte eine antisowjetische Kampagne durch. Die japanische Administration hielt die Sowjetdampfer und -schiffe, die aus den Vereinigten Staaten unterwegs waren, zurück. Die. Japaner verhinderten die Lieferungen von Munition durch die Alliierten nach Wladiwostok. Die amerikanischen und britischen Schiffe waren gezwungen, die Route nach Mur­mansk und Archangelsk zu wählen, einen schweren und ge­fährlichen Weg, auf dem ihnen die deutschen U-Boote, Kreuzer und Flugzeuge auflauerten.

Sogar als Hitlerdeutschland, durch die Schläge der Sowjet­truppen erschüttert, am Rande der Katastrophe stand, stellte Japan seine feindliche Aktivität gegen die Sowjetunion durch­aus nicht ein. Das zwang die Sowjetregierung, den Neutrali­tätspakt mit Japan zu kündigen.

Auch nach der Kapitulation Hitlerdeutschlands änderte sich die Lage nicht. Japan setzte den Krieg hartnäckig fort, wobei die Spannung im Fernen Osten nicht nachließ. Ihrer tückischen Politik treu, wandte sich Japan im Juli 1945 an die Sowjetunion mit der Bitte um Vermittlung bei der Errich­tung des Friedens im Fernen Osten. Das war ein offenbarer Versuch Zeit zu gewinnen und unter dem Vorwand von Besprechungen die Kräfte für die Fortsetzung des Krieges umzugruppieren. Die Sowjetunion brachte das provokatorische Spiel Japans zum Scheitern. Eine solche Bedrohung im Osten konnte nicht mehr geduldet werden; es konnte nicht zu­gelassen werden, dass die Menschheit weiterhin im Feuer des Krieges verbleiben und unzählige Opfer bringen sollte. Ihrer Bündnispflicht getreu, schloss sich die UdSSR der Potsdamer Erklärung der USA, Großbritanniens und Chinas vom 26. Juli 1945 an, die eine bedingungslose Kapitulation Japans forderte. Die Regierung der Sowjetunion erklärte, dass die UdSSR sich vom 9. August an im Kriegszustand mit Japan befinden würde.

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Das Foto zeigt den Mar­schall der Sowjetunion Alexander Michailowitsch Wassilewski im Gespräch mit dem Marschall der Sowjetunion Semjon Michailowitsch Budjonny im Donbass im Jahr 1943.

An die Spitze der Armeen im Fernen Osten wurde Mar­schall der Sowjetunion Wassilewskij gestellt. Die Offensive entwickelte sich in mehreren Richtungen. Die Truppen der 1. Fernöstlichen Front unter dem Befehl des Marschalls der Sowjetunion Merezkow griffen aus dem Küstengebiet an, aus dem Raum von Chabarowsk stießen die Truppen des Armeegenerals Purkajew, der die 2. Fernöstliche Front befehligte, vor. Die Truppen des Marschalls der Sowjetunion Malinowskij, des Befehlshabers der Transbaikalienfront, rückten ungestüm in den Rücken der japanischen Armee vor.

Obwohl sich die Japaner zum Krieg im Fernen Osten un­unterbrochen gerüstet hatten, hatte die Rote Armee ihre für lange Zeit berechneten Verteidigungsstellungen rasch durch­brochen und einen so wuchtigen Schlag geführt, dass der Feind nicht standhalten konnte. Bereits von den ersten Kriegs­tagen an wurde es klar, dass die größte japanische Heeres­gruppe, die Kwantung-Armee, zur vollen Zerschmetterung verurteilt war. Japan beschloss, zu kapitulieren. Auf diese Weise hat der Eintritt der Sowjetunion in den Krieg mit Japan die Lage im Fernen Osten entscheidend verändert und das Eintreten des Friedens in der ganzen Welt beschleunigt.

Aber auch im Augenblick des Zusammenbruchs verzichteten die japanischen Faschisten auf ihre beliebte Methode der Provokation nicht. Das japanische Kommando willigte in die Kapitulation ein, ordnete aber gleichzeitig einen Gegen­angriff an. Es war ein neuer Schlag der Roten Armee er­forderlich, um die Provokateure zur Vernunft zu bringen. Die tapferen Sowjettruppen wiesen den japanischen Gegen­angriff zurück und traten zu einer wuchtigen Offensive an. Die Japaner wurden zerschmettert. Ein Teil der Divisionen wurde eingekesselt und gefangengenommen. Das japanische Kommando beeilte sich, seinen Truppen den Befehl zur Waffenstreckung zu geben.

Nun war die Zeit gekommen, um den japanischen Eindring­lingen die Rechnung vorzulegen, die in den langen Jahren militärischer Provokationen und Intrigen aufgelaufen war.

»Vierzig Jahre«, sagte J. W. Stalin, »haben wir, Menschen der alten Generation, auf diesen Tag gewartet. Und nun ist dieser Tag gekommen.« Das russische Volk hat sich niemals mit der Niederlage im Russisch-Japanischen Kriege abgefun­den, als Japan sich auf Süd-Sachalin und auf den Kurilen­inseln festsetzte. Damit wurde Russland vom Ozean und folg­lich auch von den Häfen der Kamtschatka- und Tschuktschen-Halbinsel abgeschnitten.

»Die Niederlage der russischen Truppen im Jahre 1904, im Russisch-Japanischen Kriege, ließ im Bewusstsein des Vol­kes schwere Erinnerungen zurück. Diese Niederlage lastete auf unserem Lande als ein schwarzer Fleck. Unser Volk glaubte daran und wartete darauf, dass der Tag kommt, da Japan geschlagen und der Fleck getilgt wird.« (Stalin.)

Das Sowjetvolk hat den schwarzen Fleck beseitigt. Süd-Sachalin und die Kurileninseln kehrten zur Sowjetunion zurück.

Beide Aggressionsherde – im Osten und im Westen – waren liquidiert. Der Friede war gekommen.

»Unser Sowjetvolk«, sagte J. W. Stalin, als er am 2. Sep­tember 1945 die Sowjetmenschen zum Siege über Japan beglückwünschte, »hat für den Sieg weder Kräfte noch Mühe gescheut. Wir haben schwere Jahre durchgemacht. Jetzt aber kann jeder von uns sagen: wir haben gesiegt. Von nun an können wir unser Vaterland als befreit ansehen von der Bedrohung durch eine deutsche Invasion im Westen und eine japanische Invasion im Osten. Der lang erwartete Friede für die Völker der ganzen Welt ist angebrochen.«

Auszüge aus dem sowjetischen Buch Der große Vaterländische Krieg der Sowjetunion, dass 1947 im SWA-Verlag/Berlin als 4. Band in der Reihe „Das Sowjetland“ erschienen ist.

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Historiker streiten: Wann begann der zweite Weltkrieg?

Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua meldete gestern, das eine wachsende Zahl von Historikern heute die Auffassung vertreten, der Zweite Weltkrieg, habe nicht erst mit dem Überfall Nazi-Deutschlands auf Polen am 1. September 1939 begonnen, sondern der wirkliche Beginn des Zweiten Weltkrieges sei eigentlich die umfassende Invasion Japans in China im Jahr 1937. Nun mögen die Historiker in den kommenden Jahren auf diversen Kongressen über diese Frage streiten. Wir haben es da leichter. lesen wir einfach mal, was der Genosse Stalin zu dieser Frage in seinem

RECHENSCHAFTSBERICHT AN DEN XVIII. PARTEITAG ÜBER DIE ARBEIT DES ZK DER KPDSU(B)

am 10. März 1939 zu sagen hatte:

DIE INTERNATIONALE LAGE DER SOWJETUNION

Aleksandr Gerasimov - Stalin at the 18th Party Congress 1939

Genossen! Seit dem XVII. Parteitage sind fünf Jahre verflossen. Wie ihr seht, keine kurze Periode. Während dieser Zeit hat die Welt bedeutende Veränderungen erlebt. Staaten und Länder, ihre Beziehungen untereinander sind in vielem völlig andere geworden.

Welche Veränderungen haben sich in dieser Periode in der internationalen Lage vollzogen? Was hat sich in der äußeren und inneren Lage unseres Landes verändert?

Für die kapitalistischen Länder war dies eine Periode ernstester Erschütterungen sowohl auf dem Gebiete der Wirtschaft als auch auf dem Gebiete der Politik. Auf wirtschaftlichem Gebiete waren dies Jahre der Depression, und dann, angefangen mit der zweiten Hälfte 1937, Jahre einer neuen Wirtschaftskrise, Jahre eines neuen Niedergangs der Industrie in den Vereinigten Staaten von Amerika, England, Frankreich, folglich Jahre neuer wirtschaftlicher Verwicklungen. Auf politischem Gebiete waren dies Jahre ernster politischer Konflikte und Erschütterungen. Schon das zweite Jahr tobt der neue imperialistische Krieg, der sich auf dem gewaltigen Gebiete von Schanghai bis Gibraltar abspielt und eine Bevölkerung von mehr als 500 Millionen erfasst hat. Die Landkarte Europas, Afrikas, Asiens wird gewaltsam umgestaltet. Das gesamte System des so genannten Friedensregimes der Nachkriegszeit ist von Grund aus erschüttert.

Für die Sowjetunion dagegen waren dies Jahre ihres Wachstums und Aufblühens, Jahre ihres weiteren wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwungs, Jahre des weiteren Wachstums ihrer politischen und militärischen Macht, Jahre ihres Kampfes um die Erhaltung des Friedens in der ganzen Welt.

Das ist das allgemeine Bild.

Betrachten wir nun die konkreten Tatsachen der Veränderungen in der internationalen Lage.

1. Die neue Wirtschaftskrise in den kapitalistischen Ländern. Die Verschärfung des Kampfes um die Absatzmärkte, um die Rohstoffquellen, um die Neuaufteilung der Welt

Die Wirtschaftskrise, die in den kapitalistischen Ländern in der zweiten Hälfte 1929 begann, dauerte bis Ende 1933. Dann ging die Krise in eine Depression über, worauf eine gewisse Belebung der Industrie, ein gewisser Aufschwung der Industrie einsetzte. Doch ging diese Belebung der Industrie nicht in eine Prosperität über, wie dies gewöhnlich in der Periode der Belebung geschieht. Im Gegenteil, angefangen mit der zweiten Hälfte 1937 setzte eine neue Wirtschaftskrise ein, die zunächst die Vereinigten Staaten von Amerika und sodann England, Frankreich und eine Reihe anderer Länder erfasste.

Somit sahen sich die kapitalistischen Länder, noch ehe sie sich von den Schlägen der jüngsten Wirtschaftskrise erholen konnten, einer neuen Wirtschaftskrise gegenüber.

Dieser Umstand führte naturgemäß zu einer Steigerung der Arbeitslosigkeit. Die Zahl der Arbeitslosen in den kapitalistischen Ländern, die von 30 Millionen im Jahre 1933 auf 14 Millionen im Jahre 1937 gesunken war, stieg infolge der neuen Krise wieder auf 18 Millionen.

Eine charakteristische Besonderheit der neuen Krise besteht darin, dass sie sich in vielem von der vorhergehenden Krise unterscheidet, und zwar nicht im Sinne einer Verbesserung, sondern einer Verschlechterung.

Erstens hat die neue Krise nicht nach einer Prosperität der Industrie begonnen, wie dies 1929 der Fall gewesen ist, sondern nach einer Depression und einer gewissen Belebung, die jedoch nicht in eine Prosperität umschlug. Das bedeutet, dass die jetzige Krise schwerer sein wird und dass sie schwieriger zu bekämpfen sein wird als die vorhergehende Krise.

Ferner begann die jetzige Krise nicht in Friedenszeiten, sondern in der Periode des bereits begonnenen zweiten imperialistischen Krieges, da Japan, das bereits das zweite Jahr gegen China Krieg führt, den unermesslichen chinesischen Markt desorganisiert und für Waren anderer Länder fast unzugänglich macht; da Italien und Deutschland ihre Volkswirtschaft bereits auf das Geleise der Kriegswirtschaft übergeleitet haben, wobei sie für diesen Zweck ihre Vorräte an Rohstoffen und Valuta aufgebraucht haben; da alle übrigen kapitalistischen Großmächte anfangen, sich auf den Krieg umzustellen. Dies bedeutet, dass der Kapitalismus für einen normalen Ausweg aus der jetzigen Krise viel weniger Hilfsquellen haben wird als in der Periode der vorhergehenden Krise.

Schließlich ist die jetzige Krise im Unterschied zu der vorhergehenden keine allgemeine Krise, sondern erfasst zunächst hauptsächlich die wirtschaftlich starken Länder, die noch nicht zur Kriegswirtschaft übergegangen sind. Was die aggressiven Länder betrifft, wie Japan, Deutschland und Italien, die ihre Wirtschaft bereits auf den Krieg umgestellt haben, so machen sie, da sie ihre Kriegsindustrie verstärkt entwickeln, noch nicht den Zustand einer Überproduktionskrise durch, obwohl sie sich diesem Zustande nähern. Das bedeutet, dass zu einer Zeit, da die wirtschaftlich starken, nichtaggressiven Länder beginnen werden, aus der Phase der Krise herauszukommen, die aggressiven Länder, nachdem sie ihre Gold- und Rohstoffvorräte während des Kriegsfiebers erschöpft haben, in eine Phase schärfster Krise geraten müssen.

Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass die Industrie Deutschlands, wenn nicht etwas Unvorhergesehenes eintritt, dieselbe Abwärtsbewegung wird durchmachen müssen, die in Japan und Italien schon eingesetzt hat. Denn was heißt es, die Wirtschaft eines Landes auf das Geleise der Kriegswirtschaft überleiten? Das heißt, der Industrie eine einseitige, auf den Krieg eingestellte Richtung geben, die Produktion von Gegenständen für den Kriegsbedarf, die mit dem Verbrauch der Bevölkerung nichts zu tun haben, maximal erweitern, die Produktion und besonders die Belieferung des Marktes mit Massenbedarfsartikeln maximal einschränken, folglich also, den Verbrauch der Bevölkerung einschränken und über das Land eine Wirtschaftskrise heraufbeschwören.

Dies ist das konkrete Bild, das der Gang der neuen Wirtschaftskrise in den kapitalistischen Ländern bietet.

Es ist klar, dass eine solche ungünstige Wendung in der Wirtschaftslage zu einer Verschärfung der Beziehungen zwischen den Staaten führen musste. Schon die vorhergehende Krise hat alle Karten durcheinander geworfen und zu einer Verschärfung des Kampfes um die Absatzmärkte, um die Rohstoffquellen geführt. Die Annexion der Mandschurei und Nordchinas durch Japan, die Annexion Abessiniens durch Italien – all dies brachte die Schärfe des Kampfes zwischen den Mächten zum Ausdruck. Die neue Wirtschaftskrise muss zu einer weiteren Verschärfung des imperialistischen Kampfes führen und führt in der Tat dazu. Es handelt sich bereits nicht mehr um Konkurrenz auf den Märkten, nicht um Handelskrieg, nicht um Dumping. Diese Kampfmittel gelten schon längst als unzureichend. Es geht jetzt um die Neuaufteilung der Welt, der Einflusssphären, der Kolonien durch Kriegshandlungen.

Japan suchte seine aggressiven Handlungen damit zu rechtfertigen, dass man es beim Abschluss des Neunmächtepaktes übervorteilt und dass man ihm nicht gestattet habe, sein Territorium auf Kosten Chinas zu erweitern, während England und Frankreich gewaltige Kolonien besitzen. Italien besann sich darauf, dass man es bei der Teilung der Beute nach dem ersten imperialistischen Kriege übervorteilt habe und dass es sich auf Kosten der Einflusssphären Englands und Frankreichs entschädigen müsse. Deutschland, das durch den ersten imperialistischen Krieg und den Versailler Frieden ernsthaft Schaden gelitten hatte, schloss sich Japan und Italien an und forderte die Vergrößerung seines Territoriums in Europa und die Rückgabe der. Kolonien, die ihm die Sieger im ersten imperialistischen Krieg weggenommen hatten.

So begann sich der Block der drei aggressiven Staaten zu bilden. Die Frage der Neuaufteilung der Welt durch den Krieg wurde auf die Tagesordnung gesetzt.

2. Die Verschärfung der internationalen politischen Lage,
der Zusammenbruch des Nachkriegssystems der Friedensverträge,
der Beginn des neuen imperialistischen Krieges

Hier eine Aufzählung der wichtigsten Ereignisse in der Berichtsperiode, die den neuen imperialistischen Krieg einleiteten. Im Jahre 1935 überfiel Italien Abessinien und annektierte es. Im Sommer 1936 organisierten Deutschland und Italien die militärische Intervention in Spanien, wobei Deutschland sich im Norden Spaniens und in Spanisch-Marokko und Italien im Süden Spaniens und auf den Balearen festsetzte. Im Jahre 1937 brach Japan, nach der Annexion der Mandschurei, in Nord- und Zentralchina ein, besetzte Peking, Tientsin, Schanghai und begann seine ausländischen Konkurrenten aus der Okkupationszone zu verdrängen. Anfang 1938 annektierte Deutschland Osterreich und im Herbst 1938 das Sudetengebiet der Tschechoslowakei. Ende 1938 bemächtigte sich Japan Kantons und Anfang 1939 der Insel Hainan.

Somit zog der Krieg, der sich so unmerklich an die Völker herangeschlichen hat, mehr als 500 Millionen Menschen in seinen Bannkreis; der Krieg hat seine Aktionssphäre auf ein gewaltiges Gebiet ausgedehnt: von Tientsin, Schanghai und Kanton über Abessinien bis Gibraltar.

Nach dem ersten imperialistischen Kriege schufen die Siegerstaaten, hauptsächlich England, Frankreich und die USA, ein neues Regime der Beziehungen zwischen den Ländern: das Friedensregime der Nachkriegszeit. Die wichtigsten Grundpfeiler dieser Regimes waren im Fernen Osten der Neunmächtepakt und in Europa der Versailler Vertrag und eine ganze Reihe anderer Verträge. Der Völkerbund war dazu bestimmt, die Beziehungen zwischen den Ländern im Rahmen dieses Regimes auf der Grundlage einer Einheitsfront der Staaten, auf der Grundlage der kollektiven Verteidigung der Sicherheit der Staaten zu regeln. Die drei aggressiven Staaten und der von ihnen begonnene neue imperialistische Krieg haben jedoch dieses gesamte Friedensregime der Nachkriegszeit über den Haufen geworfen. Japan hat den Neunmächtepakt, Deutschland und Italien haben den Versailler Vertrag zerrissen. Um freie Hand zu bekommen, sind alle diese drei Staaten aus dem Völkerbund ausgetreten.

Der neue imperialistische Krieg wurde zur Tatsache.

In unseren Zeiten ist es nicht so leicht, sich mit einem Male von der Kette loszureißen und sich geradewegs in den Krieg zu stürzen, ohne auf Verträge verschiedener Art und auf die öffentliche Meinung Rücksicht zu nehmen. Den bürgerlichen Politikern ist dies sehr wohl bekannt. Auch den faschistischen Machthabern ist das bekannt. Daher entschlossen sich die faschistischen Machthaber, bevor sie sich in den Krieg stürzten, die öffentliche Meinung in bestimmter Weise zu bearbeiten, d. h. sie irrezuführen, sie zu betrügen.

Ein Kriegsblock Deutschlands und Italiens gegen die Interessen Englands und Frankreichs in Europa? Gott bewahre! Ist das etwa ein Block? „Wir“ haben keinerlei Kriegsblock. „Wir“ haben lediglich eine harmlose „Achse Berlin-Rom“, d. h. eine Art geometrische Formel für eine Achse. (Heiterkeit).

Ein Kriegsblock Deutschlands, Italiens und Japans gegen die Interessen der USA, Englands und Frankreichs im Fernen Osten? Nichts dergleichen! „Wir“ haben keinerlei Kriegsblock. „Wir“ haben lediglich ein harmloses „Dreieck Berlin-Rom-Tokio“ – das ist ein kleiner geometrischer Zeitvertreib. (Allgemeine Heiterkeit).

Ein Krieg gegen die Interessen Englands, Frankreichs, der USA? Unsinn! „Wir“ führen Krieg gegen die Komintern und nicht gegen diese Staaten. Glaubt ihr es nicht, so lest den „Antikomintern-Pakt“, den Italien, Deutschland und Japan miteinander abgeschlossen haben.

So gedachten die Herren Aggressoren die öffentliche Meinung zu bearbeiten, obwohl es nicht schwer war zu begreifen, dass all dies eine plumpe, durchsichtige Maskerade war, denn es ist lächerlich, „Stützpunkte“ der Komintern in den Wüsten der Mongolei, in den Bergen Abessiniens, in den Felsschluchten Spanisch-Marokkos zu suchen. (Heiterkeit).

Aber der Krieg ist unerbittlich. Man kann ihn hinter keinerlei Kulissen verstecken. Denn hinter keinerlei „Achsen“, „Dreiecken“ und „Antikomintern-Pakten“ läßt sich die Tatsache verstecken, dass Japan während dieser Zeit ein gewaltiges Gebiet Chinas, Italien – Abessinien, Deutschland – Österreich und das Sudetengebiet, Deutschland und Italien gemeinsam Spanien an sich gerissen haben, all dies entgegen den Interessen der nichtaggressiven Staaten. Der Krieg blieb Krieg, der Kriegsblock der Aggressoren blieb ein Kriegsblock und die Aggressoren blieben Aggressoren.

Ein kennzeichnender Zug des neuen imperialistischen Krieges besteht darin, dass er noch nicht zu einem allgemeinen, zu einem Weltkriege geworden ist. Der Krieg wird von den aggressiven Staaten geführt, die die Interessen der nichtaggressiven Staaten, vor allem Englands, Frankreichs und der USA, in jeder Weise schädigen; die letzteren weichen jedoch zurück, treten den Rückzug an, machen den Aggressoren ein Zugeständnis nach dem anderen.

Somit vollzieht sich vor unseren Augen eine offene Neuaufteilung der Welt und der Einflusssphären auf Kosten der Interessen der nichtaggressiven Staaten, wobei diese keinerlei Versuche zur Abwehr unternehmen, in gewisser Weise sogar jene begünstigen.

Unglaublich, aber wahr.

Wodurch ist dieser einseitige und seltsame Charakter des neuen imperialistischen Krieges zu erklären?

Wie konnte es geschehen, dass die nichtaggressiven Länder, die über gewaltige Möglichkeiten verfügen, so leicht und ohne Widerstand zugunsten der Angreifer ihre Positionen preisgaben und sich von ihren Verpflichtungen lossagten?

Ist dies etwa durch die Schwäche der nichtaggressiven Staaten zu erklären? Natürlich nicht! Die nichtaggressiven, demokratischen Staaten sind zusammen unzweifelhaft stärker als die faschistischen Staaten, sowohl in ökonomischer als auch in militärischer Hinsicht.

Wodurch sind also in diesem Falle die systematischen Zugeständnisse dieser Staaten an die Aggressoren zu erklären?

Man könnte dies zum Beispiel mit der Furcht vor der Revolution erklären, die ausbrechen könnte, wenn die nichtaggressiven Staaten in den Krieg eintreten und der Krieg zu einem Weltkriege wird. Die bürgerlichen Politiker wissen natürlich, dass der erste imperialistische Weltkrieg den Sieg der Revolution in einem der größten Länder mit sich gebracht hat. Sie fürchten, der zweite imperialistische Weltkrieg könnte ebenfalls zum Siege der Revolution in einem oder in mehreren Ländern führen.

Aber das ist zurzeit nicht die einzige und nicht einmal die wichtigste Ursache. Die wichtigste Ursache besteht darin, dass sich die meisten nichtaggressiven Länder und vor allem England und Frankreich von der Politik der kollektiven Sicherheit, von der Politik der kollektiven Abwehr der Aggressoren losgesagt haben, dass sie die Position der Nichteinmischung, die Position der „Neutralität“ bezogen haben.

Formal gesehen könnte man die Politik der Nichteinmischung wie folgt charakterisieren: „Jedes Land möge sich gegen die Aggressoren verteidigen wie es will und wie es kann, wir scheren uns nicht darum, wir werden sowohl mit den Aggressoren als auch mit ihren Opfern Handel treiben.“ In Wirklichkeit bedeutet jedoch die Politik der Nichteinmischung eine Begünstigung der Aggression, die Entfesselung des Krieges und folglich seine Umwandlung in einen Weltkrieg. In der Politik der Nichteinmischung macht sich das Bestreben, der Wunsch geltend, die Aggressoren bei der Ausführung ihres dunklen Werkes nicht zu hindern, zum Beispiel Japan nicht zu hindern, sich in einen Krieg gegen China, noch besser aber gegen die Sowjetunion einzulassen, zum Beispiel Deutschland nicht zu hindern, sich in die europäischen Angelegenheiten zu verstricken, sich in einen Krieg gegen die Sowjetunion einzulassen, alle Kriegsteilnehmer tief in dem Morast des Krieges versinken zu lassen, sie im stillen dazu anzuspornen, dazu zu bringen, dass sie einander schwächen und erschöpfen, dann aber, wenn sie genügend geschwächt sind, mit frischen Kräften auf dem Schauplatz zu erscheinen und, natürlich, „im Interesse des Friedens“ aufzutreten, um den geschwächten Kriegsteilnehmern die Bedingungen zu diktieren.

Wie billig und wie nett!

Nehmen wir zum Beispiel Japan. Es ist charakteristisch, dass alle einflussreichen französischen und englischen Zeitungen vor dem japanischen Einfall in Nordchina schreiend verkündeten, dass China schwach sei, dass es unfähig sei, Widerstand zu leisten, dass Japan mit seiner Armee in zwei, drei Monaten China unterwerfen könnte. Daraufhin nahmen die europäischen und amerikanischen Politiker eine abwartende Stellung ein und spielten den Beobachter. Und dann, als Japan die Kriegshandlungen entfaltete, trat man ihm Schanghai ab, das Herz des ausländischen Kapitals in China, trat man Kanton ab, den Stützpunkt des englischen Monopoleinflusses in Südchina, trat man Hainan ab, ließ man Hongkong einkreisen. Nicht wahr, all das sieht einer Ermunterung der Aggressoren sehr ähnlich: Mögen sie sich weiter in den Krieg verstricken, man wird dann schon sehen.

Oder nehmen wir zum Beispiel Deutschland. Man trat Deutschland Österreich ab, ungeachtet der Verpflichtung, die Selbständigkeit Österreichs zu verteidigen, man trat ihm das Sudetengebiet ab, überließ die Tschechoslowakei ihrem Schicksal, womit man allen und jeden Verpflichtungen zuwiderhandelte, und begann dann in der Presse lärmend zu lügen, dass die „russische Armee schwach“, die „russische Luftflotte zersetzt“ sei, dass es in der Sowjetunion „Unruhen“ gebe, wodurch man die Deutschen anstachelte, weiter nach Osten vorzustoßen, ihnen leichte Beute versprach und ihnen zuredete: Fangt nur den Krieg gegen die Bolschewiki an, weiter wird alles gut gehen. Man muss zugeben, dass dies ebenfalls einem Antreiben, einer Ermunterung des Aggressors sehr ähnlich sieht.

Kennzeichnend ist der Lärm, den die englische, französische und nordamerikanische Presse um die Sowjetukraine erhob. Die Vertreter dieser Presse schrieen sich heiser, dass die Deutschen gegen die Sowjetukraine marschieren, dass sie gegenwärtig die so genannte Karpato-Ukraine in Händen haben, die etwa 700000 Einwohner zählt, und dass die Deutschen nicht später als im Frühling dieses Jahres den Anschluss der Sowjetukraine mit mehr als 30 Millionen Einwohnern an die so genannte Karpato-Ukraine vollziehen würden. Es hat den Anschein, als ob dieser verdächtige Lärm den Zweck hatte, bei der Sowjetunion Wut gegen Deutschland zu erregen, die Atmosphäre zu vergiften und einen Konflikt mit Deutschland zu provozieren, ohne dass dazu sichtbare Gründe vorliegen.

Es ist allerdings sehr wohl möglich, dass es in Deutschland Verrückte gibt, die davon träumen, einen Elefanten, d. h. die Sowjetukraine, einer Mücke, d. h. der so genannten Karpato-Ukraine, anzugliedern. Wenn es dort wirklich solche wahnwitzigen Leute gibt, so ist nicht daran zu zweifeln, dass sich in unserem Lande in genügender Zahl Zwangsjacken für solche Verrückten finden würden. (Beifallssturm). Lassen wir aber die Verrückten beiseite und wenden wir uns normalen Menschen zu: Ist es etwa nicht klar, dass es lächerlich und dumm wäre, im Ernst von einem Anschluss der Sowjetukraine an die so genannte Karpato-Ukraine zu sprechen? Man bedenke nur. Die Mücke kommt zum Elefanten und sagt zu ihm, die Hände in die Seiten gestemmt: „He, du, mein lieber Bruder, wie tust du mir doch leid… Du lebst dahin ohne Gutsbesitzer, ohne Kapitalisten, ohne nationale Unterdrückung, ohne faschistische Machthaber, was ist das für ein Leben… Ich schaue dich an und kann nicht umhin zu bemerken: Es gibt keine Rettung für dich, als dich mir anzuschließen… (Allgemeine Heiterkeit). Wohlan denn, ich erlaube dir, dein kleines Gebiet meinem unermesslichen Territorium anzuschließen…“ (Allgemeine Heiterkeit und Beifall).

Noch kennzeichnender ist es, dass gewisse Politiker und Pressevertreter in Europa und in den Vereinigten Staaten, die in Erwartung eines „Feldzugs gegen die Sowjetukraine“ die Geduld verloren haben, selber dazu übergehen, die wahren Hintergründe der Nichteinmischungspolitik zu enthüllen. Sie erklären geradeheraus und geben es schwarz auf weiß zu, dass sie von den Deutschen schwer „enttäuscht“ seien, da diese, statt weiter nach Osten, gegen die Sowjetunion, vorzustoßen, sich – man denke nur – nach Westen wenden und Kolonien verlangen. Der Gedanke liegt nahe, man habe den Deutschen Gebiete der Tschechoslowakei als Kaufpreis für die Verpflichtung gegeben, den Krieg gegen die Sowjetunion zu beginnen, dass sich aber die Deutschen nunmehr weigern, den Wechsel einzulösen, und den Gläubigern die Türe weisen.

Ich bin weit davon entfernt, über die Nichteinmischungspolitik zu moralisieren, von Verrat, von Treubruch und dergleichen zu sprechen. Es wäre naiv, Leuten, die die menschliche Moral nicht anerkennen, Moral zu predigen. Politik ist Politik, wie die alten durchtriebenen bürgerlichen Diplomaten sagen. Es ist jedoch notwendig zu bemerken, dass das große und gefährliche politische Spiel, das die Anhänger der Nichteinmischungspolitik begonnen haben, für sie mit einem ernsten Fiasko enden kann.

So sieht in Wirklichkeit die heute herrschende Nichteinmischungspolitik aus.

Das ist die politische Lage in den kapitalistischen Ländern.

3. Die Sowjetunion und die kapitalistischen Länder

Der Krieg hat eine neue Lage in den Beziehungen zwischen den Ländern geschaffen. Er hat in diese Beziehungen eine Atmosphäre der Unruhe und Unsicherheit hineingetragen. Der Krieg hat die Grundlagen des Friedensregimes der Nachkriegszeit untergraben, die elementarsten Begriffe des Völkerrechts über den Haufen geworfen und dadurch den Wert internationaler Verträge und Verpflichtungen in Frage gestellt. Pazifismus und Abrüstungsprojekte sind begraben worden. An ihre Stelle ist das Rüstungsfieber getreten. Alle Staaten, die kleinen wie die großen, rüsten auf, darunter vor allem diejenigen Staaten, die Nichteinmischungspolitik betreiben. Niemand glaubt mehr den salbungsvollen Reden, dass die Münchener Zugeständnisse an die Aggressoren und das Münchener Abkommen eine neue Ära, eine Ära der „Befriedung“, eingeleitet hätten. Auch die Teilnehmer des Münchener Abkommens selbst, England und Frankreich, schenken ihnen keinen Glauben; sie steigern ihre Rüstungen nicht weniger als die anderen.

Es ist klar, dass die Sowjetunion über diese unheilschwangeren Ereignisse nicht hinwegsehen konnte. Es ist nicht zu bezweifeln, dass jeder, selbst der kleinste Krieg, der irgendwo in einem entfernten Weltwinkel von den Aggressoren begonnen wird, für die friedliebenden Länder eine Gefahr darstellt. Eine umso ernstere Gefahr bedeutet der neue imperialistische Krieg, der bereits mehr als 500 Millionen Menschen in Asien, Afrika und Europa in seinen Bannkreis gezogen hat. Infolgedessen hat unser Land, das unbeirrt die Politik der Erhaltung des Friedens betreibt, gleichzeitig auch eine große Arbeit zur Stärkung der Kampfbereitschaft unserer Roten Armee und unserer Roten Kriegsmarine entfaltet.

Zugleich entschloss sich die Sowjetunion im Interesse der Festigung ihrer internationalen Positionen, auch einige andere Schritte zu unternehmen. Ende 1934 trat unser Land dem Völkerbund bei, ausgehend davon, dass er sich, ungeachtet seiner Schwäche, als eine Stätte zur Entlarvung der Aggressoren eignen und als ein gewisses, wenn auch schwaches, Friedensinstrument dienen könne, das imstande wäre, die Entfesselung des Krieges zu hemmen. Die Sowjetunion ist der Ansicht, dass man in so unruhigen Zeiten auch eine so schwache internationale Organisation wie den Völkerbund nicht ignorieren soll. Im Mai 1935 wurde zwischen Frankreich und der Sowjetunion ein Beistandsvertrag für den Fall eines eventuellen Angriffs von Seiten der Aggressoren abgeschlossen. Gleichzeitig wurde ein analoger Vertrag mit der Tschechoslowakei unterzeichnet. Im März 1936 schloss die Sowjetunion einen Beistandsvertrag mit der Mongolischen Volksrepublik ab. Im August 1937 wurde ein auf Gegenseitigkeit beruhender Nichtangriffspakt zwischen der Sowjetunion und der Chinesischen Republik abgeschlossen.

Unter diesen schwierigen internationalen Verhältnissen führte die Sowjetunion ihre Außenpolitik durch, die Sache der Erhaltung des Friedens verfechtend.

Die Außenpolitik der Sowjetunion ist klar und verständlich:

1. Wir sind für den Frieden und für die Festigung sachlicher Beziehungen mit allen Ländern; auf diesem Standpunkt stehen wir und werden wir stehen, soweit diese Länder ebensolche Beziehungen zur Sowjetunion unterhalten werden, soweit sie nicht versuchen, die Interessen unseres Landes zu verletzen.

2. Wir sind für friedliche, freundschaftliche und gutnachbarliche Beziehungen mit allen Nachbarländern, die mit der Sowjetunion eine gemeinsame Grenze haben; auf diesem Standpunkt stehen wir und werden wir stehen, soweit diese Länder ebensolche Beziehungen zur Sowjetunion unterhalten werden, soweit sie nicht versuchen, sei es direkt oder indirekt, die Interessen der Unversehrtheit und Unantastbarkeit der Grenzen des Sowjetstaates zu verletzen.

3. Wir sind für die Unterstützung der Völker, die Opfer der Aggression geworden sind und für die Unabhängigkeit ihrer Heimat kämpfen.

4. Wir fürchten keine Drohungen der Aggressoren und sind bereit, auf einen Schlag der Kriegsbrandstifter, die versuchen sollten, die Unantastbarkeit der Sowjetgrenzen zu verletzen, mit einem doppelten Schlag zu antworten.

Das ist die Außenpolitik der Sowjetunion. (Stürmischer, anhaltender Beifall).

In ihrer Außenpolitik stützt sich die Sowjetunion:

1. auf ihre wachsende wirtschaftliche, politische und kulturelle Macht;

2. auf die moralische und politische Einheit unserer Sowjetgesellschaft;

3. auf die Freundschaft der Völker unseres Landes;

4. auf ihre Rote Armee und Rote Kriegsmarine;

5. auf ihre Friedenspolitik;

6. auf die moralische Unterstützung der Werktätigen aller Länder, deren ureigenstes Interesse die Erhaltung des Friedens ist;

7. auf die Einsicht der Länder, die aus diesen oder jenen Gründen an einer Verletzung des Friedens nicht interessiert sind.

Die Aufgaben der Partei auf dem Gebiet der Außenpolitik bestehen in folgendem:

1. auch in Zukunft eine Politik des Friedens und der Festigung sachlicher Beziehungen mit allen Ländern zu betreiben;

2. Vorsicht zu beobachten und den Kriegsprovokateuren, die es gewohnt sind, sich von anderen die Kastanien aus dem Feuer holen zu lassen, nicht die Möglichkeit zu geben, unser Land in Konflikte hineinzuziehen;

3. die Kampfkraft unserer Roten Armee und unserer Roten Kriegsmarine mit allen Mitteln zu stärken;

4. die internationalen Freundschaftsbeziehungen mit den Werktätigen aller Länder, die am Frieden und an der Freundschaft zwischen den Völkern interessiert sind, zu festigen.

Quelle:

Stalin-Werke, Band 14

RECHENSCHAFTSBERICHT AN DEN XVIII. PARTEITAG
ÜBER DIE ARBEIT DES ZK DER KPDSU(B)

http://www.stalinwerke.de/band14/band14.html

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Griechische Kommunisten ehren Aris Velouchiotis

Aris_velouchiotis_01Die griechischen Kommunisten gedachten am vergangenen Wochenende mit Massenkundgebungen in Arta, Lamia und Trikala des ersten Hauptmanns der griechischen Volksarmee (ELAS), der vor 70 Jahren, am 16. Juni 1945 in einem Gefecht mit regierungstreuen Paramilitärs, zusammen mit seinem Adjutanten Iavellas, fiel. Sein Kopf wurde abgeschnitten und der Öffentlichkeit, zur Abschreckung, auf dem Platz der Stadt Trikala zur Schau gestellt.

Aris Velouchiotis (Jahrgang 1905), der aus Lamia stammte, organisierte sich 1929 in der Kommunistischen Jugend. Während der Diktatur von Ioannis Metaxas (1936–1941) wurde er verhaftet und kam in Ägina ins Gefängnis. Er floh jedoch während seines Prozesses und wurde zu einem Kader der inzwischen verbotenen Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE): 1939 wurde er erneut verhaftet und auf Korfu inhaftiert.

Nach seiner Freilassung kämpfte Klaras ab 1940 als Feldwebel der Artillerie in der griechischen Armee an der albanischen Front gegen Mussolinis Armee, bis Griechenland im April 1941 durch den Angriff der Wehrmacht zur Kapitulation gezwungen wurde.

Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion, wurde Klaras, der sich schon länger für die Aufnahme des Partisanenkriegs gegen die Besatzer ausgesprochen hatte, von der Kommunistischen Partei nach Zentralgriechenland geschickt, um die Voraussetzungen für einen Partisanenkrieg gegen die Nazis zu prüfen. Auf der Grundlage seiner Ergebnisse schickte die Parteiführung Klaras im Januar 1942 in die Berge, wo er mit dem Aufbau der Partisanenstreitkräfte begann. Am 7. Juni 1942 traten zum ersten Mal Partisanen unter seiner Führung im Dorf Domnista (Evritania) in Zentralgriechenland in Aktion.

Eine der wichtigsten Operationen der von Velouchiotis geführten Einheit, war die Sprengung der Gorgopotamos-Brücke südlich von Lamia im November 1942. Der Erfolg der Aktion behinderte unter anderem für mehrere Tage den Nachschub der deutschen Truppen in Nordafrika, hatte darüber hinaus jedoch für die Möglichkeit des Widerstands gegen das vermeintlich übermächtige faschistische Besatzungsregime auch eine hohe symbolische Bedeutung.

Im Oktober des Jahres 1944 mussten die Nazis aus Griechenland abziehen. Velouchiotis, der die „Vereinbarung von Varkiza“ zwischen der ELAS und ihrer Überorganisation EAM mit der zurückgekehrten Exilregierung unter Georgios Papandreou scharf ablehnte, kehrte in die zentralgriechischen Berge zurück, um den Widerstand gegen die eingesetzte Regierung und die britischen Quasi-Besatzungstruppen zu organisieren. Obwohl die meisten seiner Verbündeten ihn verlassen hatten, setzte er den Partisanenkampf von dort, bis zu seinem Tod fort.

„Aris Velouchiotis war Kommunist. Der Marxismus-Leninismus war sein Weltbild. Das war die Wurzel seines geschärften Klasseninstinkts, seines unerschütterlichen Glaubens an die gerechte Sache des Volkes und die politische Einsicht, die ihn charakterisiert, auch wenn er selbst nicht frei von den Schwierigkeiten der Bildung einer vollständig richtigen Strategie, von Illusionen und Irrtümern war, die die internationale und auch die griechische kommunistische Bewegung hatte.

Aris war ein Mann des Volkes, mit der Fähigkeit, unter den Massen wohlmeinend, vielseitig, aber auch hartnäckig in seinen Ansichten, zu arbeiten. Er war ein guter Organisator und Propagandist. Er war sehr dynamisch und hatte großes Vertrauen in die gerechte Sache des Volkes.

Aris war ein Produkt seiner Zeit. Seine Charakteristik spiegelt den harten Kampf zwischen den beiden Welten.

Aris Velouchiotis, der erste Hauptmann der ELAS, starb nicht. Er lebt in uns. Diejenigen, die versuchten und weiterhin versuchen, seinen Beitrag und sein tragisches Ende, für ihre Zwecke auszubeuten, dürfen das nicht vergessen: Aris war Kommunist, er blieb seiner Partei im Sinne der Ideologie und Ideale der KKE bis zu seinem letzten Atemzug treu.“ 

Dimitris Koutsoumpas, GS des ZK der KKE.

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